Ohne Fernsehen sieht man besser

Leben jenseits der Suchtkiste

Im Grunde habe ich seit dem Erwachsenwerden immer nur ferngesehen, um mir die Zeit beim Abendbrot zu vertreiben. Die DVBT-Umstellung am 29. März habe ich jedoch ganz bewusst nicht mehr mitvollzogen. Allein zum Erwerb eines neuen Empfängers wäre ich obgleich im Grunde tadelloser Funktionalität des alten vielleicht widerwillig noch bereit gewesen. Da jedoch zugleich die Kunde ging, die einzig wirklich freien Sender, namentlich die nicht zwangsfinanzierten privaten, würden bei Antennenempfang in absehbarer Zeit auch Beiträge einführen, war die Entscheidung für mich einfach: Schluss mit Fernsehen!
Denn wie oft schon musste ich trotz meiner 29 Programme nach langem Umherschalten unbefriedigt den Stecker des Empfängers ziehen! Nicht immer erkannte ich rechtzeitig, dass ich nichts Vernünftiges finden würde und Video oder DVD die klügere Alternative bedeuteten.
Die Aussicht, künftig auf die sogenannten ‚Öffentlichen‘ beschränkt zu sein, genügte mir zur Anschaffung eines neuen Empfängers hingegen gar nicht, da ich jene doch trotz der notgedrungen berappten Rundfunksteuer höchstens mal in den Werbeunterbrechungen zu einer Dokumentation bei ZDFinfo oder 3Sat aufsuchte oder alle paar Monate zu einem Ausnahmefilm auf Arte. Damit erhielten die parteiengelenkten Programme bei mir gerade einmal einen durchaus verzichtbaren Marktanteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Kurz gesagt: Ich wollte für nichts von alledem noch einen einzigen freiwilligen Cent ausgeben.

Und wirklich: Unabhängig von der gar nicht mehr zeitgemäßen Programmgestaltung durch andere Leute erweist sich ein Fernsehabend allemal in jeder Hinsicht als befriedigender.
Schon allein, dass man nicht pünktlich um 20:15 einschalten muss! Wegen meiner Arbeiten am Rechner habe ich dies nur noch selten geschafft. Ohne seinen Anfang aber verliert doch jeder gute Film.
Statt dessen kann ich ganz in Ruhe aus meinen Konserven aussuchen, worauf ich Lust habe - bar der Furcht, vielleicht nur die Zweite Wahl zu erwischen, denn was ich heute nicht ansehe, ist morgen immer noch da. Um eine niedrigere Wiederholungsrate als im Fernsehen zu erreichen, kann ich mir ständig kostenfrei neues Material aus den Umsonstläden oder einer Bibliothek beschaffen. Hinzu kommt das unerschöpfliche Internet.
Ebenso muss ich nicht völlig übermüdet ausharren, bis eine interessante Sendung zu Ende ist. Oft genug bin ich dann vor dem ach so heiligen Schrein eingeschlafen, wodurch ich das Ende folglich doch nicht mehr mitbekam. Nun hingegen unterbreche ich einfach und setze beim nächsten Mal fort.
Außerdem habe ich auf abendliche Hörbücher und Hörspiele erweitert. Auch solche kann man sich im Netz herunterladen.
Vielleicht gelingt es mir so auch bald häufiger, mich nicht nur optisch voll auf jenes zu konzentrieren, was ich eigentlich tue: aufs Essen.

Dieser Artikel erschien auch im Kiezboten vom August 2017.
Titelbild: Katrin Kerbusch

Links zum Thema:

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Oliver H. Herde

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