Wüstensohn in Fesseln

Ein erotischer Abenteuerroman von Seiner Magnibilität Yashkir al-Yeshinna el Yiyimris

Kapitel 4

Die Lider hebend, blickte er in die Augen der Achmad'Sunni. Tatsächlich hatte sie ihre Hand an derselben harten Stelle wie das Traumbild. Ihr strenger, aufmerksamer Blick irritierte ihn noch zusätzlich, da er eine unausgesprochene Aufforderung zu erkennen glaubte, welche er jedoch nicht verstand. Verschämt und verunsichert senkte er das Haupt.
Für einen Moment schien sie zu schmunzeln, dann waren ihre Züge wieder hart. "Ich werde dich jetzt losbinden, dir bequemere Fesseln zur Nacht anzulegen. Bist du brav, so bekommst du etwas zu essen. Wenn du dich aber wehrst, wirst du die Nacht hungrig und hier an der Palme verbringen. Hast du das verstanden?"
Er nickte, soweit es Gürtel und Seil um seinen Hals zuließen.
"Nun gut, Sklavin. Wehe, wenn nicht!" So befreite sie also erst einmal seinen Oberkörper und die Arme. Erleichtert schnaufte er in den Knebel, sich nun etwas bewegen und recken zu können. Scheu bittend schielte er sie von unten herauf an und vergewisserte sich ihrer Duldung. Tatsächlich war sie einen Schritt zurückgetreten, wenn sie ihn auch noch ausgesprochen ernst und aufmerksam anschaute. Freilich hätte er mit angebundenem Hals noch wenig ausrichten können.
Nachdem er sich noch ein wenig die Handgelenke gerieben hatte, löste sie auch die Leine vom Stamm. "Genug jetzt. Beuge dich vor!"
Diesmal allzu genau um seine schlechten Aussichten wissend, gehorchte er. Auf dem Rücken gekreuzt wurden ihm die Hände zusammengebunden, doch erschien es ihm diesmal weniger gnadenlos. Trotzdem wurden auch die Oberarme wieder am Körper befestigt. Bevor sie dann die Beine von der Palme entfernte, knüpfte die Achmad Sunni das Ende der Führungsleine um ihr Handgelenk. Der Strick zwischen Abus Füßen blieb an seinem Platz.
"Und nun auf die Knie, Sklavin."
Etwas verwundert schaute er sie an.
"Los, los!" Unsanft zog sie die Leine abwärts. Nachgebend sank er nieder.
"Bevor du zu essen bekommst, hast du noch etwas zu lernen", begann sie. "Du bist meine Sklavin und wirst dich entsprechend benehmen. Du wirst folgsam wie eine gut abgerichtete Hündin auf alles hören, was ich sage. In meiner Gegenwart wirst du knien, wenn die Situation es nicht anders erfordert. Wenn ich dir zu sprechen erlaube, wirst du mich stets als Herrin anreden. Hast du all dies verstanden?"
Abu nickte ergeben - was blieb ihm übrig!
"Nun, wir werden sehen. Bekräftige deine Bereitschaft, mir eine treue Sklavin zu sein, indem du mir die Füße küsst!"
Notgedrungen beugte er sich hinab und berührte ihre Stiefel mit seinen geknebelten Lippen.
"Brav." Endlich entfernte sie nun auch das Knebeltuch. "Wer also bist du?"
Leicht verunsichert linste er zu ihr empor. "Eure Sklavin, Herrin. Habe ich einen Namen?" Schon schalt er sich für diese dumme Frage. Wollte er zu aller Schande auch noch einen Frauennamen von ihr erhalten!?
"Nein, kam die ernüchternde wie erleichternde Antwort. "Sklavin genügt für dich niederes Wesen einstweilen. Was ist dein oberstes Ziel, Sklavin?"
Eingedenk des strengen Tonfalls überlegte er furchtsam; jetzt bloß keinen Fehler, der sie erboste! Eilig erinnerte er sich ihrer Worte. "Euch eine gute Sklavin zu sein, Herrin?" erwiderte er vorsichtig fragend.
"Brav." Sie tätschelte seinen Kopf, und wahrlich empfand er diese Geste in seiner Erleichterung als wertvolle Belohnung. An der Leine zupfend ließ die Herrin ihn sich erheben und führte ihn ans Ufer des Teiches zurück.
Die Leine befestigte sie an einem robusten Busch, dann bekam Abu einen Napf vorgesetzt. Darin befanden sich vor allem Datteln und Feigen; ein karges Mahl, aber in seinem Zustand gewiss auch das rechte.
"Friss", brummte sie und schob ihm den Napf mit dem Fuß etwas entgegen. Sie würde ihn nicht befreien, auf dass er seine Hände verwenden könnte. Als er sich aber niederbeugte, stellte sie ihr Bein dazwischen. "Hast du nicht etwas vergessen, Sklavin?"
Verwirrt schaute Abu auf und ließ sich die Speisegebote der Wüstenstämme durch den Kopf gehen.
"Bist du etwa undankbar?" fragte sie bedrohlich.
"Nein!" rief er erschrocken auf. Blankes Entsetzen sprach aus seinem zu ihr emporgerichteten Blick. "Ich danke Euch, Herrin! Bitte lasst mich essen, damit ich Euch gut dienen kann!"
Sie schmunzelte unter ihrem Turbanschleier, zog den Fuß wieder zurück und wandte sich ab.
Fast fühlte er sich zu schwach, den Napf zu leeren. Zwischendurch musste mancher Schluck aus dem Tümpel nachspülend helfen. Obwohl er sich wie ein Tier vorkam, da er zwischen Teich und Napf hin und her kroch und sich umständlich zu ihnen hinabbeugte, fiel ihm doch keines ein, welches seiner Körperhaltung nahegekommen wäre. Die meisten hätten sich mit ihren Vorderbeinen abstützen können. Vögel hingegen hätten nicht so lange Beine oder als Ausgleich einen langen und beweglichen Hals gehabt.
Derweil saß Abus neue Herrin vor ihrem Zelt. Zum Essen hatte sie das Schleiertuch geöffnet, welches nun seitlich vom Turban herabhing. Darunter zeigte sich nun ein fein geschnittenes, leicht knabenhaft anmutendes Antlitz. Ihren Sklaven bei seinen Bemühungen beobachtetnd, wurden ihre ernsten Züge weicher und wichen gar wiederholt kurzzeitig belustigtem Schmunzeln. Obgleich er diese Freude eigentlich nicht teilen konnte, berührte ihr Ausdruck doch seltsam sein Herz.
Als sie beide ihr Mahl beendet hatten, kam die Herrin zu Abu herüber. Wieder lächelte sie amüsiert, weil er um die Lippen herum beschmiert war und ihm ein Wassertropfen am Kinn hing. Beschämt senkte er den Blick, obwohl oder gerade weil ihm der ihre zugleich fast wie ein Streicheln vorkam. Mit einem Leinenlumpen wischte sie ihn ab, um ihn im Anschluss wieder zu knebeln.
Dann führte sie ihn an der Leine zum Zelt. Fast wie ein Wurm kam er sich vor, als sie ihn nun unverändert in Fesseln hineinkriechen ließ. Sie folgte, und es wurde eng - um so mehr, da sie sich auch noch an ihn kuschelte. Dies verwirrte ihn so sehr wie das Gefühl, es könne ihm gefallen.
Nach einer eher zufälligen Berührung zwischen seinen Beinen griff sie gezielt dorthin. "Bilde dir bloß nichts ein, Sklavin!" zischte sie bemüht streng. "Du bist nur hier, mich zur Nacht zu wärmen."
Beinahe empörte ihn die Unterstellung, er könne Zuneigung für seine Peinigerin empfinden. Doch genau besehen, wusste er gar nicht, wie ihm geschah.

Fortsetzung
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