"Alle bekloppt geworden - das Wetter."

Ein kaum verfrühter Jahresrückblick

Eigentlich ist das Kalenderjahr 2016 ja noch gar nicht um, wenn dieser Artikel im Kiezboten erscheint. Noch weniger ist es dies nun, da ich daran schreibe. Dennoch bin ich damit in guter Gesellschaft, denn genau betrachtet sind all die Jahresrückblicke, welche wir jeden Dezember anschauen oder lesen - oder vielleicht ja auch lieber nicht - stets ein wenig zu früh dran. Wer sagt uns, dass nicht noch am letzten Tag des Jahres etwas viel Wichtigeres als alles Vorhergegangene geschieht? Freilich muss es deswegen nicht gleich in den Nachrichten auftauchen, denn jedem von uns sollte ja etwas anderes bedeutsam erscheinen, sofern er ein eigenes Leben unabhängig von den öffentlichen Medien führt. Folgerichtig wird dieser Artikel von seinem Autor geprägt, wie sich das gehört.

Im Januar brannte es im Vorderhaus. Kaum zehn Monate später konnte dort auch schon wieder jemand einziehen. Die Nachbarn rauchen weiter.

Im Februar interessiert sich Edward Snowden für einen deutschen Begriff: Politikverdrossenheit. Ein Jammer, dass eben jene Politik seine Einreise nicht wünscht. Man muss kein Genie sein, um dabei Zusammenhänge zu erkennen.

Im März bekommt der Kiezbote seinen ersten Leserbrief. Ich bin geschmeichelt. Nochmal vielen Dank an Uwe!

Leider kein Aprilscherz: Hans-Dietrich Genscher ist tot. Er war wohl der ehrenwerteste und glaubwürdigste mir bekannte Politiker.

Im Mai erwäge ich kurzfristig eine geeignete Schmähung Erdogans, um in den Massenmedien besser vertreten zu sein. Ich habe jedoch Geistreicheres zu tun. Aber unsere groteske Kanzlerin und das ZDF müssen sich ja wieder aufspielen und damit einer Flut sinnloser Klagen die Türen öffnen. Soviel zur vielbehaupteten Unabhängigkeit der öffentlich-unrechtlichen Medienkonzerne.

Im Juni wählen sich die Briten aus Europa hinaus und sind hinterher überrascht, dass dies den Austritt bedeutet. Ein weiterer Hinweis, dass die Mehrheit nicht immer recht hat und vor allem niemals über den Einzelnen entscheiden sollte. Dieser Meinung sind dann auch und vor allem die Schotten.

Im Juli fällt mir immer noch nirgends ein Flüchtling auf. Man muss schon danach suchen, wenn man welche braucht. Wie auch immer; Flüchtlinge sind ja nichts Neues. Es gab sie immer, und es wird sie geben, solange es Staaten gibt, die ihre Bevölkerung nicht in Ruhe lassen.

Im August ist es warm und trocken - verglichen mit November.

Im September wird das Raumschiff Enterprise 50.

Im Oktober beginnt die Heizperiode. Leider gibt es Nachbarn, die auf Kosten aller Mieter dauerlüften oder gar Außentüren offen stehen lassen.

Im November wird zu Mauerfall ein Trumpel gewählt, aber die Aktienkurse zeigen sich unbeeindruckt. Das hat schon etwas zu bedeuten - um so mehr, wenn man bedenkt, wie überempfindlich sie ansonsten auf die kleinste Belanglosigkeit reagieren können. Europa kann sich beruhigt zurücklehnen, sofern es zu der ihm zukommenden Eigenständigkeit zurückkehrt.

Im Dezember könnte man das Jahr astronomisch gesehen wieder mit der Wintersonnenwende enden und neu beginnen lassen, aber die meisten feiern diese ja lieber zu anderen Terminen und unter anderen Namen.

Und nun?

Viel geschieht, doch wenig ändert sich. Was die Zukunft bringt, kann niemand sicher und seriös vorhersagen; aber jeder von uns wirkt daran mit, sowohl durch seine Taten wie sein Unterlassen.

Dieser Artikel erschien auch im Kiezboten vom Dezember 2016.


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Oliver H. Herde