Schlank ausgeben

"Was kostet der Preis?" (Karl Valentin)

Wenn es um preiswertes Einkaufen von Lebensmitteln geht, sollte man nicht auf den Preis achten. Ganz richtig!
Auch bei derselben Marke kann sich ein Preisvergleich lohnen. Man kann kaum oft genug darauf hinweisen: Entscheidend ist der GRUNDPREIS, dessen Angabe seit 2000 allgemein Pflicht ist. Durch ihn lassen sich angesichts der verschiedenen Packungsgrößen die Preise leicht(er) miteinander vergleichen. Ein wenig versucht sich der Handel darum herumzudrücken, indem er die Grundpreise nur sehr klein darstellt. Dadurch lassen sich viele Kunden täuschen. Zudem findet man neben Kilogramm- und Literpreis bei kleineren Packungen auch oft nur die Preise je 100 g oder 100 ml, allerdings lassen sich diese ja noch recht leicht umrechnen. Bei Packungen zu 100 g oder 1000 g fehlt die Angabe des Grundpreises manchmal, weil jener dem Endpreis entspricht.
Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie viel ihm eine Sache wert ist. Dennoch sollte man sich bewusst machen, was sie wirklich kostet und ob ein Joghurt oder Käse wirklich doppelt oder vielfach so lecker und nahrhaft ist wie sein Billigkonkurrent.
Bei Obst und Gemüse war die Angabe des Kilopreises schon früh üblich, allerdings gibt es dort noch immer auch Auspreisungen nach Stück, Bund oder ähnlichem. Im Supermarkt wiege ich so etwas erst einmal. Wenn ein Kohlrabi beispielsweise 39 Cent kostet, muss er mindestens 390 g wiegen, damit sein Kilopreis 1,- Euro nicht übersteigt. Man sollte sich derartige Preisgrenzen selbst setzen, gerade bei so stark schwankenden Preisen wie bei Obst. Das ermöglicht schnelle Entscheidungen.
Wir verfügen im Kiez und in seiner unmittelbaren Nachbarschaft über mehrere Supermärkte. Hinzu kommt der Wochenmarkt in der Genter Straße, der jeden Mittwoch und Samstag stattfindet. Damit lässt sich auch bei ausgeprägtem Preisbewusstsein eine große Sortenvielfalt bekommen.
Man bedenke, dass ein höherer Preis eben nicht zwingend auch für mehr Qualität bürgt. Im Gegenteil sorgt man mit etwas konsequenter Sparsamkeit ganz nebenher dafür, dass man nicht entgegen der Jahreszeiten teure Exportware erwirbt. Oft ist es nur der Snob-Effekt, der jemanden die teurere Ware aussuchen lässt. In Wirklichkeit bezahlt man den Markennamen extra und die kostspielige Werbung statt eines echten Mehrwertes.
Weiß jeder Leser, welche Macht er hat, indem er bewusst kauft oder eben nicht kauft? Wer alles zu zahlen bereit ist, verdirbt die Preise und schließlich auch die Qualität, weil Händler und Hersteller sich nicht mehr bemühen müssen. Dies gilt übrigens für jede Art Ware. Und in der Politik.

Dieser Artikel erschien auch im Kiezboten vom September 2015.


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Oliver H. Herde