Wüstensohn in Fesseln

Ein erotischer Abenteuerroman von Seiner Magnibilität Yashkir al-Yeshinna el Yiyimris

Kapitel 2

Alsbald wurde ihm der Druck im Inneren bewusst, welcher ihn zunehmend plagte. "Herrin, darf ich bitte austreten? Gewiss möchtet Ihr nicht, dass ich stinke!"
Die kluge Argumentation ließ sie tatsächlich anhalten. Freilich machte sie keine Anstalten, abzusteigen, ihm zu helfen. Abu hockte sich daher nieder, wo er gerade stand, raffte umständlich das Hemd, so gut es eben mit der Fesselung ging, und erleichterte sich. "Womit soll ich mich abwischen, Herrin?"
"Nimm den Sand."
Unglücklich fügte er sich.

Schritt um Schritt ging es weiter. Nach einer Weile hielt Abu die Stille nicht mehr aus. "Darf ich Euren Namen wissen, Herrin?" Andere Dinge beschäftigten ihn durchaus mehr, zuerst jedoch war es gewiss klüger, sich zuvor etwas kennenzulernen.
Sie jedoch erwiderte: "Du wirst mich niemals anders nennen, als deine Herrin. Das genügt."

Schritt um Schritt ging es weiter.
Ob der Zurückweisung traute sich Abu nicht recht, gleich weiterzufragen. Von sich aus würde sie wohl nicht so bald über sich erzählen. Mit gesenktem Kopf starrte er auf den stetig unter ihm dahinfließenden Bereich vor seinen Füßen. Die Sonne brannte hernieder. In dem weiten weißen Atlasnachthemd war es trotz der Umstände noch einigermaßen angenehm, der Kopf aber war dem unbarmherzigen Gestirn schutzlos ausgeliefert. "Ist es noch weit, Herrin?"
"Ein paar Stunden, und nun sei still!"
Vor Entsetzen wurde Abu noch heißer. Das würde er nicht durchstehen! "Herrin! Ohne Turban werde ich bald einen Hitzschlag bekommen."
Nach kurzer Überlegung hielt sie wiederum an. Ein kranker oder gar toter Sklave würde ihr nichts nützen. Sie stieg ab und holte ein großes Tuch aus der Packtasche, das sie ihm um den Kopf schlang in jener Art, wie es die Frauen trugen. Da er sie überrascht anglotzte, murmelte sie nur: "Einem Sklaven wickelt man keinen Turban", dann kehrte sie zu ihrem Kamel zurück.
"Herrin, darf ich etwas Wasser haben?", hielt er sie auf.
Zunächst wortlos kam sie mit einem Schlauch. "Auf die Knie, Sklave!"
Brav gehorchte er und bekam das Mundstück angesetzt. Einige konzentrierte Züge durchströmten seinen aufgeheizten Körper. "Danke, Herrin", schnaufte er im Anschluss artig.
Sie wollte sich schon wieder abwenden, da getraute er sich die nächste Frage: "Wo gehen wir eigentlich hin?"
"Du bist neugierig und schwatzhaft wie ein kleines Mädchen."
"Verzeiht, Herrin, ich wollte ja nur..."
"Schweig!" Sie nahm ein Tuch hervor, befeuchtete es und wand einen Doppelknoten hinein. "Maul auf!"
"Bitte, Herrin...! Ich werde auch ganz still sein!" flehte er.
"Ja, wirst du. Maul auf!"
In seiner Hilflosigkeit gehorchte er. Tränen standen ihm in den Augen.
"Was bist du für ein zimperliches Ding! Ich werde dich wohl besser eine Sklavin heißen!"
Erschrocken schaute er zu ihr auf und musste an ihrem Ausdruck erkennen, wie durchaus ernst sie es wohl meinte. Offenbar wollte sie ihn so tief wie nur möglich erniedrigen. Unbarmherzig stopfte sie den Knoten zwischen seine Zähne und befestigte das Tuch in seinem Nacken.
Dann wandte sie sich energisch ab und stieg wieder auf.

Schritt um Schritt ging es weiter.
Für eine Weile erging es Abu tatsächlich besser, da sein Haupt nun von der Sonne geschützt wurde und der strenge Knebel für eine halbwegs dauerhafte Feuchtigkeit im Mundraum sorgte, da er auch den Speichelfluss anregte.
Ewig reichte dies freilich nicht. Nach unbekannt langer Zeit versuchte Abu, noch einmal auf sich aufmerksam zu machen, um etwas zu Trinken zu erbetteln, doch die Achmad Sunni reagierte nicht auf sein Gebrummel.
Notgedrungen trottete er weiter, bis ihn neuerlicher Harndrang plagte. Wieder kümmerte sie sich nicht um sein eindringliches Gegrunze und den verzweifelten Gegenzug an der Führungsleine, der gegen die Kraft eines Bidenhöckers nichts auszurichten vermochte. Schließlich blieb ihm nichts anderes mehr übrig, als es laufen zu lassen. Fast schien die Feuchtigkeit an den Beinen angenehm.

Schritt um Schritt, Schritt um Schritt...

Als seine rechte Pantoffel im Sande stecken blieb und von seinem Fuß glitt, weckte ihn dies wieder aus dem halb besinnungslosen Torkeln. Doch erneut waren alle Versuche vergeblich, von seiner Peinigerin auch nur einen Blick zu erringen. Der aufgeheizte Boden brannte an der Fußsohle, und dennoch musste Abu froh sein, dass sie einen steinigeren Teil der Wüste gerade kürzlich hinter sich gelassen hatten.

Schritt um Schritt um Schritt.
In der Ferne glaubte er, eine Oase zu erkennen, doch das mochte eine Fata Morgana sein oder eine aus Hoffnung und Entkräftung geborene Phantasie. Er schloss die Augen, sich auszuruhen. Als ihn bald darauf etwas würgte, interessierte ihn das schon nicht mehr.

Fortsetzung
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