Notizen aus der Provinz

Sechster Tag

Heute sieht es wieder recht regnerisch aus. Wir beraten über eine Wanderung, wobei Conny immer wieder einen Ort namens Cunnersdorf einbringt, ohne dass sich mir dafür ein besonderer Grund erschließt.
Die erste Teilstrecke kennen wir schon von unserem Ausflug auf den Gorisch. Bald darauf wird es jedoch rätselhaft, als sich an einer Kreuzung statt eines Weges in der auf der Karte verzeichneten Richtung nur ein offenes Rasenfeld darbietet. Nach einiger Überlegung wenden wir uns trotz der Sorge um unsere noch trockenen Füße dort hinunter und stoßen doch noch auf einen Weg am Waldesrand. Es geht weiter hinunter. Das wird ein anstrengender Rückweg werden, vor allem für Conny.
Als wir Cunnersdorf erreicht haben, regnet es genug, um sich mal wieder in einem dieser grauen Wartehäuschen unterzustellen. Ein Bus braust vorbei und ist so schnell wieder fort, dass es willige Fahrgäste schwer gehabt hätten, ihn von hier aus rechtzeitig zu erreichen.
Wir verlassen den Flecken, ohne ihn näher besichtigt zu haben. Vermutlich steht in Connys Büchlein nichts weiter darüber, und sie wollte ihn bloß abgehakt wissen.
Wir klettern wieder hinauf bis zu einem Rastplatz mit einem Tisch und zwei ebenso nassen Bänken. Conny ist ziemlich erschöpft. Auch ich würde mich gern hinsetzen, doch verfüge ich nicht wie mein Liebling über einen gesäßschützenden Regenmantel. Eine improvisierte Feuerstelle und etwas Müll lassen auf Missbrauch dieses Ortes als Nachtlager schließen. Wir essen und trinken ein wenig vom Mitgebrachten, allerdings ohne Plastikspuren zu hinterlassen. Dann wählen wir statt der pitschigen Wiese einen anderen Weg, der auch weniger ansteigt.
Nahe der Kreuzung im Wald beim Gorisch entdecke ich einen bewachsenen Fels, den ich aufnehmen möchte. Derweil wartet Conny geschafft und geduldig sitzend im Unterstand. In ihrem Mäntelchen bietet sie ein so anrührendes Bild, dass ich mich in eine günstige Position schleichen und auch dies fotografieren muss.
Dann schleppen wir uns durch den Regen wieder nach Hause und verbringen den Rest des Nachmittages mit einem Kartenspiel.

Zum siebten Tag


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