Friedrich II. von Hohenstaufen und seine historische Wirkung

von Oliver H. Herde

Herkunft und Kindheit
Erste Herrscherjahre
Ringen um Deutschland
Kaiser des Imperium Romanum
Bannung und Kreuzzug
Zeit der zweifelhaften Ruhe
Wider Lombardei und Papst
Fazit: Wissenschaften, Gesetzgebung, Bauten, Politik und Dynastie, Tot und nicht tot
Literatur * Kurzübersicht zu Friedrich

Herkunft und Kindheit

Schon der mutmaßliche Taufname Friedericus Rogerius verweist auf das stolze Erbe der beiden Großväter des am 26. Dezember 1194 im mittelitalienischen Städtchen Jesi in der Mark Ancona geborenen Knaben. Väterlicherseits war dies der römisch-deutsche Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Vater der Mutter war Roger II., als erster König von Sizilien der eigentliche Begründer jenes normannischen Großmachtstaates.
Allerdings sah sich Friedrichs Vater Heinrich VI. gezwungen, aufgrund politischer Unsicherheiten den Jungen schon im Frühjahr 1195 bei der Herzogin von Spoleto unterzubringen. Um ihm die Nachfolge zu sichern, setzte Heinrich bereits 1196 Friedrichs Wahl zum deutschen König durch. Doch schon ein Jahr später starb Heinrich, und der Anspruch seines Sohnes wurde von den Fürsten im Reich angegriffen, die teils die Nachteile eines Kindkönigs sahen, teils gegenüber dem staufischen Hause eine stärkere Position erlangen wollten oder die Welfen unterstützten. So ließ sich Heinrichs jüngerer Bruder Philipp von Schwaben widerstrebend und quasi als Vertretung für den Neffen im März 1198 zum deutschen König wählen.
Im Königreich Sizilien hingegen blieb Friedrichs Stellung unangefochten. Seine Mutter Konstanze evakuierte ihn aus dem unsicher werdenden Spoleto nach Messina und vertrat ihn als Regentin in den Regierungsgeschäften. Bereits ab Dezember 1197 wird er in den Urkunden als Mitregent geführt - anfangs unter dem Titel "Romanorum et Sicilie rex". 1198 wurde Friedrich in Palermo zum König von Sizilien gekrönt.
Die römische Kirche und die Päpste selbst waren es, welche Ansprüche auf das Herzogtum Spoleto und die Mark Ancona - strategisch bedeutende mittelitalische Ländereien des Königreiches Sizilien - erhoben. Vor allem vermutete man sich im Kirchenstaat durch eine Verbindung zwischen Sizilien und dem Kaiserreich eingeklammert. Auch war die Katholische Kirche nicht zuletzt durch die Schwächung des staufischen Hauses so selbstbewusst wie wohl nie zuvor.
So zielten quasi alle großpolitischen Maßnahmen des 1198 an die Macht gelangten Papstes Innozenz III. gegen Philipp oder Friedrich. Dieser prangerte die Staufer ohnehin als eine Dynastie von Kirchenverfolgern an.
1 Zudem zeigte Philipps Gegenspieler, der Welfe Otto, Sohn Heinrichs des Löwen und der englischen Prinzessin Mathilde, größere Ergebenheit gegenüber der Kirche. Otto versprach die Preisgabe von Reichsgütern und Rechten in Mittelitalien und anerkannte die Lehenshoheit des Papstes über das Königreich Sizilien. So wurde er immer mehr von Innozenz als deutscher Gegenkönig und künftiger Kaiser bevorzugt und unterstützt.
Dem entgegen bekam Philipp seitens der Reichsfürsten zunehmenden Rückhalt. Aus Rücksicht auf ihn verzichtete Konstanze in Urkunden nunmehr auf die Nennung der deutschen Königswürde ihres Sohnes Friedrich.
Allerdings mag dies auch mit darin begründet gelegen haben, dass sie sich auf Sizilien konzentrieren wollte. Sie misstraute manchem unter den deutschen Adeligen im Königreich, sah vermutlich ihre eigene Stellung gefährdet und bewegte viele zum Abzug nach Deutschland.
Auch dem Papst stellte sie sich in vielem entgegen, der sich ob des jungen Königs stärkeren Einfluss auch auf Süditalien und die Insel erhoffte. Doch als sie am 27. November 1198 starb, hinterließ sie ein Testament, in dem sie ihre Grundrichtung völlig änderte. Innozenz sollte Friedrichs Vormund sein. Auf diese Weise mag sie sich erhofft haben, es werde keine Streitigkeiten um Sizilien geben und der Papst würde sich nun für Friedrichs Position einsetzen müssen.
Dieser aber beschäftigte sich die folgenden 10 Jahre weitgehend mit anderen Dingen wie dem Thronstreit in Deutschland, ohne sein Ziehkind zu Gesicht zu bekommen. Jenem schrieb er in seinem Beileidsschreiben, Gott liebe jene besonders, die er besonders züchtige. Der Papst sei ein würdigerer geistlicher Vater, die römische Kirche eine bessere Mutter.2 Wirklichen Schutz bot dies dem jungen König kaum.
In Sizilien derweil versuchten viele, im Namen Friedrichs die Macht an sich zu nehmen. Daher wurde der Junge zum wichtigsten Unterpfand, um das sich mancher notfalls mit Waffengewalt bemühte wie zum Beispiel der ehemalige Heereskommandant Markward von Annweiler, Markgraf von Ancona und Herzog der Romagna und von Ravenna. Dieser stand politisch auf Seiten des Imperiums und war möglicherweise von Friedrichs Onkel Philipp beauftragt.3 Tatsächlich übte er schließlich eine Zeitlang die Regentschaft aus, nachdem er sich im Sommer 1200 mit einem seiner Konkurrenten, Walter von Pagliara4, geeinigt hatte.
Der kleine Friedrich teilte natürlich das Misstrauen gegen diese Leute, welches ihm seine Mutter vorgelebt hatte. Darüber hinaus erkannte er bei allem Hin und Her zunehmend die Wichtigkeit seiner eigenen Person. Man brauchte ihn, um über Sizilien zu herrschen, denn er war der unangefochten rechtmäßige Nachfolger auf dem Thron, da es in Sizilien keine Königswahl wie in Deutschland gab. Hier wurde man kraft Blutes und Erbe Herrscher. Schon in dieser Zeit muss sich sein Bild, von Gott ausgewählt zu sein, ausgebildet haben.5 Das freie Herumstreunen in Palermo, wie es sich oftmals in populärwissenschaftlicher Literatur vorgestellt wird, kann kaum stattgefunden haben. Zu groß war die Bedeutung des Knaben, zu schwerwiegend wäre sein Verlust gewesen.6 Aber um so mehr mussten Markward wie seine Gegner am Wohlergehen des Jungen interessiert sein und förderten sie auch seine Ausbildung.
Im Imperium indes verlor der Welfe Otto über die Jahre immer mehr an Macht. Papst Innozenz blieb schlussendlich kaum anderes übrig, als mit Philipp Kontakt aufzunehmen, und man einigte sich. Da wurde Philipp am 21. Juni 1208 vom bayerischen Pfalzgrafen Otto VIII. von Wittelsbach wohl aus einer persönlichen Rache heraus ermordet. Das Blatt wendete sich wieder zugunsten des Gegenkönigs Otto, der gut ein Jahr später am 4. Oktober 1209 von Innozenz III. zum Kaiser gekrönt wurde.

Erste Herrscherjahre

Schon Monate zuvor erlangte Friedrich II. mit Vollendung seines 14. Lebensjahres die Vormundschaftsfreiheit. Für alles offen orientierte er sich neu, doch erscheinen seine Schritte vielfach noch vorsichtig. Auf Betreiben des Papstes heiratete er die elf Jahre ältere Konstanze von Aragon.
Otto IV. unterdessen zeigte zunehmend ein anderes Gesicht. Seine Versprechungen gegenüber der Kirche schob er beiseite und suchte, nach dem Imperium nun auch das Regnum Sicilie zu erlangen. Damit vereinte er freilich den Papst und König Friedrich gegen sich. Innozenz bemühte sich auch um Unterstützung seitens Philipps II. von Frankreich. Doch noch immer zögerte der Papst, eindeutige Worte gegen Otto verlauten zu lassen. Noch immer hoffte er vergeblich auf dessen Rückbesinnung. Dies machte es den Reichsfürsten schwer, eine klare Linie zu erkennen und von Otto abzufallen. Auch der Franzose ließ sich unter solchen Bedingungen nicht auf voreilige Hilfeleistungen ein.
Als Innozenz im November 1210 die Exkommunikation über den Kaiser verhängte und dies mit allerlei Hetze begleitete, blieben die Fürsten verständlicherweise noch zurückhaltend. Denn noch immer suchte Innozenz die Versöhnung mit Otto und zeigte somit wenig Konsequenz, was zu Unsicherheit führte.

Ringen um Deutschland

Im September 1211 aber erfolgte dann doch in Nürnberg durch die deutschen Gegner Ottos die Wahl Friedrichs nicht etwa zum deutschen König, sondern gleich zum Kaiser. Sie wurde noch im gleichen Jahr durch Senat und Volk von Rom wiederholt.
7 Dies und die Aussicht auf die deutsche Königskrone forderten seine Abreise nach Deutschland. Um Sizilien zu sichern, musste Friedrich an die Kirche zuvor noch manches Zugeständnis machen. So bestand der Papst noch immer darauf, Sizilien und Deutschland nicht in der Hand derselben Person zu wissen. Friedrichs und Konstanzes kürzlich geborenes Söhnchen Heinrich sollte daher nun König Siziliens sein. Die Mutter vertrat es als Regentin.8
Friedrichs folgende Zeit in Deutschland war geprägt von mühsamer Verwaltungsarbeit und Kleinkriegen zur Herrschaftsfestigung. Die enge Zusammenarbeit mit den Fürsten erwies sich als unerlässlich. Doch auch von Frankreich her bekam er Unterstützung. Bald stand der gesamte Süden Deutschlands auf Friedrichs Seite. Endgültige Entscheidung brachte dann die Schlacht von Bouvines am 27. Juli 1214, in welcher Otto IV. und seine englischen Verbündeten unterlagen.
Friedrichs Krönung zum deutschen König erfolgte am 25. Juli 1215 zu Aachen, wo er erstmals von sich aus ergriffen und vor aller Öffentlichkeit sein Kreuzzugsgelübde ablegte. Gewiss sollte diese Geste nicht zuletzt Friedrichs Dank an seinen Gott bezeugen, dessen Eingreifen er in all den hoffnungslos erscheinenden Situationen seines bisherigen Lebens sah. Zugleich verwies der selbstbewusste junge König mit dieser Initiative auf die Eigenständigkeit weltlicher Herrschaft gegenüber der Kirche. Immerhin führte der Staufer seit 1211 den Titel "Erwählter Römischer Kaiser". Auch die Berufung auf Karl I. von Franken zwei Tage später beweist politisches Kalkül. Innozenz jedenfalls ignorierte die Kreuznahme, scheint über den Vorstoß also nicht besonders glücklich gewesen zu sein.9
Als Papst Innozenz III. 1216 starb, verfügte er testamentarisch, Friedrich solle niemals die Kaiserwürde erlangen. Um sich der Kirche zu nähern, teils aber auch aus persönlichen religiösen Überzeugungen heraus, bewies Friedrich durch manches Entgegenkommen der Geistlichkeit seine Gunst. So verzichtete er beispielsweise auf das Spolienrecht. Ferner sollte mit Exkommunikationen künftig auch die Reichsacht einhergehen. Auch die Gesetze gegen die Katharer, welche eine arme Kirche forderten, verschärfte er. Nichtchristen dagegen, den Juden und Mohammedanern nämlich, zeigte er eine gewisse Toleranz.
Trotz einiger Fürstenbedenken erreichte er nach einigen Zugeständnissen in diese Richtung, dass sein Sohn Heinrich 1220 als sein Nachfolger als deutscher König gewählt wurde.

Kaiser des Imperium Romanum

Am 22. November 1220 wurde Friedrich in der Peterskirche zu Rom durch den greisen Papst Honorius III. zum Römischen Kaiser gekrönt. Zu diesem Anlass bekräftigte er sein altes Versprechen, zu einem Kreuzzug rüsten und aufbrechen zu wollen.
Nach der Kaiserkrönung kehrte Friedrich noch im Dezember nach Sizilien zurück. In seiner Abwesenheit hatten sich anarchische Tendenzen eingestellt, die nun wieder beseitigt werden mussten. Friedrich schwebte eine Rückberufung der Verhältnisse von 1189 unter seinem Vorgänger und Halbvetter Wilhelm II. vor. Insbesondere betraf dies auch Verleihungen an die Kirche. Neue Zölle wurden wieder beseitigt. Leider verstrickte sich Friedrich bei seinen Reformen vielfach in Sonderregelungen.
Die allgemeinen Umstände aber gaben Friedrich reichlich Rückenwind: Als Kaiser, sizilischer König und künftiger Kreuzfahrer mit der Unterstützung des Papstes sollte es für ihn eine Zeitlang keine größeren Schwierigkeiten geben. Einige Vorbereitungen für seine Reformen hatte er gar schon von Deutschland aus getroffen. Sein Misstrauen erwies sich daher als vielfach übertrieben.
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Ab 1222 zeigte Friedrich sein Interesse an der Rückgewinnung der in seiner Jugend unter der Vormundschaft des Papstes an die Kirche verlorengegangenen mittelitalischen Güter, dem Herzogtum Spoleto und der Mark Ancona. Doch noch war er nicht bereit, voll für seine dortigen Rechte einzustehen. Einen übereilten Vorstoß seines Legaten Gunzelin tadelte er gar in aller Deutlichkeit vor Kirche und weltlichen Herrschern.11
Er schuf eine neuartige Beamtenhierarchie, für deren Ausbildung er 1224 die Universität von Neapel gründete. Jene zu fördern, bediente er sich teils recht rigoroser Mittel auf Kosten anderer Institutionen. So gab es für Sizilianer eine Pflicht, hier statt im Ausland zu studieren.12
Jahrelang stritt er sich mit dem Papst um die Bischofswahlen in Sizilien, bis er schließlich einlenkte, um dessen Vermittlung in der Lombardenfrage zu erreichen.13 Der ständige Unruheherd in Gestalt der Lombardenstädte stand seit Generationen auf Seiten des Kirchenstaates gegen das Kaiserhaus, und war doch auch in sich zerstritten. Um so mehr sah Friedrich bei sich die Verantwortung des Richters und Schlichters liegen.

Bannung und Kreuzzug

Über alledem schob Friedrich die Kreuzzugsvorbereitungen immer wieder auf. War seine Absicht auch ehrlich, so blieb ein in sich gefestigtes Reich unerlässlich, wenn er es ohne seine persönliche Aufsicht zurücklassen wollte. Seine zögerlich erscheinende Haltung aber musste zugleich die anderen Kreuzfahrer verunsichern und schwächen, schien seine Teilnahme doch um so unsicherer, je mehr sie sich verzögerte.
14 Nicht zu Unrecht erhoffte sich der Papst durch Friedrichs Ehe mit der Erbin des Königreiches Jerusalem Isabella von Brienne ab 1225 ein gesteigertes Interesse des Kaisers am "Heiligen Land", denn jenem sicherte diese Verbindung die Ansprüche auf die dortige Krone.
Doch auch ohne des Kaisers Zögern zeigten die Weltlichen bei ihren Vorbereitungen ganz allgemein nicht die von der Kirche erhoffte Aufbruchsstimmung. Zugleich wurde Friedrichs Aufmerksamkeit wieder zunehmend auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Lombardenstädte gezogen.15 Und es kam bald zum Bruch mit seinem Schwiegervater Johann von Brienne, was den Papst sehr besorgte.16
Nicht allein die Schwierigkeiten in Europa waren es, die den Kaiser weiter in Italien hielten. Er wartete auch auf eine günstige Gelegenheit im Orient. Hatte er doch gute Beziehungen dorthin, besonders zum Sultan Malik al Kamil von Ägypten. Und da die Aijubiden ebenfalls uneins waren, galt es eine Situation abzupassen, in der Friedrich dem Sultan von Nutzen sein konnte und ein Kreuzzug durch ein solches Bündnis um so größeren Erfolg versprach.17
Im Jahre 1227 endlich brach Friedrich auf. Doch in dem versammelten Heer grassierte schon aufgrund der Enge eine Seuche, an welcher auch Friedrich erkrankte. So war er gezwungen, Zwischenhalt zu machen und erst zu genesen.18
Der Papst verhängte daraufhin den angedrohten Bann. Am 29. September 1227 exkommunizierte er den Kaiser, obgleich er sich doch über die daraus resultierenden Unruhen in dessen Ländern ebenso wie der Gefährdung des endlich begonnenen Kreuzzuges hätte klar sein müssen. Vielmehr ging es ihm wohl vor allem um eine Absetzung des Staufers um jeden Preis und die Einziehung des Lehens Sizilien.19 So schrieb denn auch Friedrich an die Großen Europas eine ausführliche Rechtfertigung und zeigte der Welt seine Bußfertigkeit.20
Außerdem musste Friedrich sich aber wiederum um die Reichssicherung - nunmehr speziell im Hinblick auf die Auswirkungen des Bannes - bemühen. Zum Schutze des Erblandes setzte er Rainald von Urslingen, den Herzog von Spoleto, als seinen Vertreter ein.21
Nach der Genesung und der Erledigung solcher letzten Vorbereitungen tat Friedrich das in seiner Situation einzig Richtige: Da der Papst ihm den Kreuzzug nun verbot, ihm einen Aufschub aber wiederum vorgeworfen hätte, setzte Friedrich trotz der Exkommunikation seinen Kreuzzug fort. Dank seiner Umsicht und seinen guten Beziehungen zu al Kamil gelang ihm ohne jede bewaffnete Auseinandersetzung und ohne Tote oder Gefangene nach zähen Verhandlungen ein Waffenstillstand auf 10 Jahre und die Auslieferung Jerusalems und auch kirchlicher Stätten außerhalb der Stadt.22
Dieser unbestreitbare Erfolg fand dennoch seine Neider; einem Gebannten wollte man ihn nicht gönnen. Und dies, obgleich schon Innozenz III. bereits 1213 und 1216 dem al Adil erfolglos eine vergleichbare Vereinbarung anzutragen versucht hatte.23 Statt dessen lehnte Gerold, der Patriarch von Jerusalem, den friedlichen Vertrag rundweg ab. Der Erzbischof von Caesarea belegte auf sein Betreiben hin die heiligen Stätten gar mit dem Interdikt.24 Entgegen beider Verbot besuchten dennoch alle Kreuzfahrer die Grabeskirche, auch die Nichtdeutschen, sowie die Templer und Hospitaliter. Friedrich krönte sich bei dieser Gelegenheit - am 13. März 1229 - feierlich selbst zum König von Jerusalem. So zeigte er jedem sichtbar seine Gottesunmittelbarkeit.
Schon 1228 verhärteten sich während seiner Abwesenheit in Italien die Fronten. Der Papst ging nun ein festes Bündnis mit den Lombarden ein; Herzog Rainald von Spoleto besetzte die Mark Ancona; Johann von Brienne fiel ins Königreich Sizilien ein. Sehr zum moralischen Nachteil der Kaiserlichen ging das Gerücht, Friedrich sei tot.
Friedrichs Abreise drängte also. Doch erst nach einem Kleinkrieg unter Christen in Akkon konnte er am 1. Mai 1229 die Heimreise antreten.
Mit seiner Ankunft in Italien änderte sich die Situation auch sogleich bedeutend zu seinen Gunsten. Abgefallene kehrten auf die Seite des Kaisers zurück; die Lombarden zerstritten sich wieder einmal. Und Johann von Brienne zog sich ins Lateinische Kaiserreich zurück.
Nach zähen Verhandlungen vor allem durch Vermittlung durch den von beiden Seiten hochgeachteten Deutschordensmeister Hermann von Salza kam es im Sommer 1230 endlich zum Vertrag von San Germano, der die Bannlösung Friedrichs und ihre Bedingungen regelte.25

Zeit der zweifelhaften Ruhe

Nun konnte sich Friedrich wieder dem Bau an seinem Königreich Sizilien widmen. Durch allerlei Gesetze, insbesondere die Konstitutionen von Melfi 1231 und spätere Novellen schuf er einen neuartigen Beamtenstaat. Dieser sollte nach seinem Willen Maßstab und Vorbild für alle Länder sein, erfüllt von Gerechtigkeit und Frieden. Natürlich kam es dabei zu den kaum vermeidbaren Unklarheiten, Überregelungen und inneren Widersprüchen. Der Verwaltungsapparat musste aufgebläht werden, Umsiedelungen waren vonnöten. Doch Friedrich war bereit, die Kosten selbst zu tragen.
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Derweil lief die deutsche Politik immer weniger im Sinne des Kaisers. Zwölf Jahre Trennung hatten reichlich genügt, ihn und seinen Sohn Heinrich voneinander zu entfremden. Um so größer wurde der Unwillen des jungen Königs, da sein Vater regelrecht entmündigende Maßnahmen traf. Schließlich sammelte der Sohn aus Furcht vor dem angekündigten Deutschlandbesuch des Vaters Verbündete um sich und scheute nicht einmal davor zurück, dazu auch die Lombarden heranzuziehen.
Doch als Friedrich ohne großen Heerbann vor Heinrich erschien, unterwarf sich der Sohn kampflos und ohne Bedingungen zu stellen. Allein, der Kaiser war allzu erbost über die offene Auflehnung, ließ Heinrich in strenge Haft nehmen und setzte ihn als deutschen König ab.27

Wider Lombardei und Papst

Im Jahre 1237 stand Friedrich kurz vor der Lösung der Lombardenfrage. Nach kleineren Erfolgen gelang ihm ein überragender Sieg bei Cortenuova über ein lombardisches Heer. Die Städte waren endlich zu Verhandlungen bereit. Doch stellte der Kaiser so harte Bedingungen, dass er seine Chance auf Frieden verspielte.
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Vor allem über die Lombardenfrage entfernten sich Kaiser und Papst wieder voneinander. Letzterer wich dem eigentlichen Thema auch immer wieder aus und griff auf alte Fragen zurück wie einen neuerlichen Kreuzzug und die Kirchenfreiheit in Sizilien. Einen Kreuzzug aber wollte Friedrich nicht wagen, bevor das Imperium auf sichereren Beinen stand als seinerzeit vor seinem ersten. Schon im März 1239 exkommunizierte Gregor Friedrich zum zweiten Male. Und wieder wurden Begründungen vorgeschoben, die kaum allein recht triftig gewesen wären und den eigentlichen Streitpunkt verschwiegen: Das Kaisertum im Zaume zu halten und die lombardischen Mitstreiter zu sichern.29
Friedrich bemühte sich, dem Papst und der Welt seinen Standpunkt zu erklären, und bat um ein allgemeines Konzil mit Prälaten und Gesandten der Könige, in welchem er seine Unschuld belegen wollte. Er hatte erkannt, dass mit diesem Papst schwerlich zu argumentieren war. Auch lag zu viel Macht in den Händen eines einzelnen Kirchenvertreters. Die Politik der Kirche sollte nach seiner Hoffnung wieder mehr von den Kardinälen ausgehen.30
Der Papst aber sprach von Weltuntergang und mystifizierte in seinen Darstellungen der Ereignisse. Bald passte sich die kaiserliche Kanzlei dem Argumentationsstil an und erkannte umgekehrt in Gregor den Antichristen und Weltenverschlinger. Alle Vermittlungsversuche von Monarchen, Bischöfen und deutschen Fürsten blieben erfolglos.
Schließlich rüstete sich Friedrich zum Kriege. Mit Briefen an die Bevölkerung des Kirchenstaates suchte er sich einen günstigen Nährboden für eine Besetzung zu verschaffen und buhlte er um die Gunst der Römer. Seinen unehelichen Sohn Heinrich, genannt Enzio, den König von Sardinien, ließ er im September 1239 in die Mark Ancona einmarschieren. Selbst rückte er im Februar des darauffolgenden Jahres ins Herzogtum Spoleto ein. Vielfach kampflos eroberten die Kaiserlichen die beiden Provinzen Stück um Stück zurück.31
Auf den Einzug ins Patrimonium Petri aber verzichtete Friedrich. Mag die Ehrfurcht vor seinem Gott und den Aposteln auch ein Mitgrund gewesen sein, wie er ihn vorschob, so konnte er hierdurch den Papst auch beschämen und den Kardinälen gegen jenen Argumentationshilfe leisten. Statt dessen wandte sich Friedrich wieder den aufreibenden Kämpfen gegen die Lombardei zu. Allein die Belagerung Faenzas währte 8 Monate.
Derweil kam immer häufiger Kunde von den Tataren genannten Monchol (deutsch Mongolen) nach Europa. Diese hatten in den letzten Jahren unter dem Khan Batu bereits die russischen Fürstentümer überrannt und brachen nun in die Walachei und Polen ein.
Friedrich hoffte, diesen Umstand nutzen zu können, sich mit dem Papst wieder zu versöhnen. Er rechnete auf dessen Einsicht, dass eine zerstrittene Christenheit den Mongolen sehr viel schwerer Widerstand leisten konnte. Doch wiederum erreichte er nichts, als dass Gregor abermals den Weltuntergang heraufbeschwor und den Hauptschuldigen weiterhin im Kaiser sah.32
Für den 31. März 1241 lud Gregor zu einer Versammlung, deren Zweck und Status er nicht so recht benennen wollte. Immerhin fällt auf, wie wenige Stauferanhänger unter den Geladenen waren und dass diese den Vermerk "excommunicati" trugen. Man darf annehmen, dass er den Kaiser von vorne herein abzusetzen beabsichtigte.
Friedrich beschwerte sich in Briefen über die unklare Aufgabe und eindeutige Parteilichkeit der päpstlichen Veranstaltung. Dem von ihm erhofften Generalkonzil entsprach dies in keiner Weise. Daher warnte er davor, er würde Teilnehmern keinerlei Schutz durch seine Länder gewähren. Vielmehr wurde ein jeder angehalten, solche gefangenzusetzen.33
Der genuesische Flottenverband, welcher einige Konzilsgesandte zu ihrem Zielort bringen sollte, verzögerte immer mehr seinen Aufbruch. Allzu sehr schwebte die Bedrohung der kaiserlichen Flotte unter Admiral Ansaldus de Mari im Raume, zudem wurde Genua auf dem Landwege attackiert. Erst Ende April brach die Genuesenflotte auf und wurde bereits am 3. Mai 1241 bei der Insel Montecristo aufgebracht, die Konzilsteilnehmer gefangengenommen.34
Dieser Erfolg sowie jene in der Lombardei schienen am 22. August 1241 durch den Tod Gregors IX. gekrönt zu werden. Friedrich wurde von neuer Hoffnung ergriffen. Er vertraute darauf, mit dem nächsten Papste über alles Einigungen erzielen zu können. Auch verzichtete er wiederum auf die günstige Gelegenheit der Einnahme Roms. Er wünschte die Kirche weiterhin als einen Partner.35
Friedrich ahnte nicht, wofür er dadurch dem Römischen Senat unter Matteo Rosso Orsini freie Hand ließ. Letzterer hatte aus ganz eigenen Motiven Interesse an einer schleunigen Neuwahl, da er ohne Papst Unruhen zwischen den großen Familien Roms befürchtete. Unter erbarmungswürdigen Umständen setzte Orsini die Kardinäle gefangen und zwang sie zur Wahl. Einer von ihnen kam gar im Verlaufe dieser Behandlung um.
Doch auch der neugewählte Coelestin IV. war so geschwächt, dass er schon nach 14 Tagen Amtszeit verstarb. Die einzige Amtshandlung blieb die folgenlose Bannung Orsinis. Eilig verließen die Kardinäle aus Furcht vor den zu erwartenden neuerlichen Repressionen die Stadt, dass einstweilen kein neuer Papst gewählt werden konnte.36
Eine eigene Papstwahl zu veranstalten, fiel Friedrich trotz all dieser Ereignisse zu keiner Zeit ein. Er hielt an seiner Vorstellung der beiden gleichberechtigten Gewalten fest, denen der Gott der Christenheit die Lenkung derselben übertragen habe.37
Ein weiterer Todesfall verschaffte Friedrich Luft, sich auf die Reichsangelegenheiten mit all ihren Frontwechseln zu konzentrieren: Großkhan Ögödei38 verstarb im Dezember des Jahres in Karakorum. Sogleich zogen sich die Mongolen aus den noch umkämpften osteuropäischen Gebieten zurück, um die Nachfolge zu regeln.
Im Februar 1242 kam schließlich der noch immer inhaftierte älteste Kaisersohn Heinrich (VII.) ums Leben, allem Anschein nach bei einem Reitunglück im Rahmen seiner Überführung in ein anderes Gefängnis. Ob es aber ein Unfall war oder er sich absichtlich zu Tode stürzte, bleibt umstritten.39 Friedrich jedenfalls zeigte tiefe Betroffenheit. Offenbar war er selbst über sein Leid als Vater erstaunt, dass er es in Briefen erklären wollte. Die Bande der Natur seien stärker als sein gerechter Zorn.
Mit dem 1243 neu gewählten Papst war Friedrich zunächst sehr zufrieden. Er glaubte sicher, nun endlich schnell eine Einigung über seine Bannung und alle weiteren Streitfragen zu erzielen. Doch Innozenz IV. verweigerte lange Zeit überhaupt jegliche Verhandlungen und wies gar Friedrichs Gesandte als ebenfalls Gebannte zurück, statt sie zu empfangen.
Erst im März 1244 wurde eine vorläufige Einigung mit umfangreichen Zugeständnissen Friedrichs erreicht. Allerdings brach Innozenz die Zusage der uneingeschränkten Herrschaft Friedrichs im Imperium und im Regnum, indem er abermals päpstliche Entscheidungsgewalt in der Lombardenfrage verlangte. Der Konflikt drohte von neuem offen hervorzubrechen. Selbst die Vermittlungsversuche des französischen Königs Ludwig IX. und des Kaisers von Konstantinopel Balduin II. scheiterten.40
Auch diesmal richtete Friedrich Rechtfertigungsschreiben seiner Position an die europäischen Könige. Vor allem warnte er davor, der Kirche solche Kompetenzen gegen einen weltlichen Herrscher, noch dazu dem höchsten, einzuräumen. Allzu leicht könne ein solches Beispiel Schule machen und sich die Kirche über alle Monarchen stellen.
Da setzte sich der Papst heimlich und für jedermann überraschend über seine Herkunftsstadt Genua nach Lyon ab.41 An der Situation in Italien änderte dies natürlich ebensowenig wie an den verfahrenen Verhandlungen.
Im selben Jahr brach man im Königreich Jerusalem den Waffenstillstand mit den Muslimen. Die Stadt wurde eingenommen und teils zerstört.42 Aber die europäischen Probleme blieben dringlicher für Friedrich.
Das päpstliche Konzil von Lyon im Sommer 1245 konnte nur vergleichsweise wenige Teilnehmer vorweisen. Durch Thaddaeus von Suessa ließ der Staufer nochmals seine Angebote vorbringen. Vorsorglich berief er sich auf ein allgemeines Konzil als Berufungsinstanz, da die Christenheit über dem Papst stehe. Innozenz hielt die Vollgewalt des Papstes dagegen und setzte mit allen Mitteln die vorausbesprochene Absetzung Friedrichs als Kaiser durch. Letztlich legte er damit einen Grundstein zur Trennung der weltlichen Fürsten von der Kirche. Im Königreich Sizilien änderte dies freilich wenig, ebenso im ohnehin immer wechselvollen Machtgeflecht der weltlichen Fürsten untereinander und zum Kaiser.43
Für Friedrich bedeutete dies, sich offener für eine Reform der Kirche einsetzen zu können. Er wünschte sich eine Armutskirche zurück, die sich allein auf ihre ursprünglichen Aufgaben besann.44
Der französische König Ludwig IX. ließ sich aus dynastischen Gründen durch den Papst immerhin zum Stillhalten bestechen: Sein Bruder Karl von Anjou bekam den erwünschten Ehedispens, um seine nahe Verwandte Beatrix heiraten zu können und so Zugriff auf die Grafschaft Provence zu erhalten.45
Im Mai 1246 erreichte Innozenz gar die Wahl eines deutschen Gegenkönigs - wenn auch nur durch einzelne geistliche Fürsten gestützt. Jener vormalige Landgraf von Thüringen Heinrich Raspe konnte sich allerdings in keiner Weise durchsetzen und verstarb bereits im Februar des darauffolgenden Jahres.46
Mit seinem Kreuzzug gegen den Kaiser, den Innozenz auch als solchen offen zu bezeichnen begann, erreichte der Papst tatsächlich allerlei Aufstände und Verschwörungen. Für ein Attentat auf Friedrich im März 1246 muss man ihn als Anstifter sehen. Ein weiteres wurde gar vom Leibarzt des jahrelang so eng vertrauten Beraters und Kanzleiführers Petrus von Vinea verübt. Ob letzterer tatsächlich dahintersteckte, wurde nie bewiesen. Dennoch strafte Friedrich jenen in seinem Zorne, indem er ihn blenden ließ und als Gefangenen mit sich führte und umherzeigte. Petrus nahm sich bald darauf das Leben.47
Endlich entschloss sich der Staufer, gegen seinen hauptsächlichen Gegner direkt vorzugehen, und rüstete zum Zuge gegen den Papst in Lyon. Doch noch unterwegs fiel Parma vom Kaiser ab. Aufgrund der strategischen Lage der Stadt fürchtete Friedrich um seinen Nachschub und lenkte das Heer sogleich dorthin, statt sich weiter auf Innozenz als den Kopf zu konzentrieren. Programmatisch ließ er nach Sitten der antiken Römer ein Feldlager errichten und benannte es Vittoria.
Nach langer Belagerung geschah am 18. Februar 1248, was das aussichtsreiche Kriegsunternehmen des Kaisers zerschlagen sollte. Friedrich war zu einem Jagdausflug aufgebrochen, da gelang der bereits kurz vor dem Ende stehenden Stadt ein Ausfall, bei welchem Vittoria zerstört und geplündert wurde. Die Kriegskasse, Krone und Siegel des Reiches und vieles andere gingen verloren. Unter den vielen Toten war auch der Großhofrichter Thaddaeus von Suessa.48
Von nun an sollte sich die Kriegführung als deutlich schwerer erweisen. Die Steuern mussten verdoppelt werden, um den Verlust auszugleichen. Den französischen König Ludwig IX. bei seinem Kreuzzug zu unterstützen oder jenen gar anzuführen, war für Friedrich in weite Ferne gerückt.
Noch ein weiterer schwerer Schicksalsschlag wartete auf ihn: Sein unehelicher Sohn, der fähige Feldherr König Enzio von Sardinien, wurde im Mai 1249 von den Bolognesen gefangengesetzt. Keine Drohungen und kein Lösegeld vermochten ihn mehr zu befreien.49
Doch damit war der staufische Tiefpunkt erreicht; es ging bald wieder aufwärts. Sohn Konrad IV. behauptete sich in Deutschland gegen den zweiten päpstlichen Gegenkönig Graf Wilhelm von Holland, welcher sich letztlich auf sein Hausgut zurückziehen musste. Ludwig von Frankreich forderte vom Papste mehr Entgegenkommen gegenüber Friedrich ein, um mehr Rückhalt und Sicherheit in Europa für den Kreuzzug zu bekommen. Und schließlich zehrte sich auch die Kasse des Innozenz langsam aus.
Der Kreuzzug Ludwigs scheiterte kläglich. Noch versuchte Friedrich seine Gottesfurcht zu beweisen und Hilfe zu sammeln, da zog er sich eine fiebrige Darmentzündung zu, welcher er am 13. Dezember 1250 erlag.50 Sein Testament zeigt wieder die Hoffnung auf einen Ausgleich mit dem Papsttum.51 Auch dieser Wunsch erfüllte sich nicht.

Fazit

Wissenschaften

Friedrich II. beschäftigte zahlreiche Wissenschaftler und Übersetzer. Einer der bekannteren war Michael Scotus. Die Fragen an diesen im Liber introductorius verweisen auf Friedrichs klare Beobachtung seiner Umwelt und seinen Wunsch nach einem deutlich vorstellbaren Weltbild. So wollte er die genaue Position der Hölle ebenso wie des Paradieses und gar der Residenz seines Gottes in der Welt erfahren.
Sehr naturnahe oder mathematische Fragen diskutierte er auch mit den Muslimen, bei denen er stets herausragende Würdigung und Verehrung genoss. Sein Falkenbuch "Die Kunst, mit Vögeln zu jagen" wurde wissenschaftlich mit allem wünschenswerten Forschungsaufwand - Experimenten wie Hinzuziehung von Fachleuten und Literatur - verfasst.
Der Staufer beherrschte Italienisch, Lateinisch, Griechisch, Arabisch, Französisch, Provenzalisch und sicherlich Deutsch. - Es erscheint wenig nachvollziehbar, dass ein solches Sprachtalent, das so gern alles selbst in die Hand nahm und gewiss um seine persönliche Ausstrahlung wusste, Dolmetschern allein die Verständigung mit den deutschen Fürsten überlassen habe, zumal bei insgesamt über 10 Jahren Aufenthalten in Deutschland. Auch seine Kontakte zur deutschen Dichterschaft wären ohne Deutschkenntnisse schwer zu erklären.
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Die von ihm gegründete Universität von Neapel besteht bis heute. Sie mag Indiz dafür sein, wie Friedrich die Wissenschaften im Allgemeinen auf Dauer voranbrachte.

Gesetzgebung

Ganz bewusst wollte der Kaiser mit seinen Konstitutionen von Melfi und anderen Gesetzen sein Königreich Sizilien zu einem vorbildlichen Staate gestalten. Wohl und Recht der Untertanen sollten durch seine weltliche Herrschaft bestehen. Er baute auf dem Rechtsbuch des Iustinian auf und beseitigte die mittelalterlichen Gottesurteile. Der Mainzer Landfrieden wurde erstmals neben lateinisch auch auf deutsch erlassen. Schon dies beweist problembezogene Überlegung und eine gewisse Volksnähe.
Tatsächlich berief man sich noch jahrhundertelang auf seine Gesetzgebung, besprach sie und nahm sie zur Vorlage. Die Gültigkeit der Gesetze währte teils bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Bauten

Viele der unter Friedrich begonnenen Bauten wurden erst nach seinem Tode fertiggestellt. Oft sind wenig bis keine Reste erhalten. Und doch zeugen jene wenigen auch von dem Sinn für nüchterne Schönheit und Nützlichkeit, so das berühmte Jagdschloss Castel del Monte, welches mit seiner achteckigen Grundform das Kaisertum selbst versinnbildlicht.

Politik und Dynastie

Als römischer Kaiser ebenso wie als Staufer hatte Friedrich II. seinen Vorgängern gleich Widerstand gegen den Weltherrschaftsanspruch der Kirche zu leisten und die in seiner Kindheit verlorenen Länder und Rechte von ihr zurückzuerlangen. Zugleich aber wünschte er sich in seiner mittelalterlichen Religiosität, mit der Kirche und ihr voranstehend dem Papste gleichberechtigt zusammenarbeiten zu können. Der Glaube, mehr als jeder andere direkt von Gott berufen und eingesetzt worden zu sein, entstammt gewiss noch seiner unruhigen Kindheit und verfestigte sich in den allen Anfeindungen trotzenden Glücksfällen seines Lebens.
Dieser feste Glaube an die zwei Schwerter, die vom Gott der Christen an den Kaiser und den Papst gleichermaßen gegeben seien, behinderte Friedrich Zeit seines Lebens. Mit seinen Gesetzen gegen die Katharer versuchte er, sich die Kirche zum Verbündeten zu machen, obgleich die Katharer viel mehr seinem immer stärker werdenden Bild einer armen Geistlichkeit zusprachen. Sie erschienen als Bündnispartner zu schwach und unorganisiert, nicht zum Tragen des geistlichen Schwertes geeignet. Die Päpste aber bestanden weiter auf ihrem alleinigen Weltherrschaftsanspruch. Trotz mehrerer Gelegenheiten verzichtete Friedrich immer auf den Einmarsch ins Kerngebiet des Kirchenstaates und ebenso darauf, einen genehmen Gegenpapst zu stellen.
Das zweite Gebiet, auf dem seine sonst so große Flexibilität versagte, war die Konfrontation mit den wirtschaftskräftigen Lombardenstädten. Zu sehr sah er sich in seiner Majestät verletzt, um Zugeständnisse an neue Zeitströmungen und wahrhaftige Kräfteverhältnisse zu machen. Resultat waren ein andauernder Verschleiß seiner Mittel und die Erfolglosigkeit in Reichsitalien.
Einen intensiven Umgang mit seinem ersten Kind Heinrich versäumte er auf viele Jahre hin, bis es zu spät war und sie sich voneinander allzu sehr entfremdet hatten. Immerhin scheint der Vater daraus gelernt zu haben.
Konrad IV. konnte sich zwar auch nach Friedrichs Tode wider den päpstlichen Gegenkönig behaupten, starb jedoch bereits 1254. Danach wurde Wilhelm von Holland allgemein als deutscher König anerkannt. König Enzio von Sardinien starb 1257, ohne aus der bolognesischen Gefangenschaft entlassen worden zu sein. Manfred als König von Sizilien fiel 1266 in einer Schlacht gegen den vom Papste Urban IV. gerufenen Karl von Anjou. Die legitimen Enkel des Kaisers wurden enthauptet oder endeten in Gefangenschaft.
War Friedrichs Lebenszeit von Kriegen und ständig wechselnden Parteiungen geprägt gewesen, so hinterließen er und seine Nachkommen doch ein beträchtliches Machtvakuum. In Deutschland waren die Fürsten gestärkt und unabhängiger von einem übergeordneten König; Sizilien war geteilt und zerstritten; und Italien verfiel in die Kleinstaaterei.

Tot und nicht tot

Mochte die päpstliche Partei auch das Ende der Dynastie erreicht haben, so hielten sich doch lange die Gerüchte, Friedrich sei gar nicht tot. Allzu oft hatte die Kirche dies zu Unrecht behauptet. In den unruhigen Zeiten eines geschwächten Reiches erhoffte man sich, der Kaiser werde eines Tages wiederkehren und alle Not beseitigen. Seine Anhänger hatten ihn ebenso ins Übersinnliche und Überirdische überhöht, wie seine Gegner. Es war ursprünglich Friedrich II., nicht sein Großvater Barbarossa, welcher im legendären Kyffhäuser auf seine Rückkehr wartete.
Sind seine machtpolitischen Erfolge auch von kurzer Dauer geblieben, sein Wirken auf geistigem und sozialem Gebiet war für seine Zeit fortschrittlich und richtungsweisend und hatte Bestand.


Literatur

Jaques Benoist-Méchin: Friedrich II. von Hohenstaufen; Frankfurt/M. 1982
Josef Fleckenstein (Hrsg.): Probleme um Friedrich II.; Sigmaringen 1974
Bruno Gloger: Kaiser Gott und Teufel - Friedrich II. von Hohenstaufen in Geschichte und Sage; Ost-Berlin 1976
Karl Hampe: Kaiser Friedrich II. in der Auffassung der Nachwelt; Stuttgart - Berlin - Leipzig 1925
Klaus J. Heinisch [1]: Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit; Darmstadt 1968
ders. (Hrsg.) [2]: Kaiser Friedrich II. - Sein Leben in zeitgenössischen Berichten; München 1977
Ernst Kantorowicz: Kaiser Friedrich der Zweite; 2 Bände; Düsseldorf - München 1964 (Nachdruck von 1927)
Lexikon des Mittelalters; 9 Bände; Stuttgart-Weimar 1999
Eva Sibylle Rösch und Gerhard Rösch: Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien; Sigmaringen 1995
Wolfgang Stürner: Friedrich II.; Hrsg. Peter Herde; Darmstadt 1992 und 2000
Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220
Teil 2: Der Kaiser 1220-1250
Otto Vehse: Die amtliche Propaganda in der Staatskunst Kaiser Friedrichs II.; München 1929
Eduard Winkelmann: Kaiser Friedrich II.; 2 Bände; Darmstadt 1963 (Nachdruck von Leipzig 1889/1897)
Gunther G. Wolf (Hrsg.) u.a.: Stupor mundi - zur Geschichte Friedrichs II. von Hohenstaufen; Darmstadt 19822

Fußnoten

1 Stürner, Bd. 1, S. 78
2 Stürner, Bd. 1, S. 98
3 Heinisch [1], S. 8
4 stellenweise auch Palearia
5 Selbtsbewusstsein des Knaben: Hans Martin Schaller "Die Kaiseridee Friedrichs II." in Stupor mundi, S. 501; Stürner, Bd. 1, S. 105
6 Stürner, Bd. 1, S. 106-107
7 Schaller in Stupor mundi, S. 502-503
8 Stürner, Bd. 1, S. 141
9 Deutsche Krone und Kreuznahme: Schaller in Stupor mundi, S. 504; Heinisch [1], S. 35-36; Kantorowicz, S. 70-71; Rösch, S. 62-64; Gloger, S. 54; Benoist-Méchin, S. 93-95; Stürner, Band 1, S. 172-174, 178-179
10 Stürner, Bd. 2, S. 66
11 Stürner, Bd. 2, S. 75-77
12 Universität Neapel: Heinisch [1], S. 69-72; Stürner; Bd. 2, S. 47-57
13 Stürner, Bd. 2, S. 84
14 Kreuzzugsverzögerung: Stürner, Bd. 2, S. 85-90; Heinisch [1], S. 111-116
15 Lombardenproblem: Heinisch [1], S. 130-138; Stürner, Bd. 2, S. 98-111
16 Heinisch [1], S. 138-140
17 Heinisch [1], S. 141; Stürner, Bd. 2, S. 145-147
18 Seuche: Heinisch [1], S. 141-142; Kantorowicz, S. 155-160; Stürner, Bd. 2, S. 131-133
19 Bannung: Kantorowicz, S. 160; Heinisch [1], S. 142-144; Stürner, Bd. 2, S. 134-136; Rösch, S. 87
20 Rechtfertigung Friedrichs: Heinisch [1], S. 144-156; Kantorowicz, S. 161-162; Stürner, Bd. 2, S. 136; Rösch, S. 88
21 Rainald: Heinisch [1], S. 160-164; Stürner, Bd. 2, S. 140
22 Waffenstillstand: Heinisch [1], S. 171-173; Kantorowicz, S. 168-172; Stürner, Bd. 2, S. 150-154
23 Stürner, Bd. 2, S. 156-157
24 Patriarch Gerold: Stürner, Bd. 2, S. 163; Heinisch [1], S. 173; Kantorowicz, S. 172-173, 189-190
25 Bannlösung: Heinisch [1], S. 222-224; Stürner, Bd. 2, S. 181-186
26 Gesetzgebung: Stürner, Bd. 2, S. 201-261; Heinisch [1], S. 224-239; Schaller in Stupor mundi, S. 510-512
27 Niedergang Heinrichs (VII.): Heinisch [1], S. 299-307; Stürner, Bd. 2, S. 302; Rösch, S. 125-127; Gloger, S. 124-125
28 Cortenuova: Heinisch [1], S. 403-404; Stürner, S. 337; Rösch, S. 130-132; Kantorowicz, S. 400
29 Zweite Bannung: Stürner, Bd. 2, S. 466-470; Heinisch [1], S. 414-419; Rösch, S. 132-133
30 Reaktion: Stürner, Bd. 2, S. 472-473; Heinisch [1], S. 419-423; Rösch, S. 150-152; Brian Tierney "Die konziliare Theorie am Hofe Friedrichs II." in Stupor mundi, S. 203-206
31 Rückeroberung Mittelitaliens: Heinisch [1], S. 468-470
32 Mongolenbedrohung: Stürner, Bd. 2, S. 502-507; Heinisch [1], S. 506-520; Rösch, S. 155
33 Briefe gegen Konzil: Heinisch [1], S. 485-496
34 Gefangennahme von Konzilsgesandten: Stürner, Bd. 2, S. 498-502; Heinisch [1], S. 501-505; Rösch, S. 155-156
35 Papsttod und Verzicht auf Rom: Heinisch [1], S. 522-524; Stürner, Bd. 2, S. 509
36 Wahl Coelestins IV.: Heinisch [1], S. 524-525; Stürner, Bd. 2, S. 509-510; Rösch, S. 156-157
37 Stürner, Bd. 2, S. 514-515
38 auch Ogotai, Ugedai, Ugetei, Ögädäi usw.
39 Tod Heinrichs (VII.):Heinisch [1], S. 308; Stürner, Bd. 2, S. 306; Rösch, S. 127; Benoist-Méchin, S. 249
40 Verhandlungsversuche mit Innozenz IV.: Stürner, Bd. 2, S. 518-522; Heinisch [1], S. 537-538, 551-555
41 Innozenz' Flucht nach Lyon: Heinisch [1], S. 555-577; Stürner, Bd. 2, S. 523-524
42 Einnahme Jerusalems: Stürner, Bd. 2, S. 525-526; Heinisch [1], S. 579-583
43 Konzil von Lyon: Stürner, Bd. 2, S. 533-539; Heinisch [1], S. 594-602; Rösch, S. 158-159; Kantorowicz, S. 547-549
44 Kirchenreform-Hoffnung: Heinisch [1], S. 605-609; Stürner, Bd. 2, S. 542
45 Neutralität Ludwigs: Stürner, Bd. 2, S. 549
46 Heinrich Raspe: Stürner, Bd. 2, S. 553-554; Heinisch [1], S. 609-610
47 Aufstände und Verschwörungen: Stürner, Bd. 2, S. 554-561; Heinisch [1], S. 610-615, 618-622; Rösch, S. 160-161, 163
48 Vittoria: Stürner, Bd. 2, S. 571-577; Heinisch [1], S. 626-627; Rösch, S. 161-162
49 Gefangennahme Enzios: Stürner, Bd. 2, S. 581-582; Heinisch [1], S. 627; Rösch, S. 163-164
50 Friedrichs Tod: Heinisch [1], S. 636; Kantoriwicz, S. 626-627
51 Testament: Stürner, Bd. 2, S. 588-589; Heinisch[1], S. 636; Rösch, S. 165-166
52 Sprachkenntnisse: Heinisch [1], S. 328-329; Herbert Grundmann "Kaiser Friedrich II." in Stupor mundi, S. 8; Friedrich Baethgen "Kaiser Friedrich II." in Stupor mundi, S. 209-210; Stürner, Bd. 2, S. 361-362; Sybille & Rösch, S. 135
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