Antworten auf Kiezbotenumfragen

von Oliver H. Herde


Abwicklung des QM
Bundestagswahl
Ehrenamt
Flüchtlinge
Gesetzliche Feiertage
Obdachlosigkeit
Sauberer Kiez
Sprengelkiezfond
Terroranschläge

Abwicklung des Quartiersmanagements

In der Umfrage des Kiezboten vom März 2015 wurden engagierte Menschen aus unserem Kiez zur 'Verstetigung des Quartiermanagements Sparrplatz' befragt, was sie darunter verstehen.

Oliver H. Herde, historische Tänze - ohher.de: Da wird mal wieder mit krummen Begriffen geworfen, damit keiner versteht, was geschieht. Beim Ausdruck 'Verstetigung' würde man etwas Dauerhaftes, Stetiges erwarten. Beim QM ist das Gegenteil der Fall, da es in unserem Quartier abgeschafft wird. Die Politiker wollen, dass nun alle Projekte ohne Geld weiterlaufen.
Natürlich kann man viel über Ehrenämter erreichen, aber nicht jeder kann es sich leisten, dauerhaft aus Idealismus ohne Bezahlung zu arbeiten. Was im schlimmsten Falle dabei herauskommen kann, haben wir mit der Schließung des Nachbarschaftsladens während des Januars 2015 erlebt.
Allerdings sehe ich auch Chancen dadurch, dass Staat und Ämter einem dann nicht mehr so leicht dreinreden können. Unabhängigkeit schafft Handlungsfreiheit. Es gibt andere, unbürokratischere Finanzierungsmöglichkeiten als durch den Staat, der immer auch beeinflussen will.

Ergänzende Worte:
Meine Mitarbeit seit 2011 im Quartiersrat und einigen anderen Kiezgremien hat mich stets darin bestätigt, in welch hohem Maße städtische und staatliche Eingriffe private Initiativen ersticken. Nicht einmal die öffentlichen Fördergelder sind sicher davor, versickern sie doch zu einem Großteil nutzlos in der Verwaltung und einer Wüste aus Verordnungen und Vorschriften. Ohne diese hätte das Quartiersmanagement noch sehr viel mehr zu kleinerem Preis erreichen können.
Daher begrüße ich beinahe jeden Rückzug staatlicher Aktivität, selbst wenn er mit irreführendern Begriffen versehen ist. Förderungen nutzen dann am ehesten, wenn sie zur weitgehend freien Verfügung gestellt werden.
Seit der Abwicklung des Quartiersmanagements Sparrplatz zum Jahresende von 2016 gibt es weniger Gelder, aber soweit sie aus privaten Töpfen kommen, können diese etwas freier in eigener Regie eingesetzt werden - also effektiver. Private Initiativen wie der Kiezbote (seit 1993!) kehren hoffentlich wieder vollständig in die Hand der Bürger zurück.


Flüchtlinge

Umfrage vom Dezember '15: Die Politik redet tagein, tagaus über die ankommenden Flüchtlinge. Was denken die Bewohner des Kiezes?

Oliver H. Herde: Politiker dramatisieren gern, weil sie damit den Menschen vorgaukeln können, dringend gebraucht zu werden. Das Gegenteil ist der Fall. Flüchtlinge entstehen durch Politik und werden durch Politik länger in ihrem Status als Flüchtlinge festgehalten.
Wenn ich einen Flüchtling sehen will, muss ich aktiv danach suchen. Auf die Bevölkerung Bundesdeutschlands gerechnet, sind es unauffällig wenige Menschen. Zudem steht es ja nirgends drauf, ob jemand Flüchtling ist.
Letztendlich gab es immer schon Einwanderungen in die deutschen Länder, im Mittelalter wie in den letzten Jahrhunderten. Nach den Weltkriegen gab es deutsche Flüchtlinge aus den verlorenen Gebieten. Solange man Einwanderer welcher Art auch immer nicht staatlicherseits kriminalisiert, sondern ihnen ermöglicht, sich selbst zu finanzieren, werden sie in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung darstellen.


Ehrenamt

Umfragen vom Juni '16 und November '18: Wann endet das Ehrenamt und wo fängt Ausbeutung an?

Oliver H. Herde: Wenn ich etwas aus Überzeugung heraus verrichte, wird mir dies zur Ehre gereichen und mich aller Wahrscheinlichkeit nach auch im Innersten erfüllen. Geld ist für mich dabei eine höchst nebensächliche Frage, die ich mir allerdings auch bei berufsähnlichen Tätigkeiten nicht im Vordergrund stelle.
Natürlich kann man sich ausgebeutet fühlen, wenn man sich selbst für gute Zwecke aufopfert, derweil der Staat die
Steuergelder für Verwaltung, Politiker, Lobbyisten und anderen Unfug hinauswirft. Tatsächlich missbraucht der Staat ehrenamliches Engagement gerne für sein eigenes Ansehen, indem er in umständlichste und damit teure Bürokratie verpackte kleine Förderungen als große Segnungen hinstellt und nebenbei den Ehrenamtlichen in ihre Arbeit auch noch hineinredet. Da ist man meist besser beraten, ganz für sich zu handeln oder im Rahmen eine privaten Organisation - sowohl finanziell, als auch vom Ereichen der ursprünglichen Ziele her.
Natürlich wäre es schön, wenn man durch ein Ehrenamt nicht noch auf Kosten sitzen bliebe und diese unbürokratisch erstattet bekäme - aber genau an dem Adjektiv scheitert es ja leider. Lieber ohne Geld, wenn man dafür staatliches Ausbremsen ertragen müsste!


Terroranschläge

In der Umfrage des Kiezboten vom September 2016 wurden engagierte Menschen aus unserem Kiez befragt: 'Wie verändert sich die Stimmung im Kiez aufgrund der Terroranschläge?'

Oliver H. Herde: Meine einzige Stimmungsveränderung ist der steigende Überdruss an solchen Themen.
Historisch gesehen haben wir keineswegs ungewöhnlich viele Terroranschläge - nur eine besondere Hysterie darüber, die letztlich auch den Tätern dient. Die Medien steigern diese Unruhe nur, und ich halte dies im Falle der sogenannten
"öffentlich-rechtlichen" Programme für beabsichtigt, um Regierungsinteressen durchzusetzen. Darüber ließe sich sinnvoller aufregen. Die privaten Sender und Druckmedien springen auf, weil es Geld bringt.
Eine wirkliche Gefahr sehe ich nur durch noch mehr staatliche Überwachung und noch mehr Polizei. Wir brauchen kein drittes totalitäres Regime auf deutschem Boden, sondern Freiheit und Vielfalt.

Ausführlicher Artikel zum Thema: Terror, Trug und Tagesschau


Sprengelkiezfond

Der Kiezbote vom Dezember 2016 fragte: 'Ab 2017 bekommt der Sprengelkiez keine Unterstützung mehr vom QM. Wir wollen einen Fond schaffen, in den jeder Bewohner die Möglichkeit hat einzuzahlen, um gemeinnützigen Organisationen zu helfen. Gelder werden "aus dem Kiez für den Kiez" gesammelt. Was hälst du davon?'

Oliver H. Herde: Zunächst einmal begrüße ich die Eigeninitiative. Anstatt zu jammern, gehen unsere Kiezakteure kreativ mit der Situation um. Man wird die gesammelten Gelder zielgerichteter und unbürokratischer einsetzen können, als wenn man noch wie bisher den Ämtern darüber Rechenschaft geben müsste.
Natürlich bleibt offen, ob der bereits erzielte Erfolg andauern wird. Die Begeisterung manchen Spenders mag mit der Zeit nachlassen - um so mehr bei beteiligten Politikern, wenn erst die nächste
Wahl vorüber ist.
Für kleine Anschaffungen oder allgemeine Veranstaltungen wie das Sprengelhausfest jedoch dürfte der Kiezfond auch dauerhaft eine Hilfe sein. Wichtig ist dabei, dass sie für möglichst viele sichtbar und nutzbar sind, also ganz anders als steuerfinanzierte "Leistungen" des Staates. Die Leute müssen wissen, was mit ihrem Geld geschieht. Wenn sie selbst auch etwas davon haben, tragen sie gern wieder etwas bei.

Ergänzende Worte:
Leider ist es mit dem Sprengelkiezfond bislang nicht gelungen, ein unbürokratisches Antragssystem zu schaffen. Vorgaben öffentlicher Verwaltung stehen weiterhin dagegen.


Sauberer Kiez

Umfrage vom Juni '17: Wie können wir es schaffen, unseren Kiez sauberzuhalten?

Oliver H. Herde: Das Problem ist die Wahrnehmung jener Menschen, die es nicht stört, im eigenen Dreck zu leben. Die haben es einfach nie gelernt, sich um ihr Umfeld zu kümmern, oder es ist ihnen gleichgültig. Auch Faulheit und Gewohnheit spielen eine Rolle. Oft beginnt es mit einer Kippe, die gar nicht mal so harmlos fürs Grundwasser ist, sondern nur in ihrer Optik. Leider ist dies kein neues Ärgernis, sondern existiert schon immer. Bereits aus der Antike ist uns der gedankenlose Umgang mit Müll bekannt. Aufklärung mag helfen, aber dies ist ein langwieriger Prozess, der auf vielen Ebenen angepackt werden muss, wenn er Effekte zeigen soll.
Ein wichtiger Aspekt ist auch die Einstellung zum Konsum.
Werbung, Verpackung, neu, neu, neu! Egoisten feiern, ohne aufzuräumen. Dabei macht all die besinnungslose Feierei und Konsumiererei bis der Arzt kommt nicht einmal glücklich, sondern betäubt nur. Leider ist dies staatlich so gewollt, weil es Steuern einbringt und von den Machenschaften der Politik ablenkt.

Kurzartikel: Die finanziellen Seiten des Mülls


Bundestagswahl

Umfrage vom Oktober '17: Welche Themen lagen den Bürgern besonders am Herzen und welche haben sie in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst?

Oliver H. Herde: Für mich steht die Freiheit des Einzelnen im Zentrum solcher Betrachtungen, denn ohne sie funktioniert nichts, wie uns schon viele totalitäre Regime der Weltgeschichte bewiesen haben - es sei denn, man betrachtet Mauern, Herrschaftspaläste und Kriegsmaschinerie als Errungenschaft. Weniger Staat bedeutet mehr Kreativität. Märkte regulieren sich selbst, wenn man sie nur lässt.
Das für mich drängendste Problem sind die öffentlichen Medien. Hier wird mit Zwangsbeiträgen staatliche Meinungsmache betrieben. Solange dies so ist und auch die Themen zum Zwecke des allgegenwärtigen Wahlkampfes ausgesucht werden, kann man nahezu alles andere getrost vergessen.

Artikel: Die Wahl der Qual - Rückblick und Ausblick


Obdachlosigkeit

Umfrage vom Mai '18: Sind Ihnen die Obdachlosen aufgefallen? Was bedeutet die Obdachlosenrate für die Gesellschaft?

Oliver H. Herde: Für mich sind Obdachlose nicht unbedingt gleich zu erkennen, wenn sie nicht ihren gesamten Hausstand mit sich führen. Und selbst dann kann man sich täuschen: An meiner Uni tauchte seinerzeit öfter mal ein älterer Herr mit Wagen, Sack und Tüten in der Mensa auf, den man für einen Obdachlosen hätte halten können, bis er in einer Vorlesung als Hörer gesehen wurde.
Meines Wissens müsste niemand auf der Straße liegen. Aber ich verstehe es sehr gut, wenn jemand mit den Behörden und der Bürokratie nicht zurechtkommt und daher keine staatlichen Zuwendungen oder sonstige Hilfen erlangen kann oder lieber gleich ganz darauf verzichtet. Um solchen Menschen wirklich helfen zu können, müsste der Staat selbst menschlicher sein. Das kann er nicht und will er auch gar nicht. Er will nur herrschen und verwalten. Dazu gehört auch, Eigeninitiative zu bestrafen.
Geld gebe ich niemals. Vielleicht kauft der Mensch noch Alkohol oder
Zigaretten dafür! Ich weiß nichts über ihn, und das ist auch nicht meine Aufgabe. Vereinzelt kommen Obdachlose in den Umsonstladen, den ich ehrenamtlich mitführe. Dort ist jeder gern gesehen, der sich zu benehmen weiß.


Gesetzliche Feiertage

Umfrage vom März '19: Berlin hat den Weltfrauentag zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Was denkt ihr? Mehr weltliche statt religiöse Feiertage? Hättet ihr einen anderen Tag gewählt? Wenn ja, welchen?

Oliver H. Herde: Mit keinem der angeordneten Feiertage kann ich inhaltlich etwas anfangen. Meine liebsten Anlässe zu feierlicher Stimmung sind die Wintersonnenwende und Mauerfall. Dass es keine gesetzlichen Feiertage sind, hilft mir dabei sehr. Auf gar keinen Fall möchte ich vom Staat auch noch an diesen Tagen von nötigen Einkäufen abgehalten werden oder nur unter erheblich erschwerten Bedingungen an ärztliche Versorgung gelangen!
Mal ehrlich: Den meisten geht es doch hauptsächlich darum, arbeitsfrei zu haben. Der Anlass ist dabei völlig egal.
Ich würde sämtliche gesetzlichen Feiertage zugunsten einer entsprechenden Anzahl frei wählbarer Urlaubstage abschaffen. Dann käme nicht immer gleich alles zum Erliegen wie vor allem Ende Dezember. Jeder könnte selbst entscheiden, ob und was er feiern möchte und wofür er einen freien Tag braucht. Warum glauben Politiker, uns das vorschreiben zu dürfen?


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