Gesetzliche Feiertage und ihre Bedeutung

"Die Gesetzgeber haben Feiertage angeordnet, um die Menschen zu gemeinsamer Fröhlichkeit zu nötigen."
Bereits vor fast 2.000 Jahren erkannte der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca den zwiespältigen Charakter von Feiertagen, insbesondere der vom Staate gesetzlich vorgegebenen. Bei ihnen geht es weniger um die vordergründige Arbeitsfreiheit als um die Vermittlung religiöser und anderer politischer Ideologien.
Gerade in einer völlig zu recht zunehmend vielfältigen Gesellschaft und mit Rücksicht auf die freie Entfaltung des Einzelnen ergeben staatlich verordnete Feiertage immer weniger Sinn. Gerechter wäre eine entsprechende Anzahl von zwanglos selbstbestimmt setzbaren Urlaubstagen. Jeder könnte selbst entscheiden, wofür er einen arbeitsfreien Tag benötigt. Damit wäre auch dem Neid zwischen den Bundesländern ein Ende bereitet. Der wirtschaftliche Schaden wäre ein geringerer, und es gäbe weniger Staus an den dann nur noch unverbindlichen Fest- und Gedenktagen. Es würde keiner gesonderten Einkaufsvorausplanung mit verlängertem Schlangestehen im Supermarkt mehr bedürfen, und selbst die ärztliche Versorgung wäre weniger oder gar nicht mehr eingeschränkt.

Die Feiertage sind in der Reihenfolge des Umfangs ihrer Konsequenzen aufgeführt - mit Ausnahme des Sonntags.


Konsumnachten
Eiertage
Ballaballa
Pentekotze
Tag des Streiks
Himmelschrei
Tag der bundesdeutschen Einheit
Leichenfraß
Schmus- und Betttag
Tag des Widerstands
Tag der DDR

Sonntag

Konsumnachten
(25.+26.12. / christliches Glaubensfest)

Über Jahrtausende hinweg gaben die Sonnenwenden weltweit Anlass zu höchsten Festen. Stonehenge ist hierfür nur das berühmteste Zeugnis. Die Wintersonnenwende markiert den Punkt der längsten Nacht, ab welchem die (nördliche) Welt gleichsam wiedergeboren wird.
In der römischen Kaiserzeit wurde daher am 25ten Dezember der Geburtstag des Sonnengottes Mithras Sol Invictus begangen. Vermutlich beruht dieses heute von der Sonnenwende abweichende Datum auf Kalenderungenauigkeiten.
Erst im vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde der Tag auch von den Christen als Geburtstag ihrer Gottjeit beansprucht, um den Anhängern des Sol als dem erfolgreichsten Komkurrenten die Konvertierung zu erleichtern. Zuvor hatte man mit dem 6ten Januar als dem Geburtstag des griechischen Gottes Aion ähnliches versucht, und es gab noch weitere ähnlich motivierte Termine.
Im fünften Jahrhundert wurden die Feierlicheiten um die Adventszeit und den zweiten Weihnachtsfeiertag ausgedehnt. Die Bräuche gehen vor allem auf römische und germanische Ritusvorbilder zurück. Der tote Baum im Zimmer kam erst im 16./17. Jahrhundert auf, wohingegen der zum Konsum verlockende Weihnachtsmann und seine Farben ein Schachzug des Coca-Cola-Konzernes sind.

Eiertage
(wechselnd im März-April / christliches Glaubensfest)

Schon immer galt der Frühling als die Zeit der Wiedergeburt und der Fruchtbarkeit. Die menschliche Furcht vor der Sterblichkeit wurde durch das jährliche Neuerstehen des Lebens in der Natur besänftigt. Dieses wurde in vielen Kulturen durch den Tod und die Wiedergeburt einer Fruchtbarkeitsgottheit erklärt.
Die christlichen Eiertage währen in Bundesdeutschland gesetzlich stets an einem Freitag und dem nachfolgenden Sonntag und Montag, beginnen im Glaubensritus sogar bereits rund 40 Tage zuvor. Ihre Rituale gehen teils auf die phrygischen Attis-Riten zurück und sind auch sonst vor allem aus früheren Fruchtbarkeitsmythen und -symbolen insbesondere der römischen, germanischen und jüdischen Kulturkreise zusammengestellt, lassen sich aber auch gar bis auf die sumerischen Mythen um Inanna und Dumuzi zurückführen. Das "Osterei" war im 15ten Jahrhundert ein zu diesem Termin abzulieferndes Zinsei.
Der Name der germanischen Lichtgottheit Eostra, altgermanisch Austro, ist verwandt mit griechisch Eos, der Göttin der Morgenröte. Außerhalb des Deutschen und Englischen wird oft über Kirchenlateinisch vermittelt die Bezeichnung des jüdischen Pessach verwendet, welches wiederum aus einem kanaanäischen Hirtenfest umgedeutet wurde.

Ballaballa
(1.1. / Kalendertermin)

Ballaballa markiert im westlichen Kalender einen Jahreswechsel und wird daher offiziell als "Neujahr" bezeichnet. Tatsächlich gefeiert wird es jedoch auch bereits spätestens am Vorabend, dem Todestag Papst Silvesters I. welcher im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung regierte. Mit jenem verbinden sich verschiedene unbelegbare Legenden sowie die folgenschwerste Fälschung des Mittelalters: die "Konstantinische Schenkung", in welcher vorgetäuscht wurde, Kaiser Flavius Valerius Constantinus habe den westlichen Teil des Römischen Reiches dem Papst Silvester übereignet.
Das Fest zeichnet sich heute in seinem Brauchtum alljährlich vor allem durch zahlreiche Brandopfer und erhebliche Umweltschäden aus. Zugleich bildet es den lärmenden Abschluss der auch mit dem zeitlich unglücklich nahen Konsumnachten verbundenen Wochen allgemeinen Brachliegens.
Im Mittelalter gab es im christlichen Europa noch vier weitere konkurrierende Jahresanfänge, darunter auch Konsumnachten und die Eiertage. Der chinesische Kalender beginnt sein Jahr derzeit am 5. Februar, der islamische am 1. September, der indische am 20. Februar. Das im gesamten vorderasiatischen Raum verbreitete persische Neujahrsfest fällt auf die Tagundnachtgleiche am 20. oder 21. März.

Pentekotze
(wechselnd im Mai-Juni / christliches Glaubensfest)

Zu Pentekotze wird das jüdische Erntedankfest begangen. Erst seit dem 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung beanspruchen die Christen den Termin für sich, indem sie ihn zum 50ten Tag nach den Eiertagen umwidmen und als griechisch "Pentekoste" benennen, woraus sich im Deutschen "Pfingsten", also eigentlich Pfünfzigsten verfälschte.
Nach christlichem Brauchtum wird der Heilige Geist ausgeschüttet - was immer dies bedeuten mag.

Tag des Streiks
(1.5. / Arbeiterkampftag)

Dieser gesetzliche Feiertag geht zurück auf einen Beschluss einer vs-amerikanischen Arbeitergemeinschaft von 1888, diesen Tag als sozialen Feiertag zu begehen. Bis 1918 wurde die damit verbundene Arbeitsruhe fast überall als Streik erkannt.
Unter den Nationalsozialisten wurde jener 1933 zum "Feiertag der nationalen Arbeit", ab 1934 auch gesetzlicher Staatsfeiertag, der er bislang unter der verkürzten Bezeichnung "Tag der Arbeit" geblieben ist.
Heute wird der Tag noch mehr als die meisten in seiner Bedeutung ignoriert und schlicht als arbeitsfrei wahrgenommen - außer durch Demonstranten und die Polizei, welche sich in großen Städten vieler Staaten alljährlich Straßenschlachten mit umfangreichen Schäden liefern.

Himmelschrei
(wechselnd im April-Juni / christliches Glaubensfest)

Die Vorstellung einer "Himmelfahrt" - schweizerisch und liechtensteinerisch "Auffahrt" - von Menschen zu den Göttern ist in den Religionen bereits seit vorgeschichtlicher Zeit weit verbreitet. Das hier behandelte christliche Fest wird seit dem vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung 39 Tage nach dem Eiertagssonntag begangen. Dabei sind fremdreligiöse Einflüsse unübersehbar. Zudem gibt es ein inhaltliches Spannungsverhältnis zum Mythos der Auferstehung.
In deutschen Ländern wurde es erstmals von den Nationalsozialisten 1934 zum gesetzlichen Feiertag angeordnet. In Italien, Polen und Ungarn wurde das Fest inzwischen als gesetzlicher Feiertag wieder abgeschafft, als der es weltweit auch wenig Verbreitung findet.
In Bundesdeutschland wird der Tag auch oft als "Vatertag" oder "Herrentag" zu gemeinsamem Alkoholkonsum missbraucht.

Tag der bundesdeutschen Einheit
(3.10. / politisches Ereignis)

Ursprünglich war naheliegend Mauerfall am 9.11. als Nationalfeiertag im Gespräch. Im Einigungsvertrag wurde jedoch der Beitritt der DDR zu Bundesdeutschland auf den 3.10. festgesetzt und als sogenannter "Tag der Deutschen Einheit" zum gesetzlichen Feiertag angeordnet. Er löste den Tag des Widerstandes als Staatsfeiertag in Bundesdeutschland ab und ist der einzige gesetzliche Feiertag nach Bundesrecht; alle anderen werden durch die Länderregierungen festgesetzt.
Einen alle deutschsprachigen Länder umfassenden Staat hat es nie gegeben; es bleibt jedoch zu überlegen, in welchem Ausmaß Staaten in einer zunehmend aufgeklärten Zivilisation überhaupt noch sinnhaft sind.

Leichenfraß
(wechselnd im Mai-Juni in katholisch dominierten deutschen Regionen / katholisches Glaubensfest)

Die offizielle Bezeichnung "Fronleichnam" bedeutet eigentlich 'des Herrn Leib' und deutet damit bereits die Beziehung zwischen Herrn und Dienern an (vgl. Frondienst).
Das Fest wurde erst im 13ten Jahrhundert aus dem Nichts heraus ersponnen und ist somit eines der wenigen wirklich rein christlichen Elemente ohne andersgläubige Vorlagen im christlichen Ritenfundus. Bereits bei Luther und der Refomation stieß das Fest auf größte Ablehnung, da es sich nicht einmal biblisch begründen lässt. Ähnliches gilt in der orthodoxen Kirche. Im Zeitalter der Aufklärung wurde endlich das massenhafte Abholzen von Birken und wiederum der überbordende Prunkumzug kritisiert.
Die Gleichsetzung eines Stück Backwerkes mit dem Körper oder einem Körperteil des Gottes erinnert an Kannibalismus: Der Verzehr von Feinden oder Ahnen soll deren Kräfte, Fähigkeiten oder Geist übertragen.
Das Fest wurde auf den 60ten Tag nach dem
Eiertagssonntag gelegt, obwohl die Christen es auf zuvor stattfindende Ereignisse in der Christuslegende beziehen.

Schmus- und Betttag
(weitgehend abgeschafft; wechselnd im November / evangelisches Glaubensfest)

Gewiss nicht erst seit der Antike rief die Priesterschaft in Notzeiten wiederholt zur Buße im religiösen Wortsinne auf, ihre jeweilige Gottheit milde zu stimmen.
Unter den Christen gab es in den einzelnen deutschen Ländern über die Jahrhunderte hinweg zahllose verschiedenste "Bußtage". Als allgemein verpflichtender gesetzlicher Feiertag wurde der "Buß- und Bettag" 1934 von den Nationalsozialisten eingeführt.
Heute ist der Tag nur noch in Sachsen gesetzlich vorgeschrieben. Dort abhängig Beschäftigte müssen hierfür einen erhöhten Beitrag zur
Pflegezwangsversicherung hinnehmen, der die Kosten eines Arbeitstages übersteigt.

Tag des Widerstands
(abgeschafft; vormals 17.6. / historisches Ereignis)

Veranlasst insbesondere durch den zunehmend raschen Aufbau des Sozialismus in der DDR sowie die Erhöhung der "Arbeitsnormen", begannen bereits ab dem 12.6.1953 zuerst in zalreichen kleineren Gemeinden, schließlich in Ost-Berlin und über 500 anderen Orten spontane Proteste, Widerstandsaktionen und Streiks gegen das Regime und die politischen und wirtschaftlichen Missstände. Unter Verhängung des Kriegsrechtes am 17.6. übernahm die Sowjetunion wieder die Regierungsgewalt in der DDR, Volkspolizei und Sowjetarmee schlugen diesen ersten antistalinistischen Volksaufstand gewaltsam nieder mit hunderten Verhaftungen und mindestens 75 Toten. Letzte Widerstandsversuche zogen sich bis in den Juli hinein.
Von 1954 bis 1990 war der 17. Juni in Bundesdeutschland gesetzlicher Feiertag unter dem Namen "Tag der deutschen Einheit", obwohl der Juniaufstand kaum auf einen Zusammenschluss deutscher Teilstaaten abzielte. 1990 gab es den "Tag der deutschen Einheit" am 17.6. und den
"Tag der Deutschen Einheit" am 3.10., welcher ersteren als Staatsfeiertag in Bundesdeutschland ablöste. Der Tag des Widerstandes bleibt zu Recht offizieller Gedenktag.

Tag der DDR
(abgeschafft; vormals 7.10. / politisches Ereignis)

Als "Tag der Republik" wurde zum Gründungsdatum der DDR deren Staatsfeiertag 1950-1989 mit militärischem Pomp begangen.

Sonntag
(Wochentag)

Eigentlich würde der Sonntag an die Spitze dieser Auflistung gehören, da er rechtlich wie gesetzliche Feiertage behandelt wird und mit 52 bis 53 mal im Jahr weit öfter auftritt als all jene zusammengerechnet. Zugleich wird er ob dieser Sonderrolle meist gar nicht mehr als solcher wahrgenommen.
Frühe wochenartige Einteilungen gehen nicht immer von sieben Tagen aus. So findet man in den altgriechischen Stadtstaaten oft die Dekade, also einen zehntägigen Rhythmus. Die ursprünglich babylonische Sieben-Tage-Woche erhielt ihre Wochentagsbenennungen von den damals bekannten Planeten, zu denen auch Sonne und Mond gezählt wurden. Unter Einfluss des Mithraskultes wurde "Der Tag der Sonne" im römischen Kaiserreich zum ersten Tag der Woche, unter Flavius Valerius Constantinus im Jahre 321 unserer Zeitrechnung zum Ruhetag.
In vielen, doch nicht allen europäischen Staaten ist die Sonntagsarbeit noch immer oder wieder gesetzlich eingeschränkt, was jedoch zunehmend allörtlich umstritten ist. Auf anderen, nicht von christlicher Prägung dominierten Kontinenten findet man solche Probleme naheliegenderweise seltener.


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