Wohnungsmarkt

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Diplomkaufmann (FH) Oliver H. Herde Will man verstehen, warum die Mieten steigen, muss man vor allem anderen ein Naturgesetz des Handels kennen, welches unabhängig vom jeweils herrschenden Wirtschaftssystem bereits in der Steinzeit galt und immer Geltung behalten wird: Ein Preis wird immer durch das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bestimmt.

Was bedeutet das?

Je mehr Interesse an einer Ware besteht, desto teurer wird sie. Je mehr Exemplare es davon gibt, desto billiger wird sie.
Als Beispiel betrachten wir Versteigerungen im Internet. Höchste Gebote erzielen jene Angebote, die wenig oder gar keine Konkurrenz und viele Mitbieter haben. Wird ein Gegenstand hingegen von sehr vielen gleichzeitig versteigert, werden auch viele Käufer preiswert davonkommen - vielleicht gar mit dem jeweiligen Mindestgebot. Im Extremfalle eines solchen Überangebotes werden sogar nur jene Verkäufer ihre Ware überhaupt los, welche die besten Rahmenbedingungen bieten wie beispielsweise problemlose und angenehme Kommunikation oder den Zustand des Verkaufsobjektes.
Bei Verleih und Miete gelten natürlich prinzipiell die gleichen Mechanismen.

Was kann man also tun?

Da sich der Umfang des Wohnungsbedarfs allenfalls mit menschenverachtenden Mitteln mindern ließe, muss man sich auf die Angebotsseite konzentrieren. Es gibt mehr bezahlbare Wohnungen, wenn es mehr Wohnungen gibt. Leider stellt der Staat immer und immer wieder unter Beweis, wie ungeeignet er als Bauherr ist. Staatliche Bauprojekte dauern grundsätzlich länger als private und sind auch nicht nur aus diesem Grunde in aller Regel erheblich teurer. Zu allem Überfluss werden sie auch allzu oft am tatsächlichen Bedarf vorbeigeplant. Zu alledem neigt der Staat auch in der Rolle des Eigentümers zu überbordender Bürokratie.
Statt dessen sollte der Staat Voraussetzungen schaffen, welche die Errichtung und den Erhalt von Wohnraum wieder attraktiver werden lassen. Niemand wird etwas vermieten wollen, wenn der Ertrag die Kosten, Risiken und Ärgernisse nicht aufzuwiegen vermag. Dann mag man an seinem Eigentum irgendwann das Interesse verlieren, es verkommen lassen oder gar nicht erst bauen.
Zudem ist wie bei jedem anderen Produkt auch in jeder Miete ein wild wuchernder Strauß an Steuern enthalten. Für selbstbewohnte Eigenheime waren immerhin einmal Freiheit von Grundsteuer und Grunderwerbssteuer im Gespräch. Aber sowohl für das private Häuschen wie für die Mietskaserne gilt ein unüberschaubarer Wust von Bauvorschriften und anderen Gesetzen und Verordnungen. Ein Abbau der Bürokratie wäre also auch auf diesem Gebiet wie überall von erheblichem Vorteil für die Allgemeinheit.
Auch die Nullzinspolitik hat einen verheerenden Einfluss auf die Mieten und die Immobilienpreise: Sie zwingt Kapitalanleger von anderen Anlageformen in den Wohnungsmarkt und erhöht so künstlich die Nachfrage - oft mit leerstehenden Wohnungen als fataler Nebenwirkung. Zudem ist Leerstand für Kapitalanleger auch aus steuerlichen Gründen oft günstiger. Der Staat setzt wieder einmal für alle nachteilige Spielregeln fest.
Enteignungen hingegen sind nicht bloß völlig angemessen ein grundrechtliches Problem - sie schaffen auch keine einzige neue Wohnung. Im Gegenteil schrecken solche Maßnahmen Investoren vor Neubauten ab.
Zum einen also müssen Verwaltungskosten - auch Steuern - an die Mieter weitergegeben werden. Zum anderen führt eine wachsende Zahl von Eigenheimen durch weniger Suchende zu einer Entspannung des Wohnungsmarktes und senkt damit nicht nur die Kaufpreise, sondern auch die Mieten.
Naturgemäß wird es stets auch raffgierige, faule und unfreundliche Vermieter geben. Wenn es jedoch wieder reichlicher Wohnraum gäbe, würden diese auf ihren Kaschemmen sitzenbleiben.

Diplomkaufmann (FH) Oliver H. Herde

Dieser Artikel erscheint auch im Kiezboten 2/2019.

Links zum Thema

Der Mietentreiber aus Frankfurt - der negative Einfluss der Nullzinspolitik
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