Sonntag, 27.8.; zweiter Reisetag

7:12

RRRRRRRRRRIIIIIIIIING!!!!!
Christophs Wecker reißt Bayern aus dem Schlaf - und meine Nerven in Trümmer. Ich glaube, kerzengerade im Bett zu stehen, doch ist das eine lärmbedingte Sinnestäuschung. Zu derartigen sportlichen Höchstleistungen wäre ich nach dieser Nacht kaum in der Lage. So um die zehn Mal mag ich aufgewacht sein. Träge tue ich letzteres kund und erfahre, dass es Christoph ebenso erging.

7:15

Christoph räkelt sich als erster aus dem Bett - schließlich hieß es: 'Frühstück um halb acht, Abfahrt um acht' - da springt der Radiowecker an. Irgend so ein Labersender, aber wenigstens ist das Ding pünktlich.

7:26

Das Gesicht wasche ich mir mit den Händen. Wer braucht schon einen Lappen in solchen Notzeiten! Hätte ich den etwa auch noch mitschleppen sollen? Und warum sollte ich mir morgens die Zähne putzen? Das hab ich doch noch nie getan! Dieser scheußliche Pastageschmack würde mir gründlich den Appetit verderben, und die Bürste ist gerade so schön trocken...
Aber ich bin ja kompromissbereit, also gurgle und spüle ich mit einem Schluck klaren Wassers. Das mag den Empfindlichen unter jenen wenigen, denen ich vor dem ersten Bissen einen Guten Morgen wünsche, eine Erleichterung bedeuten.
Und gerade jetzt, wo mir erst vor wenigen Wochen diese eine Plombe herausgebrochen ist, und ich da noch bei diesem anderen Zahn eine gelegentliche Gereiztheit feststelle, freut sich vielleicht auch mein Gebiss über zusätzliche Reinlichkeit. Sicher, ich hätte vor der Reise schnell noch mal zum Arzt gehen können, aber wer weiß? Nachher gehe ich hin, und dann ist gar nichts außer der Plombe! Und wenn ich bis zum nächsten Jahr durchhalte, bekomme ich von meiner Krankenversicherung (das sind die Leute, die einem bei Vertragsabschluss versichern, dass man krank wird) drei Monatsbeiträge zu 125,- DM zurückgezahlt.
Die 13,50 für die wahnsinnige, diebische, schurkische, närrische, erpresserische und davon mal abgesehen vollkommen überflüssige Pflegezwangsversicherung hingegen sind vermutlich hoffnungslos an die Mächte des Bösen verloren. Damit können Sie ein Trinken auf Brüderschaft endgültig vergessen, Herr Blüm!

7:32

Was denn! Bin ich etwa der letzte? Im Speisezimmer ist jedenfalls hinreichend was los!
Zumindest erspähe ich auf Anhieb gerade mal einen freien Platz. Am Nebentisch sitzt das Gros unseres Busses versammelt. Ich beantworte die geradezu widernatürlich fröhlichen Morgengrüße mit einem verschlafenen Lächeln und einem zittrigen Winken. Ich bin es nicht gewohnt, vor oder während des Frühstücks zu sprechen. Aber meine übernächtigte Darbietung entschädigt die anderen nicht nur für einen Rückgruß, sondern sorgt darüber hinaus für jene Belustigung, auf die ich spekuliert habe.
So. Schöner weißer Teller. So sauber! Also, wie geht das hier? Kommt jemand herum?
Rücksitz-Kerstin lenkt meine Aufmerksamkeit in die mir genau gegenüberliegende Ecke des Raumes. Ah, dort hinten wird so angeregt gewimmelt! Dort steht das Buffet.
Für mich heißt es nun allerdings nicht nur, mir einfach irgendwas in den Rachen zu schieben. Jetzt ist Strategie gefragt, für die ich gleich eine ganze Centuria aus dem Schlafe gerüttelter Grauer Zellen an die Front schicke. Dahlheim beliebte nämlich gestern noch ablehnende Bemerkungen über die Sitte fallen zu lassen, den Frühstückstisch zu plündern und die Beute als Tagesproviant hinfortzuschleppen. Genau dies habe ich jetzt vor. Folglich heißt es: Aufsehen vermeiden!
Ein Trick muss her. Und ehe ich ihn richtig kommen sehe, habe ich ihn auch schon gepackt: Ich mach mir zwei Brötchen, die ich unmöglich beide sofort aufessen kann. Das Proviantbrötchen wird zur Tarnung angebissen. Wer auch immer mich nachher damit umherrennen sieht, wird meinen: `Na schön, das hat er halt nicht geschafft.' Und viel trinken muss ich. Ich hab nichts mehr, und wer kann schon sagen, wann ich wieder an etwas herankomme.

7:56

Dahlheim scheucht alles auf. Er will um acht losfahren, und ich habe noch nicht mal den Koffer im Wagen. Vergeblich versuche ich, mich nicht von der ausbrechenden Hektik anstecken zu lassen. Mein Darm gibt mir unverblümt zu verstehen, dass ich noch was zu erledigen habe. Bevor ich hinausjage, lasse ich alle Deckung missachtend noch einen Pfirsich mitgehen. Ich habe zwar noch einen, sowie drei Äpfel, aber wer weiß, ob es morgen in Italien was gibt.

8:03

He, was soll das? Ich scheiße hier in Rekordzeit, und dann ist noch fast niemand bei den Bussen! Wie unerquicklich! Ich kann nicht mal meinen Koffer einladen, da der Schlüsselmeister sich nicht sehen lässt - wer immer den Schlüssel auch gerade verwalten mag.
»Wer riecht denn hier so parfümiert?«
Rebecca gesteht arglos.
»Rauchen allein reicht dir wohl nicht.«
Mit der Frage, wie ich das wohl meine, nötigt sie mir einen Hinweis auf umweltschädliche Gerüche ab.
»Ach, so einer bist du!«
»Ja, so einer bin ich!«

Vormittag

Es bleibt düster, bisweilen verregnet.
Während der Fahrt gibt es weiterhin viel Zeit, einander näher kennenzulernen. Praktisch, dass ich so zentral sitze!
Die italienischsprechende Sachsen-Kerstin neben mir verpennt noch immer weite Teile der Fahrt.
Die andere eröffnet uns von der Rückbank her, dass sie kein Referat zu halten braucht, weil sie erst so spät benachrichtigt wurde. Auch was Feines.
Stefan meint, hauptsächlich wegen seines Führerscheins mit von der Partie zu sein. Sein Kumpel Raucher-Christian fährt demnach auch nur mit, weil Stefan es Dahlheim zur Bedingung machte. Allgemeines Gerätsel über die Auswahlkriterien folgt.
Auf einmal äußert sich dann auch verhaltener Protest, Dahlheim hätte nur Männer nach ihren Fahrkünsten befragt. Hat er? Vermutlich, doch kann ich dazu wenig sagen. Als das Thema im Kurs zur Sprache kam, schaltete ich sofort ab, weil es mich nicht betraf.
»Ich will ja auch gar nicht fahren«, behauptet Stefanie. Dennoch erweckt sie einen gekränkten Eindruck, nicht gefragt worden zu sein.
Später kommt noch heraus, dass Stefan und Raucher-Christian auch nicht aufs Bequemste geschlafen haben. Sie waren erst so um eins zum Hotel zurückgekehrt, ebenfalls ohne etwas von einem weiteren Eingang zu ahnen. Um diese Zeit trauten sie sich nicht, zu klingeln oder Krach zu schlagen. Auch wussten sie nicht, wer in welchem Zimmer schlief. Es widerstrebte ihnen, einen Dozenten aus dem Bett zu holen. Auf die Idee, mal um das Gebäude herumzugehen, kamen sie nicht. Und da Stefan den Wagenschlüssel bei sich hatte, schliefen sie dort. Nun spekuliert Stefan, ob er wohl die Übernachtung rückerstattet bekommt.
Dann wird eifrig diskutiert, wie denn das Wetter in Italien werden mag. Vorwiegend wird mit Regen und Kälte gerechnet, weil es hier auch so ist. Nun könnte ich ja den anderen von dem Wetterbericht erzählen, den ich gestern in den österreichischen Nachrichten gesehen habe. Auf der Wetterkarte war eine seltsamerweise unkomentierte Temeraturangabe für Südtirol abgebildet worden: 22 Grad. Aber die anderen sind so begeistert beim Trauern über ihre Schlechtwetterprognose, dass es wohl nicht lohnt, dagegen anzureden. Was soll's! Mir ist jedes Wetter recht, solange es sich während des Tages nicht ändert.
Das Brötchen war köstlich! Mal was anderes als die nach Keksen und Äpfeln schmeckenden Pfirsiche und die nach Keksen und Pfirsichen schmeckenden Äpfel. Es lag glücklicherweise nicht lange genug in der fantaverklebten Tüte, um nach Äpfeln, Pfirsichen und Keksen zu schmecken. Die Kekse, die wie gesagt durchaus nach Äpfeln und Pfirsichen schmeckten, sind ja inzwischen alle. Ich glaube, ich bin froh darüber.
Wir nähern uns der bayerisch-österreichischen Grenze. Zuvor aber müssen wir uns mit hunderttausend anderen mühsam die Berge hinaufschlängeln. Der Verkehr wird immer zähflüssiger. Fast könnte man halluzinieren, am Stock gehende Greise mit Gipsbeinen überholten uns.
Zwischendurch schlage ich in einem der im Bus kursierenden Handbücher nach, was "ohne Eis" und "ohne Serviette" auf italienisch heißen. Wie könnte ich ahnen, dass das meine kleinsten Sorgen sein werden!
Als wir die Grenze letztlich doch erreichen, scheint der Wärter noch nichts vom Beitritt seiner Provinz zu EU gehört zu haben. Jedenfalls verlangt er in sicherlich jahrelang gewohnter Manier nach unseren Ausweisen. Sicher, das Recht dazu mag er ja noch haben, und vermutlich wittert er bereits, dass er es mit dem Autonomen-Bus zu tun hat. Nun, das ist ja kein sonderliches Problem. Wir zeigen also unsere griffbereiten Karten vor und...
Nein, wir fahren nicht weiter! Raucher-Christian war nämlich so geistesgegenwärtig, den Beweis seiner amtlichen Existenz im Koffer zu verstauen. Der Grenzer hingegen denkt wohl: 'Dienst ist Dienst und autonom ist autonom' und winkt uns aus der Schlange heraus. Derweil die nachfolgenden Fahrzeuge ungehindert - und ungeprüft - vorbeiziehen, wird der Kofferraum geöffnet, und weil Christians Gepäckstück ob seiner Größe - natürlich! - zuunterst steht, ausgeräumt. Immerhin braucht gleiches nicht erst mit dem Koffer selbst zu geschehen. Wir werden also irgendwann trotz all dieser schweren Vergehen gnädig durchgelassen.
Das österreichische Tirol ist schnell durchquert, handelt es sich doch nur um einen schmalen Landstrich. Ansonsten unterscheidet es sich in Sprache und Gestaltung ja kaum von Oberbayern.
Nach dem Brenner kommt mir so ein Verdacht: Wir sind jetzt in Italien! Das eben, wo wir etwas langsamer fuhren, war die Grenze.
In der Raststätte gleich dahinter ist wieder Sammelplatz. Scheiß-windig hier! Na, so kommen wenigstens die Flaggen diverser Europäischer Staaten zu voller Geltung.
Alles rennt zu den Klos. Und wir sind ja auch nicht die einzigen Durchreisenden. Dementsprechend voll ist es dort. Mir fällt nicht gleich auf, wie bewusst mich Raucher-Christian an den einzigen freien Platz vorlässt. Was für ein niedriges Pinkelbecken! Wie für einen Zwerg! Im ersten Moment schiebe ich das auf den hierzulande verbreiteten Kleinwuchs. Doch als der Platz neben mir frei wird, und Christian nachrückt, grinst er mich so eigenartig an. Sein Becken hängt höher. Ich habe eines für Kinder erwischt, worüber er sich köstlich amüsieren kann. Ich sag ja: Ein dankbares Publikum.

11:57

Je weiter wir kommen, desto heißer wird es. Entsprechend werden nacheinander Schuhe, Pullover, zweiter Pullover und Socken abgeworfen; auch die anderen versuchen, es sich bequemer zu machen.
Mit Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung steht auf Hinweisschildern zu Ausfahrten immerhin eine kleine deutsche Fassung unter der größeren italienischen.
Die Autobahn führt in einen sich verbreiternden Talkessel. Und wie er sich verbreitert! Rechts und links mag es wohl je einige hundert Meter, wenn nicht gar einige Kilometer Ebene geben, die dann an steile Felswände stößt. Dieser plötzliche Wechsel von Flachheit zu Steilheit sieht so gewollt aus, dass er mich einen Moment lang ein Werk von Menschenhand wähnen lässt. Doch nein! Überschätzen wir den Menschen nicht! Zu groß der Aufwand! Und wozu auch? Nein, nein. Das hat die Natur von ganz allein vollbracht! Das darf man dann wohl Urstromtal nennen. Ob es Lava war, die dies formte, oder nicht eher ein Gletscher oder gewaltiger Fluss? Vielleicht alles hintereinander. Ich werde es wohl nicht so bald erfahren, denn wo soll ich sowas erfolgreich nachschlagen? Mir fällt Dahlheim ein, der ernsthaft öffentlich behauptet, die Natur sei dem Menschen fremd und feindlich. Ob er hier - auf der Autobahn mit so vielen anderen und umgeben von kleinen Ortschaften - ahnt, wie nahe sie uns ist?

12:04

An der nächsten Raststätte scheinen sich mir die anderen mit ganz besonderer Euphorie in den zugehörigen Konsumtempel zu stürzen - vor allem die Mädels. Sollen sie! Ich wechsele erst einmal ganz in Ruhe die lange Hose gegen die angemessenere kurze aus.
Der weiße Dahlheim-Bus gesellt sich zu dem unseren. Während auch seine Insassen größtenteils die Klos und die Kaufhalle stürmen, schwatze ich noch ein wenig mit den Zurückbleibenden wie Herrn Dahlheim. Die Stimmung ist bestens. Bei den anderen mag dies vor allem am Wetter und an der Freude, in Italien zu weilen, liegen. Bei mir liegt es mehr daran, dass ich mich im Moment aufgrund meiner Genügsamkeit über nichts zu beklagen habe.
Die ersten kehren zu den Bussen zurück. Das Magnum sei hier ja sooo billig. Also gut, gehe ich mal gucken. Bernd aus dem anderen Bus bittet mich, ihm eins mitzubringen und gibt mir 2.000 Lire - das müsse reichen. Denke ich auch, wenn das Eis hier doch sooo billig ist!
Als ich die Tür überwunden habe, die statt mit einer gewöhnlichen Klinke mit einer Apparatur wie ein Gepäckwagen am Flughafen ausgestattet ist, sehe ich mich dem gnadenlosen Chaos gegenüber. Es wimmelt nur so von Reisenden, die ich allesamt nicht verstehe. Obi Wan Kenobis Worte in 'Eine neue Hoffnung' kommen mir in den Sinn: »Nirgendwo wirst du mehr Abschaum und Verkommenheit finden als hier.« Schlangen schlängeln sich zur Theke und zur Kasse. Zwischendrin wuseln ebenso buntgewandete Gestalten ohne bestimmtes Ziel.
Über der Theke hängen gepolsterte Nachfüllproviantflaschen für 6.000. Das sind umgerechnet keine 6 DM, aber ich werde beim Wechseln ja Gebühren zahlen müssen - und außerdem der ständige Wertverfall, der während unserer Reise zu erwarten ist, ganz zu schweigen die Nerven, die mich das alles kostet. Also GENAU 6 DM! Wohl gerade noch ein fairer Preis... Brauche ich sowas? Sie fassen einen Liter im Gegensatz zu meinem Halbliterfläschchen. Soviel trinke ich in der Uni eigentlich nicht. Den Aufdruck FANTA würde ich mir ja vielleicht gerade noch gefallen lassen, obwohl ich nicht gerne als Werbeträger umherlaufe. Aber da steht noch was in Italienisch. Nein, sowas brauche ich erst mal nicht.
Also zum Eis. Ein Magnum kostet 1.700. Hm. Sicher, das ist billiger als die 2,50 bei uns. Billiger, aber nicht billig. In einer Ortschaft bekommt man es sicher noch günstiger als bei den modernen Straßenräubern. Und die sonstige Auswahl gibt auch nicht viel her. Ich verzichte und nehme nur eins für Bernd.
An der Theke gibt es noch eine Kasse, aber ich glaube, ich muss zu der anderen. Jetzt können wir bald ein Beispiel für eine durch schlüssiges Handeln erfolgende Willenserklärung zum Abschluss eines Kaufvertrages beobachten. Jedenfalls würde ich nicht von mir behaupten, dass ich fließend Italienisch spreche. Doch erstens kommt es anders! Rückbank-Kerstin drängelt sich zu mir, auf dass ich zwecks geringerer Wartezeit ihrerseits eine Kollektivzahlung vornehmen möge. Damit wir beide etwas davon haben, drehe ich den Spieß um und lasse sie bezahlen. Und schon sind wir mit dem Geld durcheinander! Soll SIE Bernd sein Wechselgeld geben!

13:43

Im Laden der wiederum nächsten Raststätte gibt es Überraschungseier für 900 Lire. Unvermutet packt mich ein unbändiger Kaufrausch von hinten, schiebt mich näher heran, hebt meinen Arm und... ich nehme eins! Schütteln hilft bei mir nicht viel. Mir fehlt die Praxis, um zu wissen, wie es sich bei einer Figur anhören muss. Meine Schwester dagegen ist sowas wie eine Schüttologin - oder hat einfach viel Glück. Jedenfalls bekommt sie fast immer eine Figur. Doch im Augenblick muss ich ohne ihre umfangreichen Erfahrungen auskommen.
Ich zahle mit einem 10.000-Lire-Schein, da gibt mir diese Kanaille von einem raubgierigen Beutelschneider nicht korrekt heraus: Nur 9.000! Da ist er an den falschen Touri geraten! »Scusi«, sagt er auf mein Gefuchtel hin. Jaja! Gib mir meine 100 Lire und lass gut sein!
Als ich mit meiner Jagdbeute nach draußen komme, holt uns mal wieder der Dahlheim-Bus ein. Und ich mit dem Ei! Wie peinlich! Aber sonst mach ich mir doch auch nichts aus der Meinung anderer.
So verputze ich denn die Schokolade, bevor ich das gelbe Innenei öffne. Schmeckt ein klein wenig italienisch, aber im Vergleich zu den ewigen Äpfeln, die nach Keksen und Pfirsichen... Und die Überraschung ist - Tusch! - ein Bausatz. Irgendsoein kitschiges Boot mit einem übergroßen behelmten Fahrerchen.
Während der Weiterfahrt baue ich es unter der üblichen Vernachlässigung der Anleitung zusammen. Aber für die Aufkleber ist mir das jetzt zu wackelig. Auch dieses blöde Boot hat bei mir einen Anspruch auf den ernsthaften Versuch einer perfekten Beklebung.

14:08

Wir sausen durch die Ebene... Huch! Wosindieberge? Irgendwie hab ich den Übergang verpennt, ohne geschlafen zu haben. Im Bus kann ich nicht schlafen und will es auch gar nicht - offensichtlich ganz im Gegensatz zu Kerstin neben mir.
Die Gegend ist ziemlich trocken. Kaum Bäume, dafür um so mehr Industrieklötze von Firmen, die keiner kennt. Oh, da! Leberkleister! (Name von der Redaktion geändert.) Na, ich bin ja für jeden verständlichen Wortfetzen dankbar. Trotzdem zu wenig Bäume hier...
Mein Blick fällt auf der wachen Kerstins blanke Füße, die sie von hinten zwischen meiner und Stefans Rückenlehne durchsteckt, um die Beine auszustrecken. Auch er wird aufmerksam und gemeinsam glotzen wir grinsend darauf, als Kerstin jammert: »Nicht meine Füße ankucken!«
»Wenn du sie uns so zeigst?« wende ich lachend ein. Es juckt uns in den Fingern, sie zu kitzeln, aber schon das Starren scheint Kerstin ein ähnliches Gefühl zu entlocken. Ich könnt mich kringeln!
Plötzlich sausen zwei Düsenjäger an uns vorüber. Vermutlich gehören sie zu den deutschen UNO-Truppen, die in Piacenza für Bosnien stationiert sind, so Stefan. Davon wusste ich bis eben nichts, weil ich nicht mehr so viel fernsehe wie früher und den Geruch von Zeitungen hasse. Schade um die Bäume. Radio? Unnützer Plunder! Jedenfalls verspüre ich so einen Hauch von Abenteuer - wie im Kino.

15:09

Mantua. Unsere sonst so schläfrige sächsische Kerstin ist mit einem Mal hellwach und ganz aufgeregt, weil sie schon mal hier war. Mich hingegen erinnern die Gebäude eher an ein Abrissviertel im Osten.

15:14

Träge pellen wir uns aus dem Bus. Es ist heiß, und wir sind alle ausgetrocknet.
Das da drüben soll der sogenannte Palazzo del Te sein. Nun, wie ein Palast sieht das für meine Augen nicht gerade aus, aber vielleicht darf man es nicht so wörtlich übersetzen. Tee gibt's hier ja auch keinen.
Hinter dem Haupteingang liegen nur ein Café und ein Verkaufsraum. Bücher und Postkarten in jeder Menge. Schon wieder schade um die Bäume.
Eine Treppe führt zu den Toiletten empor. Da oben, deucht mich, muss es Wasser geben, also nichts wie hinauf!
Das Waschbecken hat zwar einen Hahn, aber nichts zum aufdrehen. Eine Photozelle? Mein Gefuchtel führt zu keinem Erfolg. Zum Drücken sehe ich auch nichts. Ah! Unter dem Becken auf dem Boden gibt es einen Hebel, den es zu betreten gilt. Wasser! >schlürf< >sabber< Am liebsten würde ich meinen Kopf drunterhalten... Na wenigstens das Gesicht kann nicht schaden!
»Was machst du denn?« fragt mich Fahrer-Christian. Ja, meine Güte, das musste halt mal sein!
Als wir tatsächlich irgendwann auf einer Seite des Palazzos eintreten, beginnt Lord Byron sein Referat. Wir nennen ihn so, weil keiner aus unserem Bus weiß, wie er richtig heißt. Außerdem trägt er selbst hier eine Krawatte. Er hat massig Ahnung (vom Thema), und aus zeitlichen Gründen beginne ich nach einer Weile zu hoffen, dass dies bei den anderen Kommilitonen nicht in gleichem Umfang zutrifft. Schließlich bin ich kein Kunsthistoriker.
Julia, die vermutlich jüngste unserer Gruppe, ist als nächste an der Reihe, uns etwas über die einstigen Bewohner des Palazzos und ihre Bedeutung zu referieren. Leider wird sie von den Dozenten ein wenig aus dem Konzept gebracht.
Während ich lausche, betrachte ich das wohl knapp zwei Quadratmeter messende Modell des quadratischen Palazzos, das in diesem Raum steht. Etwas daran stimmt nicht, wie ich sofort spüre. Und sehr bald stelle ich fest, dass es falsch ausgerichtet ist. Was soll das denn!?
Nun, trotzdem hatte ich schon immer etwas für Modelle übrig, also taste ich die Fassaden mit meinen Blicken ab. Da erspähe ich durch einen der Torbögen etwas Kleines, Rundes. Ein Knopf? Nein, eine Münze, auch wenn der Wert wohl der gleiche sein dürfte. Aber wenn es auch offensichtlich nicht unsere Währung ist, so handelt es sich hier doch um Bargeld! Welcher Trottel schmeißt da Geld in den Modellpalazzoinnenhof? Und noch wichtiger: Wie komme ich da ran, ohne meine Mitreisenden allzu aufmerksam werden zu lassen?
Als ich mich zur Peilung der Lage aufrichte, erkenne ich, dass der gesamte Hof von Münzen übersät ist! Wenigstens 30,- DM wert! So nah und doch so fern! Oh, Schmerz!
Von den Referaten bekomme ich natürlich nichts mehr mit.
Als wir das Gemach endlich verlassen, wundere ich mich Michaela gegenüber nochmals über die falsche Ausrichtung des Modells.
»Vielleicht haben sie es so hingestellt, dass die uninteressanteste Seite an der Wand steht«, schlägt sie vor.
Auf sowas wäre ich in hundert Jahren nicht gekommen. Genau genommen fiele mir überhaupt kein Grund ein, warum man ein solches Modell falsch ausrichten sollte. Aber schließlich habe ich es hier mit Menschen zu tun, also muss man jede noch so unwürdig erscheinende Erklärung in Betracht ziehen. Dennoch: »Warum haben sie es nicht einfach in die Mitte der Raumes gestellt? Platz ist doch genug da.«
Es bleibt eine der ungelösten Fragen dieser Reise.

15:57

Nun übernimmt Herr Miller die Führung durch den Palazzo. Zu jedem einzelnen Fresko hat er Ausführliches zu berichten - leider auf einem Level, das mir mehr auf Doktoranden der Kunstgeschichte zugeschnitten scheint, als auf einen handelsüblichen Historiker oder Germanisten. Und da es sich vorwiegend um Deckenbilder handelt, bin ich bald ganz verrenkt. Kein Spaß für jemanden, der gewohnt ist, auf sechsundneunzig Prozent seiner Mitmenschen hinabzublicken! Und das bei der Hitze! Mit ohne was zu Trinken! Und schließlich will ja jedes Bild umfangreiche Erwähnung finden. Dieser Mann spricht mit einer schier unglaublichen Ausdauer und hat nicht einmal ein Trinkfläschchen dabei. Waren meine Beine nicht eben noch länger? Ich glaube, ich bin jetzt ein wenig durstig!
In einem der nächsten Räume gibt es einen einsamen Stuhl, den ich augenblicklich besetze. Aber einige der anderen wollen ja auch mal, und so mache ich irgendwann in todesverachtender Selbstlosigkeit Platz. Ich bin einfach zu gutmütig! Andererseits kann ich mich kaum über zuviel Bewegung beklagen. Um meine Glieder zu entsteifen, vollziehe ich ab und an ein oder zwei Kniebeugen oder eine andere hastige Gebärde.
Zwischendurch bin ich zwar ganz begeistert, wenn ich mal ein Motiv selbständig ikonographisch zu deuten vermag, doch kann mich dies nur für Momente darüber hinwegtäuschen, dass wir uns in jedem einzelnen Zimmer unverhältnismäßig lange aufhalten.
Vor einer Front des Palazzos gibt es ein stehendes Gewässer, das ich schon an dem Modell gesehen habe. Vielleicht war dies einst Teil eines schützenden Grabens. Andererseits erscheint mir die gesamte Anlage nicht sonderlich auf Verteidigung ausgerichtet - zu offen. Was ist das überhaupt für eine trübe Tunke! Dieser faulig-gelbe Schimmer und diese wohl zwei bis drei Zentimeter langen Insekten, die darauf herumhuschen wie jener gewisse J.C. aus der späthebräischen Märchensammlung. Was für ein Gewimmel!
Als wir durch eine Art Säulenhalle ins Freie treten, entbrennt ein Streit zwischen Herrn Miller und Lord Byron, welchen Stiles die Säulen seien. Da ich mich mangels Vorbildung allenfalls auf ironische Weise daran beteiligen könnte, halte ich besser meine Klappe.
Nun wird die Fassade des Gemäuers verbal auseinandergenommen. Ich achte darauf, im Schatten zu bleiben. Nichts gegen Sonne, aber dazu muss man doch mit etwas mehr Flüssigkeit ausgestattet sein.
Ein deutsches Pärchen hat sich unserer Gruppe angeschlossen und hängt nun Miller an den Lippen. Sie allerdings nicht mit derselben Ausdauer wie er. Irgendwann will sie gehen, aber er hat noch nicht genug. Armes Ding! Irgendwie - keine Ahnung, warum - verstehe ich sie...

17:39

Wir gehen wieder rein. Bisher haben wir erst die Hälfte der Anlage durchschritten, aber ich spekuliere darauf, dass wir nicht alles ansehen. Zum einen scheint die eine Seite nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu sein, zum anderen weist Dahlheim soeben auf die fortgeschrittene Zeit hin. Doch zuvor kommt ein Raum an die Reihe, dessen Wände nach oben hin ineinander und in die gewölbte Decke übergehen. Alles wird beherrscht von einem Szenario, in dem Giganten zwischen einstürzenden Säulen und Trümmern einherflüchten. Und damit man alles in Ruhe ansehen kann, gibt es sogar eine Handvoll Stühle, was die Frage aufwirft, ob man sich die anderen Decken nach Absicht der Museumsleitung gar nicht so genau hätte betrachten sollen.
Leider wird die Atmosphäre des Saales immer wieder durch einen Alarm gestört, dessen Auslösemechanismus uns letztlich verschlossen bleibt. Nichts desto trotz werden technische Neugier und der Trieb zum Experiment geweckt. Immer wieder wird erprobt, bei welcher verbotenen Bewegung wohl der Alarm erklingen mag. Einziges Forschungsergebnis jedoch ist, dass er wie zum Hohn nur zwischen den Experimenten tönt. Und das mit Inbrunst! Fast scheint es, als dürfe man den kleinen Balkon nicht betreten. Zwangsläufig witzeln wir, man wolle den Raub der Stühle verhindern, da dies die einzigen Einrichtungsgegenstände sind.

17:58

Miller kann sich gar nicht sattsehen, aber Dahlheim mahnt nochmals an, es sei noch ein gutes Stück zu fahren. So fließen wir gemächlich auf den Innenhof.
Doch halt! Auch hierzu muss noch so manches gesagt werden, ohne das die gesamte Reise sinnlos würde - jedenfalls scheint dies Millers Auffassung.
Nun stehe ich doch in der Sonne! Zwar prallt sie aufgrund der späten Stunde nur noch mit halber Kraft... einigen wir uns auf 3/4... aber - erwähnte ich es schon? - ich bin bar jeglicher flüssiger Ausrüstung!
Das Gesims des Hofes ist rundum mit Fratzen, die ihre Mäuler aufreißen, verziert. Ich fasse es selbst kaum, dass ich unter diesen Umständen noch zu kreativen Leistungen in der Lage bin, aber spontane Verse gelangen mir in den Sinn, die mir diesen Augenblick unvergesslich machen mögen. Sogleich stürze ich mich auf das nächststehende Opfer Petra zu und werfe ihr entgegen: »Ach, spien doch die Massen der Masken Wassermassen, uns nass zu erfassen!«
Das heitert mich immens auf - für zwei Minuten.

18:11

Wir setzen uns kurz in das Café. Hunecke spendiert seinem Bus Getränke. Oh, Neid! Oh, Missgunst! Aber das ist eben der Preis der Freiheit. Aus Kostengründen lasse ich mich noch mal unter dem Wasserhahn vollaufen. Soviel, wie ich jetzt bräuchte, könnte ich sowieso nicht in Lira bezahlen. Wie gesagt, ich habe nur 18175. Anschließend schlürfe ich eine übriggebliebene Zitronenscheibe aus. Ein unbenutztes Zuckertütchen verschwindet in meiner Tasche, dann brechen wir auf.

19:34

Piacenza, Hotel Florida. Vier Sterne diesmal! Nun ja. Sieht ja auch recht modern und gemütlich hier aus. Bloß die vielen TU-Studis in der Halle stören ein klein wenig. Man kann kaum treten vor lauter Koffern und Taschen.
Die Zimmerverteilung verspricht ähnlich wie gestern abzulaufen, da schlägt Ulrich vor, mit Fahrer-Christian und mir eines zu nehmen. Wir sind einverstanden, und so sause ich kurz darauf mit Schlüssel und Gepäck die Treppe hinauf in den dritten Stock. Ein Bett liegt neben dem Eingang, die anderen stehen quasi in einem Nebenraum, auch wenn dazwischen keine Tür liegt.
Mit dem Gepäck besetze ich schon mal das erstere, danach reiße ich alle Fenster und Rolläden auf, um die sich abkühlende Abendluft hereinzulassen.
Dann inspiziere ich das Bad. Badewanne mit Dusche, Fußwaschbecken... Auf dem Brettchen über dem Handwaschbecken stehen zwei Gläser. Für ein Dreibettzimmer? Wie intelligent! Dafür massenhaft Seife und Bademittelchen. Mit etwas frischerer Erfahrung hätte ich mir wohl gedacht, dass ich nicht extra was zum Haarewaschen mitnehmen muss.
Das mit den Gläsern geht so jedenfalls nicht! Ich husche hinaus auf den Gang. Niemand da. Sehr schön. So kann ich ungestört in eines der Zimmer gehen und mir ein drittes Glas besorgen.
Originell! In dem Doppelzimmer, das ich erwische, gibt es nur EIN Glas. Was müssen die hier teuer sein! Da hier zur Zeit aber offensichtlich niemand wohnt, wird niemand den Unterschied zwischen eins und null bemerken.
Ich packe bereits meine Tasche aus, als Ulrich und bald darauf Christian erscheinen. Ohne Gier und Eile teilen wir die Möbelstücke untereinander auf.
Zum Duschen ist keine Zeit mehr, es sei denn, ich wollte darauf verzichten, mit den anderen essen zu gehen.

20:03

Eine Truppe, die vor allem aus unseren Busleuten besteht, setzt sich in Bewegung. Allerdings muss an jeder zweiten Bank halt gemacht werden, weil immer irgendeiner hier Kunde ist und sich etwas aus dem Automaten ziehen will. Ich hoffe, mit meinen 18175 Lira zwei, drei Tage auszukommen, bis ich zu einer offenen Bank mit lebenden Menschen drin gelange.

20:26

Nach einer gewissen Strecke stoßen wir auf ein Lokal, das in der Lage ist uns aufzunehmen. In den Fernsehern, die hier überall hängen, läuft eine jener barbarischen Veranstaltungen, in der erwachsene Männer nach einem schwarz-weißen Ball treten.
Ich bestelle eine der einstellige Tausender kostenden Pizzen und lasse mich erzwungenermaßen sogar zu einer Cola hinreißen.
Die anderen lassen sich in der Gruppe verschiedene Weine und Mineralwasser bringen. Ohne mich! Da kann man ja gleich zum Wasserhahn gehen!
Thilo neben mir erzählt von einer Jugendzeitung, bei der er mitarbeitet. Ich muss ihn mal bei Gelegenheit darauf ansprechen, ob sie auch Bücher rezensieren. Wir brauchen Werbung!
Irgendwann probiere ich auch mal die sanitären Anlagen des Etablissements aus. Dass es keine Geschlechtertrennung zu geben scheint, stört mich überhaupt nicht. Aber wo ist denn nun eigentlich das Klo? Dieses klägliche Loch im Boden? Da bin ich doch froh, ein Mann zu sein und gerade nicht groß zu müssen. Kaum, dass ich meine gewaschenen Hände halbwegs trockengeschüttelt habe, fällt das Licht aus. Absolute Schwärze. Grölendes Amüsement aus dem Schankraum. Vorsichtig taste ich mit Händen und Füßen umher. Wo ist der Gang hin? Da merke ich, dass er hinter einer niedrigen Stufe liegt, die mir vorhin gar nicht aufgefallen war. Ich gelange in den Schankraum, der nur von der Straße aus beleuchtet wird. Gemütlich, doch bevor ich den Tisch erreiche, geht das Licht wieder an. Und die Fernseher mit dem hirnlosen Programm auch.

22:45

Ich bin müde und durstig, also bezahle ich. Was will der nur immer mit seinem »Coperto«? Oh, ich verstehe. Mein Vater hatte mich vor dieser unbegreiflichen Sitte der Italiener gewarnt, für das Hinlegen von Besteck und einer von mir nie benötigten Serviette Geld zu verlangen, als wären die Speisen nicht teuer genug. Ich hatte es bisher nur nicht recht glauben können. Da hast du, alter Gierschlund!
Damit sind 11.500 weg! Ich muss irgendwann mal umtauschen...
Ich gehe nicht, ohne mir eines dieser Lange-dicke-Salzstangen-ohne-Salz-Tütchen mitzunehmen. Proviant kann man immer brauchen, und an Zahlungsmitteln habe ich ja nun überreichlich hiergelassen.
Seltsam, an diesen Park kann ich mich gar nicht erinnern... Vermutlich liegt das Hotel nach rechts.
Mir ist nicht recht klar, warum ich jetzt nach links abgebogen bin. Wie sich nämlich herausstellt, hatte ich recht mit rechts. Naja, ich bin ganz froh, mal ein paar ordentliche Schritte tun zu können, ohne eine Horde von kurzbeinigen Menschen, die nicht mitzuhalten vermögen.
Im Hotelzimmer probiere ich alle Kanäle des kleinen Fernsehers durch - vergeblich. Nur dieses südländische Geschnatter. Ich schalte wieder ab. Und zwar richtig, nicht auf Bereitschaft wie es vorher war. Wer das erfunden hat, gehört aufgehängt!

23:24

Endlich im Bett. Konnte kaum mehr stehen. Allerdings... es ist zu kurz. Wenigstens gibt es keinen Bettkasten, so dass ich die Füße überhängen lassen kann. Allerdings... hart ist es auch. Ich spüre jede dieser vermaledeiten Sprungfedern. Fehlkonstruktion! Da lob ich mir meine Schaumstoffmatratze zu Haus! Ich versuche es mit seitlicher Lage und erreiche, dass mich die Federn jetzt in die Rippen stechen, anstatt in den Rücken. Überhaupt, verflixt laut draußen. Am Ku'damm zur Berufszeit ist weniger Verkehr. Haben die alle keine Betten? Nun, vielleicht haben sie ja SOLCHE Betten.
Ich liege noch wach, als Ulrich und kurz darauf Christian kommen.
Wie viele Tage bleiben eigentlich noch? War das echt erst der zweite? Ja, tatsächlich! Bleiben noch 16. Ich bin zu müde, um mich darüber aufzuregen.

Zum dritten Tag


Das Italienische Tagebuch
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Thalia, Weltbild und Hugendubel.

© Oliver H. Herde
Elf und Adler Verlag

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