10.9.

[Auf dem flaschenumrollten Wege zu irgendwelchen Baptisterien, zu welchen ich nicht das kleinste Schnipselchen Erinnerungsbild bewahrt habe, verließen sich alle auf Bernd, den gegenwärtigen Fahrer des Dahlheim-Busses. Dieser lud dann auch prompt zu einer irrigen Gondelei durch die Pampa ein.]

13:27

An sich ist das Grabmal Theoderichs, des Königs der Ostgoten und Italiens, ganz gefällig anzusehen. Nichts Sensationelles freilich. Immerhin war er ja nur Christ. Aber der Zustand dieses Gebäudes erzeugt doch mein Mitgefühl: Mag die Bausubstanz insgesamt auch gut erhalten sein, gibt es an einigen Stellen verdächtige Flecken und Geruchsentwicklung. Irgendwer prägt den Begriff von 'Theoderichs Pissoir', den einige in zustimmender Bereitschaft sogleich in ihren Sprachschatz aufnehmen.

16:38

Am späten Nachmittag bekommen wir zur Auswahl, ob wir lieber irgendein Pomposa mit Hunecke und Miller besichtigen wollen oder uns am Strand tummeln. Für mich eine leichte Entscheidung.
Recht bald beginne ich, eine Sandburg zu errichten. Obgleich ich meine Figuren aus Krieg der Sterne nicht dabei habe, halte ich mich doch bewusst an jenen Maßstab. Petra hilft mir bisweilen. Leider nimmt sie die Burg in noch recht unfertigem Zustand auf, aber sie will dann ins Hotel zurück, und das Licht wird auch schon schlechter.

19:41

Wiederum verweigert ein Teil des Busses die kostenlose Nahrungsaufnahme. Deren Problem.

21:17

Unser Bus ist noch einmal unterwegs. Dabei droht sich das [mir heute unbekannte] Ausflugsziel zu wandeln und in ungeahnte Entfernung zu verschieben, als wir unsere Autobahnausfahrt verpassen. Mangels Wendemöglichkeit reisen wir für über dreißig Kilometer Rom entgegen und spielen tatsächlich mit dem Gedanken, jene Stadt zu besuchen - und die Flaschen nach hinten zu werfen. Natürlich bleibt es in beiderlei Hinsicht bei dem Spiel, und wir kehren bei der nächsten Gelegenheit um.

Zum siebzehnten Tag


Das Italienische Tagebuch
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© Oliver H. Herde
Elf und Adler Verlag

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