Aminata und Fritz erkunden die Welt
(8)

Endlich in Afrika

Konzept Narcisse Djakam; Text Oliver H. Herde

"Ich bin in Afrika!" ruft Fritz begeistert, als die Maschine nach vielen Stunden Flug und einem Zwischenhalt in Amsterdam auf der Landebahn unweit des Berges Kilimandscharo aufsetzt. Es ist wirklich anstrengend gewesen, so lange sitzen zu müssen! Die Sache mit dem Kohlendioxid hat er inzwischen in seiner Vorfreude vergessen.
Da seine Mutter an den Ohren und der Nase herumdrückt und immer wieder zu gähnen versucht, geht es ihr offensichtlich wie ihm: Beide haben nun einen unangenehmen Druck auf den Ohren.
Aber Fritz ist viel zu aufgeregt, sich darum zu kümmern. Voller Neugier schaut er sich um, ob nicht schon irgendwo ein Elefant oder wenigstens ein exotischer Vogel zu entdecken sei, jedoch gibt es auf diesem Flughafen so wenig wilde Tiere wie auf jedem anderen.
Draußen erwartet Fritz auch zunächst weder ein Urwald, noch wenigstens eine grüne Savanne. Neben der Straße zur Stadt Aruscha liegen viele Kaffeeplantagen, Getreidefelder und andere landwirtschaftliche Gebiete. Für Fritz sieht die Stadt gar nicht so viel anders aus als die Urlaubsorte in Italien oder Spanien, dabei hatte er sich Hütten mit Strohdächern vorgestellt, wie er es aus manchen Filmen kennt. Auch der laute Autoverkehr ist kaum von Europa zu unterscheiden.
Noch immer sind keine Zebras oder Antilopen zu entdecken. Einzig die lebensgroßen Modelle eines Nashorns und eines Elefanten stehen an einem runden Platz inmitten eines Zaunes, als könnten sie weglaufen. "Wo sind denn all die Tiere?" fragt Fritz die Eltern.
"Hauptsächlich in den Nationalparks", ist Mutters Antwort. "So einen besuchen wir natürlich auch noch. Aber bestimmt gibt es auch schon vorher mal Tiere zu sehen."
"Es ist gar nicht so heiß, wie ich dachte", wechselt Fritz nach kurzem Bedenken das Thema. "Dabei sind wir doch im Süden!"
"Ja, aber auf der Südhalbkugel der Erde. Hier ist es gerade Winter. Da wir in der Nähe des Äquators sind, ist es trotzdem so warm, dank der hohen Lage am Berg aber auch nicht zu sehr. Du siehst, das Wetter und die Temperaturen hängen von vielen Faktoren ab."
Schließlich fällt Fritz noch auf, dass die Europäer hierzulande deutlich in der Minderheit sind: Die meisten Menschen haben eine dunkelbraune Haut und schwarze Haare. Natürlich kennt er solches Aussehen schon von Zuhause - von der Straße und aus der Schule. Obwohl er das eigentlich sehr interessant findet, kommt es ihm nun auch seltsam ungewohnt vor, auf einmal nicht mehr zur durchschnittlichen Mehrheit, dem scheinbar Normalen zu gehören. Die Mutter hat einmal gesagt, Normalität sei je nach Ort und Zeit ständig etwas anderes. Nun versteht er sie etwas besser. Außerdem ahnt er, wie sich manche Afrikaner oder auch Asiaten in Europa vielleicht hin und wieder fühlen mögen.

Aruscha
  • ca. 450.000 Einwohner
  • Zentrum des tansanischen Tourismus
  • Internationaler Konferenzort

  • Diese Geschichte erschien auch im Kiezboten.
    © Text: Oliver H. Herde, Narcisse Djakam
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