Ahaerlebnisse zur Weltgeschichte

Zum Pyramidenbau im alten Ägypten wurden nicht Sklaven herangezogen, sondern die Bauern des Landes. Dies natürlich zu den Jahreszeiten, wo auf den Feldern ohnehin wenig zu tun war. Die Arbeiter wurden gut versorgt, damit sie etwas leisten konnten. Es galt zudem als eine Ehre, bei der Errichtung des Grabmals für den Gottkönig mitwirken zu dürfen.

Marathonlauf: Die vielleicht bekannteste aller Anekdoten um die Perserkriege - der Lauf eines Siegesboten mit anschließendem Erschöpfungstode - ist nicht historisch. Sie findet bei Herodotos keine Erwähnung. In Wahrheit musste die gesamte Truppe nach dem Sieg eilends nach Athen zurückkehren.
Auch ist Marathon von Athen nur etwa 38 km entfernt. Die Länge des modernen Wettlaufes kam dadurch zustande, dass das englische Königshaus bei der Olympiade in London 1908 den Palast von Windsor als Startpunkt und die königliche Loge im Stadion als Zielpunkt einbezogen wissen wollte und die Originaldistanz zu kurz gewesen wäre.

Galeerensklaven, wie sie im vs-amerikanischen Roman "Ben Hur" und all seinen Adaptionen auftauchen, hat es auf antiken Kriegsschiffen nicht gegeben. Nach griechischem und römischem Verständnis hatte jeder, der am Kriege teilnimmt, auch das Recht auf politische Mitbestimmung. Die Athenische Demokratie ist sogar vor allem aufgrund einer großen Flotte und der dafür notwendigen zahlreichen freien Ruderer entstanden. Rudersklaven auf Kriegsgaleeren sind eine neuzeitliche Erfindung der Spanier.

Bei Überschreitung des Rubikon (griechisch; lat. Rubico) sprach Caesar nicht von gefallenen Würfeln. Er sagte: "Der Würfel ist geworfen!" Dies spielte darauf an, dass ein Ergebnis der nun folgenden Ereignisse noch nicht feststand - der Würfel also noch flog. Zudem wurde der Ausspruch vermutlich auf griechisch getan, da er auf ein Werk des Menandros (lat. Menander) anspielt und Caesar wie jeder gebildete Römer dieser Zeit viel auf seine Griechischkenntnisse hielt.

Christliche Zeitrechnung / Jahr 2000: Ein selbst für Christen völlig beliebig gewählter Zeitpunkt, da noch immer keineswegs geklärt ist, wann der Namensgeber unserer Zeitrechnung wirklich geboren wurde. Die einzige Quelle hierzu (Pseudo-Lukas) widerspricht sich selbst, da Herodes der Große nur bis 4 v.u.Z. regierte, während Quirinius erst 6-12 u.Z. Statthalter Syriens war. Eine reichsweite Volkszählung hingegen hat in der gesamten römischen Kaiserzeit überhaupt niemals stattgefunden.
Die christliche Zeitrechnung stammt auch erst aus dem 6. Jahrhundert. An ein Jahr 0 wurde dabei mathematisch unkorrekt nicht gedacht, wie es leider bei vielen Zeitrechnungen der Fall ist.
Im europäischen Mittelalter waren im christlichen Raum neben dem ersten Januar noch vier andere Termine für den Jahresanfang in Gebrauch, die teils nicht einmal ein festes Datum hatten.
Andere Kulturen beginnen das Jahr ebenfalls oft nicht am 1. Januar. Sie schrieben 2000 u.Z. beispielsweise das Jahr 4636/4637 (chinesisch, Jahreswechsel 5.2.), 1420/1421 (mohammedanische Mondjahre), 2260 / Heisei 12 (japanisch), 2542/2543 (buddhistisch), 5760/5761 (jüdisch)...
Über zahllose alte und gegenwärtige Zeitrechnungen Friedrich Karl Ginzel: Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie; 3 Bände; Leipzig 1906-14

Weihnachten: Wie alles andere haben die Christen auch dieses Fest von andersgläubigen Kulturen übernommen und sich wohlgefällig zusammengeschustert. Alle heutigen Bräuche entstammen aus verschiedenen europäischen und vorderasiatischen Kulturräumen und ranken sich in Wahrheit stets um die Wintersonnenwende (wieder am 21.12.17 um 17:28 Uhr).
Der 25. Dezember war beispielsweise in der römischen Kaiserzeit Geburtstag des Sonnengottes Mithras Sol Invictus und wurde erst im 4. Jahrhundert als Geburtstag eines "Jesu Christi" - eigentlich Jeschuach - beansprucht, um mit dem Sonnengott in direktere Konkurrenz zu treten. Zuvor hatte man den 6.1. als Jeschuachs Geburtstag gefeiert - ein Datum, das ebenfalls viel ältere Bedeutung hatte als Geburtsdatum des griechischen Gottes Aion (lat. Aeon). Dieser Umstand verweist auf die wachsende Bedeutung Roms für das Selbstverständnis der damaligen Christen.
In welcher Weise genau auch das jüdische Lichterfest Chanukka sowie Silvester letztlich auf die Wintersonnenwende zurückzuführen sind, bedarf noch der eingehenderen Forschung. Bei ersterem darf man annehmen, der Zeitraum für das Fest wurde im Mittelalter aus pragmatischen Gründen in die Nähe des Christenfestes gelegt.
An den weltweit unterschiedlichen Weihnachtsbräuchen lassen sich oft noch die jeweiligen vorchristlichen Sitten erkennen. Die Farben des Weihnachtsmanns jedoch wurden von Coca Cola aus ganz ureigenem Firmeninteresse festgelegt.

Ostern geht auf weit ältere Frühlingsfeste zurück. Immerhin lässt sich die Auferstehung der Natur jedes Jahr aufs Neue beobachten. Entsprechend sind auch die Frühjahrsbräuche und Fruchtbarkeitsriten mit ihren Symbolen wie Feuer, Eier und Lamm sämtlich vorchristlich.
Ob der Name von einer germanischen Licht- und Frühlingsgöttin Ostara herzuleiten ist, bleibt noch umstritten. Dass es solche Gottheiten grundsätzlich allerorten gegeben hat, hingegen nicht.

Was von den akustischen Bedingungen einer potentiellen Bergpredigt zu halten ist, zeigt bereits die entsprechende Szene aus dem Film 'Das Leben des Brian': Der Prophet kann schon aus Überlegungen bezüglich seiner Hörbarkeit lediglich zu einem kleineren Kreise gesprochen haben, nicht zu viel Volk - hierin widersprechen sich ja auch ganz auffällig jene beiden Evangelisten, die als einzige überhaupt davon berichten.
Nebenbei ist der Text der Bergpredigt bereits zu dieser Zeit absolut nichts Neues mehr gewesen. Es handelt sich um ein altes Gebet der Essäer, wie Schriftrollen vom Toten Meer erweisen.

Brand Roms: Dass Kaiser Nero die Hauptstadt seines Imperiums persönlich angezündet habe, ist ein haltloser Vorwurf; er hielt sich bei Ausbruch des Brandes in seiner Villa in Antium auf - 80 Kilometer von Rom entfernt.
Auch als Auftraggeber kommt er kaum in Betracht. Brände waren seit langem keine Besonderheit in der allzu eng gebauten Stadt, in der es Häuser mit bis zu 10 Stockwerken gab. Ein Unfall als Ursache für die Feuersbrunst ist also ebenso nicht auszuschließen, wie die offizielle Version, die Christen seien verantwortlich gewesen. Es gab zu dieser Zeit urchristliche Stömungen, die sich für die Erlösung durch Feuer begeisterten. Was könnte naheliegender erschienen haben, als im Zentrum der bekannten Welt mit ihrem verhießenen baldigen Untergang zu beginnen?

Die Kaaba ist nicht so würfelförmig, wie ihr arabischer Name behauptet. Sie ist nirgends rechtwinklig errichtet. Die kürzeste und längste Kante messen mehrere Meter unterschiedlich. Der ursprüngliche Steinbau, von welchem noch das Fundament existiert, wurde schon lange vor dem Islam als Heiligtum verschiedener Gottheiten unter Führung des Gottes Hubal verehrt. Das heutige Gebäude ist ein Nachbau aus dem 17ten Jahrhundert. Der darin eingemauerte schwarze Stein durfte leider noch nie wissenschaftlich auf sein Alter und seine Herkunft untersucht werden.

Das Niebelungenlied mit Siegfried als seinem zweifelhaften Helden ist keineswegs als germanisch anzusehen. Vielmehr handelt es sich um eine erst um 1200 offenbar im Auftrage der Kirche entstandene tragische Dichtung. In ihr werden alte Überlieferungen des Kampfes des Arminius gegen den bildhaften römischen Heerwurm mit Anspielungen auf die viel spätere Geschichte der merowingischen Königsfamilie sowie den Hunnensturm verknüpft.

Kyffhäuser-Sage: Ursprünglich wartete nicht Friedrich I. Barbarossa unter dem Berg Kyffhäuser auf seine Wiederauferstehung zur Rettung des Reiches, sondern sein für diese Zeit hochgebildeter und fortschrittlicher Enkel Friedrich II.

Hundertjähriger Krieg: Die Abfolge von immer wieder unterbrochenen Kriegen und Schlachten, bei denen es vor allem um Erbansprüche englischer Könige auf Frankreich und die Beherrschung der flandrischen Tuchindustrie ging, dauerte tatsächlich 114 Jahre (1339-1453). Eine Friedensregelung gab es gar erst 1475.

Die Eiserne Jungfrau als Sinnbild für mittelalterliche Foltermethoden ist wissenschaftlich noch umstritten. Vermutlich ist sie eine Erfindung der Neuzeit.

Die sogenannten "Pilgerväter" der Mayflower wurden in England mit Musketen auf das Schiff und in die Laderäume geleitet. Bei diesen 102 Personen handelte es sich nämlich (nur) zu einem Drittel um unerwünschte Andersgläubige, der Rest bestand aus Kriminellen und Schuldturminsassen. Das Schiff gehörte der Plymouth Company und sollte für diese die Kolonialisierung und damit den Handel in Übersee in Gang bringen. Übergriffe gegen die einheimischen Wampanoag ließen nach einem anfänglichen Friedensvertrag nicht lange auf sich warten.


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