Demonstrationen für Frieden und Freiheit

im Sommer 2020 in Berlin
Tag der Freiheit (1.8.) / Nachglühen (2.8.) / Berlin läd ein (29.8.) / Verfassungsgebende Versammlung (2.10.)

Der Tag der Freiheit (1.8.2020)

Als ich etwas verspätet beim Friedrichstadtpalast auf den Demonstrationszug stoße, zählt die Polizei von ihren Hubschraubern aus bereits über 800.000 Teilnehmer. Davon weiß ich zwar noch nichts, aber auch der für mich sichtbare Ausschnitt aus Tausenden von friedlichen, demokratischen Menschen rührt mich - nachdem ich erst einmal ein paar Fotos geschossen habe und auch innerlich angekommen bin - zu Tränen.
Tag der Freiheit - Videoliste
mit Michael Ballweg, Bodo Schiffmann, Samuel Eckert, Nana 'Lifestyler' Domena, Markus Haintz, Thorsten Schulte, Heiko Schrang, Ralf Ludwig, 'Schwrzvyce', dem 'Mann mit dem roten Shirt' Stefan Bergmann, Lothar Hirneise, Heiko Schöning, Tina Rhomdani, Herrmann Ploppa, Adam Wendler, Albert Kessler, 'Kilez More', Hendrik Sodenkamp, Clemens Kuby, Daniele Ganser und recht vielen anderen
(Mehrere der ursprünglich gelisteten Videos wurden bereits von Youtube zensiert. Die Gründe dafür verrät Youtube nicht.)

Artikel von Peter Hahne: "Großdemo Berlin: Wieviele Teilnehmer? Faire Medien?"

Mein Schild am Fahrradkorb erweist sich als beliebtes Fotomotiv und bringt mir viele freundliche bis herzlich lächelnde Gesichter ein.

(Erst am Folgetag während des 'Nachglühens' im Mauerpark reißt in meiner Abwesenheit anscheinend ein Gegner des Grundgesetzes und der darin verankerten Meinungsfreiheit das Blatt aus der dabei beschädigten Hülle. Ich habe die Datei ja noch...)

Nach meiner Mittagspause eile ich zur Hauptkundgebung auf der Straße des 17. Juni. Aufgrund von Absperrungen durch die Polizei, weil die vom Veranstalter angekündigten 500.000 Teilnehmer bereits angekommen sind, aber noch immer mehr nachströmen wollen, wird dies nicht ganz leicht. Wie sich für mich erst später herausstellt, ist die Straße mit Menschen komplett gefüllt. So weichen die nachrückenden Hundertausenden auf beide Seiten des Tiergartens aus und verteilen sich auf die Wege und Wiesen. Durch die dort schlechte Akustik verbreitet sich das Gerücht, die Volksmasse sei auf 3 Millionen angestiegen - tatsächlich handelt es sich laut Polizeiinformation um 1,3 Millionen.
Ich bin auf meinen erzwungenen Umwegen noch nicht einmal in Sichtweite der Rednertribühne, als mir Thorsten Schulte entgegeneilt, den ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genügend einordnen kann. Aufgrund der Unterbrechung seines Redebeitrages wegen Gerüchten einer bevorstehenden Versammlungsauflösung erregt, fordert er die Leute auf, mit ihm eine Menschenkette um das Bundeskanzleramt zu errichten. Ich fühle mich hin- und hergerissen, bin ich doch noch nicht mal richtig angekommen, um nun schon wieder in die Gegenrichtung abzuziehen!
Meine Entscheidung, erst einmal die Bühne sehen zu wollen, erweist sich insofern als schicksalsrichtig, da ich eine aus unserer Tanzgruppe treffe, die auch bei meinen Spielabenden teilnahm, als beides noch stattfinden durfte.
Was wir aufgrund der Menschenmassen nur akustisch aus den Waldbereichen des Tiergartens mitbekommen: Um etwa 16:45 dringen Polizisten auf die Rednertribüne, erklären die Veranstaltung tatsächlich für aufgelöst und fordern die Leute zum Heimgehen auf. Damit sind weitere Beiträge nicht mehr möglich, zumal der Strom abgedreht wird. Dennoch lässt sich die Mehrheit der Menschen nicht vertreiben. Sie verteilt sich nur zunehmend, unter anderem durch kursierende Falschinformationen hervorgerufen, wodurch die Demonstration einen noch größeren Raum einnimmt und zunächst zu mehreren 'kleineren' Teildemos wird, während die meisten auf dem 17. Juni bleiben.

Lustiger rechtlicher Nebeneffekt: Mit der Auflösung der Veranstaltung entfallen die Maskenpflicht und andere "Hygieneauflagen"...

Völlig vom Tage geschafft, wollen meine Mittänzerin und ihre Freundin heimgehen. Mir geht es ähnlich. Doch die Polizei will mich nicht durch eine Absperrung lassen und verlangt von mir statt einem Weg von vielleicht 200 Metern ein Vielfaches an Umweg. Das Ende vom Lied ist, dass ich - nun wieder ohne meine beiden Begleiterinnen - die anderen Teildemos entdecke und noch etwas bleibe, um weitere Fotos zu schießen.
Schließlich dennoch müde, kehre ich zum Rad zurück, muss aber vor dem Kanzleramt wegen einer weiteren Menschenmasse absteigen. Ich nutze die Gelegenheit zu weiteren Aufnahmen. Bis auf die andere Seite gelange ich nicht, da der Ruf zum Sammeln erschallt. Dem kann ich nicht widerstehen, also zurück zur Hauptbühne!
Alle Versuche der Polizei, dieses neuerliche Sammeln durch bedrohliches Aufmarschieren und Abriegeln zu vereiteln, scheitern an der hundertfachen Überzahl freier Bürger, welche einfach überall durch den Tiergarten sickern.

Am späteren Abend ist für mich Tagesmensch allerdings endgültig die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht, zumal man ja seit Monaten nichts mehr gewohnt ist als auf dem Sofa zu sitzen. Mit einem Glücksgefühl wie seit Jahren nicht mehr mache ich mich endlich auf den Heimweg.


Das 'Nachglühen' am Sonntag, 2.8.2020

Ein heftiger Regenschauer lässt mich zurückschrecken, als ich am Folgetag mit dem Rad noch einmal zum Brandenburger Tor fahren möchte, um mir das dortige 'Nachbeben' anzusehen. Aber es gibt nachmittags ja noch eine weitere Veranstaltung, auf die ich mich vertrösten kann. Dort in der Arena des Mauerparks kann ich auch sitzen, was mir Krampfadern und Knie danken werden. Entgegen der Vorhersagen bleibt es in den Folgestunden auch bei ertragbar wenigen Nieseltropfen, die das gemeisame Erlebnis allemal vielfach aufwiegt.
Die lebensfreudige Stimmung ist großartig, das Programm mit einer Abwechslung aus Redebeiträgen, Gesang und artistischen Vorführungen ebenso bunt wie die Akteure und auch die Zuschauer.
Nana 'Lifestyler' Domena aus Ghana moderiert das alles großartig und macht sich auch immer wieder lustig über die gleichgeschalteten Massenmedien, welche ihn ebenso wie uns alle als "Rechten" verunglimpfen und offenbar nicht zählen können oder wollen, was die gestrige Massendemo anbelangt.

Danke!

Meine Videos

  • Video: Nana und Albert tanzen sich positiv und immun
  • Nana sagt "Frieden"...
  • Jogamönch Dada singt das Mantra 'Baba Nam Kevalam'
  • Ludwig & Haintz - Rechtsanwälte in Grundrechtsfragen

  • Und sperrt man mich ein
    im finsteren Kerker;
    dies alles sind rein
    vergebliche Werke.
    Denn meine Gedanken
    zerreißen die Schranken
    und Mauern entzwei.
    Die Gedanken sind frei.

    Berlin lud Europa zum 29.8.2020 ein

    (und nicht nur Europa kam!)
    Entgegen der neuerlichen Behauptung in den Medien, die Demo sei bereits Mittags aufgelöst worden, komme ich bald nach 16 Uhr rechtzeitig genug, um noch viel von der guten Stimmung und den Reden mitzubekommen. Diesmal füllen die freundlichen, wohlgelaunten Menschen tatsächlich die gesamte Straße des 17. Juni mitsamt Teilen der anderen Stern-Straßen und natürlich auch wieder der Tiergartenbereiche.

    Videoliste zur Demo

    Mitwirkende unter vielen anderen: Michael Ballweg, Bodo Schiffmann, Samuel Eckert, Nana 'Lifestyler' Domena, Markus Haintz, Heiko Schrang, Ralf Ludwig, Heiko Schöning, Herrmann Ploppa, 'Kilez More', sowie als besonderer Gastredner aus den Vereinigten Staaten von Amerika der Neffe des ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy Robert F. Kennedy jr.

    Verfassungsgebende Versammlung (2.10.2020)

    Als ich mich dem Bundeskanzleramt nähere, wundere ich mich, noch keine Demonstranten zu sehen. Tatsächlich sind wir zunächst lediglich ettliche Hundert. Zum einen mag es an diesmal vergleichsweise schwacher Bekanntmachung und dem frühen Freitag Nachmittag liegen, an dem sich gewiss noch nicht jeder freimachen kann, zumal direkt vor einem gesetzlichen Feiertag, an dem man nicht einkaufen darf. Zum anderen wurde die gesamte Wiese am Platz der Republik abgesperrt - es ist also überhaupt kein rechter Raum für noch mehr Menschen bereitgestellt.
    Es zeigt sich rasch, welche Absicht dahintersteckt: Immer wieder wird von der kopfstarken und bedrohlich hochgerüsteten Polizei gefordert, man solle die vorgeschriebenen Abstände einhalten - so eingezäunt, eine unmöglich zu erfüllende Aufgabe.
    Als die Polizei zunehmend das Gelände umstellt, ziehe ich mich mit einer meiner Mittänzerinnen vorsichtshalber zurück. Kurz darauf - pünktlich um 17 Uhr - wird alles umstellt, die Versammlung für aufgelöst erklärt und werden die schmalen Endstücke des Streifens ebenfalls abgesperrt.
    Vermutlich sind heute einfach zu wenig Anwälte anwesend, um dieses grenzwertige Vorgehen abzuwehren.
    Immerhin lässt man noch jene hinaus, die gehen wollen. Genau darauf ist man ja aus.
    Trotz aller Drohgebärden scheint es diesmal wenigstens keine Ausschreitungen der Polizei zu geben. Erstere genügen jedoch, dass sich die Menge langsam zerstreut. Damit sind nicht nur alle ausstehenden Reden unterbunden, sondern auch der für später geplante gemeinsame Zug zum Rosa-Luxemburg-Platz und der dortige Gesang.
    Zu dritt beschließen wir, allein dorthin zu pilgern. Unterwegs kreuzen immer wieder andere Demonstrationsteilnehmer mit derselben Absicht. Nirgends gibt es Anzeichen, dass die Polizei in dieser Gegend überhaupt für heute mit einem Demonstrationzug gerechnet hätte.
    Am Zielort hingegen möchte man vermeinen, die Polizei wolle die Demonstranten mit ihrer Anwesenheit gewissermaßen ersetzen. Wahllos werden Menschen vom ohnehin ansonsten recht leeren Platz verwiesen mit der Angabe, die "Querdenken"-Demonstration sei verboten. Man ist sich folglich nicht einmal darüber im Klaren, dass die Kundgebung von Nicht ohne uns organisiert war.
    Von einer einzelnen Dame hören wir das Gerücht, dass man sich nun am "Hauptstadtstudio" der ARD sammele. Da ich keine Kraft mehr habe, auch diese Strecke mein Rad bloß zu schieben, müssen wir uns trennen.

    Als ich vor dem Studiogebäude angelange, findet sich dort lediglich ein versprengtes Grüppchen einiger zehn Menschen, nach zeitgenössischer Musik tanzend oder sich unterhaltend. Leider dauert es nicht lange, bis die ersten Polizeiwagen auftauchen. Körperlich könnte ich noch ein wenig durchhalten, nervlich geht nichts mehr, weshalb ich für den heutigen Abend aufgebe.

    Darstellung der Ereignisse durch die Veranstalter in Demokratischer Widerstand Nr. 22 auf den Seiten 4 und 5.


    Demonstration gegen das Ermächtigungsgesetz (18.11.2020)

    Schon am Morgen höre ich zuhause immer wieder Hubschrauber, dazu die seit Monaten mehr als täglich üblichen Sirenen in erhöhter Dosis.

    Kaum am Hauptbahnhof vorüber, ist plötzlich Schluss. Es ist noch etwas weiträumiger abgesperrt als am 29. August - das gesamte Regierungsviertel, wie mir ein vermummter Volkspolizist versichert. Tatsächlich sind hier sämtliche Brücken über die Spree reichlich von paramilitärischen Truppen besetzt, als rechne man mit informierten Volksmassen. Leider sieht man den meisten Passanten keineswegs an, ob sie dazu zu zählen sind.

    In Ermangelung erkennbarer Verbündeter will ich schon aufgeben, da spricht mich ein anderer Radfahrer an, wie man denn dichter drankäme. Gemeinsam beschließen wir, es über den Großen Stern zu versuchen. Eigentlich ist mir dies ja schon im August gelungen - warum komme ich heute nicht von allein darauf?

    Auf der Straße des 17. Juni angelangt - immer wieder eine höchst symbolträchtige Verbindung zum Widerstand 1953 - bekommen wir endlich besorgte Demokraten zu Gesicht, derer vermutlich trotz Tages- und Jahreszeit in die Hunderttausende zählend, da sie sich von der Kreuzung mit der Ytzhak-Rabin-Straße bis zum Brandenburger Tor drängen. Dort am anderen Ende sollen Wasserwerfer im Einsatz gegen die friedvolle Menge sein. Auch hier am westlichen Rand fordert die Staatsmacht immer wieder zur Auflösung auf, hat aber neben dem unfasslich gewaltigen Fuhrpark und schwergerüsteter Infanterie auch scharfe Hunde zur Einschüchterung aufzubieten.
    Ein kleiner Sturmtrupp nagelt nur 30 oder 40 Schritt von mir entfernt ohne erkennbaren Grund einen Mann auf den Boden. Mit der Kamera bin ich auch hier wie schon bei den Hunden zu langsam; rasch sind die Gewalttäter von Demonstranten umringt, die sicherlich außer zu protestieren auch alles dokumentieren.
    Ich fühle mich gelähmt und ratlos. Nach zwei Stunden bin ich erschreckend früh über die Grenze meiner Belastbarkeit hinaus - die acht Monate Berufsverbot als Tanzlehrer machen sich allzu deutlich bemerkbar. Wenigstens habe ich getan, was ich konnte.
    Livesendung der Demo

    Demo-Termine (international)


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    Oliver H. Herde

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