Ein verhinderter Märchenonkel

Autoren: Matthias Müller, Mike Burkhardt, Oliver H. Herde und andere

23. Travia 28 Hal, Vormittag

OHH

Ob sich Yashkir wohl jemals mit dem Wind anfreunden können wird? All die Jahre auf See haben dabei jedenfalls so wenig geholfen wie jene an Land. Nicht einmal eine nennenswerte Gewöhnung ist zu verzeichnen.
Immerhin hockt er dennoch nicht unter Deck und verkriecht sich vor der Sonne wie in Jugendtagen. Nein, er hat ein halbwegs windgeschütztes Plätzchen zwischen dem Beiboot und dem Aufgang zum Vordeck aufgestöbert, wo er nun kauert. Angetan ist er mit einem luftigen Rock über der Pluderhose, obenherum mit einer knappen schwarzen Weste über einem violetten Samthemd und ganz oben herum mit dem Turban.
Auf seinem Schoße ruht ein Siegespreis des Rethischen oder vielleicht auch Rethisschen Bardenwettbewerbes: ein noch unbeschriebener kleiner Foliant. Das heißt - eigentlich ruht er nicht zur Gänze, da der Wind trotz mehrmaligen Verbots immer wieder mit den Seiten spielt. Dessen ungeachtet mag es aber der nützlichste Preis sein, da man damit die eigenen Gedanken der Nachwelt erhalten kann.
Allein, dem Südländer erscheint es doch allzu langweilig, über Politik und dergleichen furchtbar wichtige Dinge zu schreiben. Betonung auf 'furchtbar'. In Erinnerung an das so plötzlich unterbrochene Gespräch mit dem zyklopäischen Auftragsschriftsteller sinnt er nun darüber nach, ob er lieber Fesselgeschichten oder die Märchen von Prinzessin Gutemine in diesem Band sammeln und verewigen soll.
Aber wie soll das erste Märchen lauten? 'Prinzessin Gutemine und der Belegnagel'? Dazu fällt Yashkir so schnell nichts ein. Schlimm genug, ein solch undichterisches Wort im Wettkampfe untergebracht haben zu müssen, noch dazu in einem so primitiven Zusammenhang!
Nein, nein, viel schöner ist doch die Geschichte, welche sich Yashkir vor einiger Zeit als erstes zu seiner Märchenfigur ausdachte und einem Kinde erzählte!
So tunkt er also die Feder vorsichtig ins neben ihm am Boden stehende Fässchen ein, dann beugt er sich über die Blätter. Sie wollen gut festgehalten sein, ebenso wie das Turbantuch. Bei einer leichten Verrenkung kann man beides zugleich mit dem linken Arm bewerkstelligen. Sanft streicht die Feder über das erste Blatt und hinterlässt die großen Lettern: 'Prinzessin Gutemine und der Korkball'.
Wie war das noch gleich mit dem Anfang? Gern würde Yashkir die Feder an die Lippen führen, wie man es beim Nachdenken auch bisweilen mit den Fingern zu tun pflegt. Doch das kitzelt allzu sehr, und irgendwie kommt ihm die Feder so unreinlich vor.
Kurz winkt er dem Schiffszimmermann, welcher soeben aus dem Bauch des Schiffes auftaucht. Der war wirklich eine gute Wahl beim Wettrennen. Und wer hätte gedacht, das so jemand auch dichten kann!
'Tatsächlich stellte sie sich recht geschickt an, wie sie so den Ball mit dem Schläger über den Schlosshof trieb. Aber das Herumgerolle allein wurde Prinzessin Gutemine schnell langweilig. So begann sie, auf bestimmte Stellen zu zielen.'
Ein Windstoß unterbricht Yashkir in seinen sprudelnden Gedanken, als er ihm den nur noch unaufmerksam gehaltenen Schleier entreißt. Etwas verärgert schiebt Yashkir letzteren nach hinten und klemmt eine Ecke in die Turbanwindungen. Bestimmt sieht dies nicht besonders elegant aus, doch im Moment achtet ja sowieso niemand auf ihn.

MB

Falko ist es nach etwas Unterhaltung, nach Zeitvertreib. Die Mannschaft kommt dafür nicht in Frage, aber zwei der Fahrgäste scheinen sich auf dem Vordeck zu befinden. Wie zufällig lenkt er seine Schritte in diese Richtung, doch als er an der Treppe vom Oberdeck zum Vordeck anlangt, erspät er einen kleinen Schatten in der Nische neben dem Beiboot. Ist dort wieder ein seekranker Fahrgast zu Boden gesunken? Neugierig wirft Falko einen Blick vor das kleine Boot.

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Wie man sich irren kann! Nicht nur wird Yashkir durch eine Bewegung vom Schreiben abgelenkt, die Gestalt bleibt auch noch sozusagen über ihm stehen.
Schnell den Schleier wieder lösen? Nein, das wäre noch peinlicher! Möglicherweise fällt es dem anderen ja nicht einmal auf. Dennoch unsicher fragend blickt Yashkir empor, derweil der Wind an der Feder zerrt.

MB

"Verzeiht, wenn ich störe. Ich bin Cavalliere Falko da Gonzaga - aus Drol. Benötigt Ihr Hilfe?" Etwas zweifelnd schaut sich Falko den anderen genauer an. Auf der Fahrt zu den Zyklopeninseln hat er nicht nur am eigenen Leibe die Folgen der Seekrankheit zu sehen und spüren bekommen, doch wirklich davon betroffen scheint sein Gegenüber nicht zu sein.

OHH

Da die Antwort etwas verzögert kommt, war Yashkir schon beinahe geneigt, sich wieder seinem Buch zuzuwenden. Nun stellt er sich für einen Moment lang darauf ein, sich ebenfalls vorzustellen, als diese höchst überraschende Frage kommt!
Wobei mag jener Yashkir helfen wollen? Das Buch halten? Den nach hinten gesteckten Schleier? Ob er als Windbrecher umherstehen möchte oder eher bei der Märchendichtung teilhaben? Oder sollte jener etwa vermeinen, Yashkir könne nicht schreiben?
"Wobei? Wollt Ihr mir das Tintenfässchen halten?" Yashkir muss darüber selbst lachen.

MB

"Ahahahahahaha." Mit einem fast schrillen, gekünstelten Aufkreischen stimmt Falko in das Lachen des überhaupt nicht vermummten Vermummten ein. 'Schon wieder einer von diesen Witzbolden, die bei jeder Gelegenheit versuchen, ihre Gescheitheit in Worte zu fassen', fährt es ihm dabei durch den Kopf.
"Entschuldigt die Störung, mein Herr. Hätte ich geahnt, dass es sich bei Euch um einen Schreiberling in Ausführung seiner wichtigen Tätigkeit handelt, hätte ich wahrhaftig nicht die Anmaßung besessen, Euch in selbiger zu unterbrechen. Nein, nach meinen letzten Erfahrungen auf diesem Schiff war mir vielmehr der Gedanke gekommen, Ihr könntet wohlmöglich nicht wohlauf sein. Diesen falschen Schluss zog ich aus Eurer etwas ungewöhnlichen Haltung, doch da offenbar kein Grund zur Beunruhigung besteht, bitte ich ergebenst um Entschuldigung für meine Aufdringlichkeit." Mit Betrüben heuchelndem Blick schaut der Cavaliere weiter auf den nicht Vermummten hinab.

OHH

Derweil ist Yashkirs Lachen ihm im Halse steckengeblieben, und dies bereits bei dem eindringlichen Geräusch des anderen.
"Hrm, ähm..." muss er sich erst einmal sammeln. "Nein, die Haltung hat ihren Grund lediglich in dem widerwärtig wechselwütigen Windwetter zu suchen, welches mir die Seiten durcheinderwirbelt. Ich möchte meine Lettern nicht gerne verrissen wissen oder gar unvorteilhafte Kleckse hinterlassen."
Ohne Pause redet er weiter, wie es der andere getan hat: "Doch müsst Ihr Euch ob der Unterbrechung nicht grämen, da ich noch reichlich Zeit haben werde, meine Schriften zu vollenden - so wir nicht demnächst sinken.
Magnibilität Yashkir al-Yeshinna el Yiyimris", holt er nun endlich seine Vortsellung nach. "Verzeiht, dass ich so unhöflich erscheinen muss, da ich nicht angemessen aufspringen kann. Angesichts dieses Luftzuges fühlen sich meine Gelenke älter, als sie sind."
Lächelnd blickt er hinauf, denn es erfüllt ihn mit einem gewissen stolz, sich auch in einem Vielrednerduell beweisen zu können. Zudem war seine Titulatur unzweifelhaft länger als die seines Gegenübers. Was macht es da, wenn das meiste davon nur ausgedacht ist!

MB

Verständnislos schaut Falko den Schreiberling einen Augenblick an, fasst sich dann aber rasch und nimmt den vom anderen gesponnenen Faden auf. "Nein, bleibt ruhig sitzen. Ich möchte nicht daran schuld sein, wenn Ihr Euch wegen zu schneller Bewegungen in die Obhut des Bordmedicus begeben müsst."
Einen kurzen Augenblick lässt der Cavalliere seine Worte wirken, dann setzt er hinzu: "Solltet Ihr derartige Verrichtungen nicht besser in Eurer Kabine vornehmen?" Mit dem Kinn deutet er dabei in Richtung des Papiers, nur um weiteren Missverständnissen vorzubeugen.

OHH

Schon wieder kann sich Yashkir eine witzige Bemerkung und das Schmunzeln darüber nicht recht verkneifen: "Ist der so schlecht? Doch keine Angst, wegen kleiner Zipperlein werde ich nicht auf kostspielige Gedanken kommen!"
Etwas irritiert sucht er nach dem Zielobjekt des Cavallierekinns. "Ach so! Ja, nein, ich meine... Nun, sicherlich ist es hier nicht sehr gemütlich und überhaupt wenig geeignetes Wetter, doch nennt mich einen Sonderling: Die Luft unten bereitet mir wenig Freude."
Da die wenigen gesetzten Zeilen inzwischen eingetrocknet sein dürften, schlägt er beiläufig das Buch zu, um dem Wind seine Angriffsmöglichkeit zu nehmen.

MB

"Oh, ich vergaß. Ihr reist ja sozusagen unter Tage." Falko da Gonzaga kann sich diese spitze Bemerkung nicht verkneifen, da er standesgemäß untergebracht ist. Das offensichtliche Bedauern, das er trotz der Genugtuung in sein Gesicht zaubern konnte, heuchelt allerdings ehrliche Anteilnahme.
Auf welche Bemerkung soll er nun eingehen? Über den Bordmedicus könnte man natürlich noch so manche Spitze austauschen, aber danach ist dem Cavaliere nicht, zumal er einem Menschen gegenüber steht, von dem er immer noch nicht recht weiß, in welche Kategorie er ihn einordnen soll. Also das Buch.
"Ich nehme an, Ihr seid ein Forschungsreisender? Führt Ihr solch ein neuerdings in die Mode gekommenes Reisetagebuch mit allerhand Wissenswertem über dieRegionen und netten Bildchen und solcherlei Dingen?" Auch wenn Falkos Gesicht wirkliches Interesse vortäuscht, so kann er doch nicht verhindern, dass in seiner Stimme ein Hauch des Desinteresses, das er solchen Anliegen gegenüber empfindet, mitschwingt.

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Etwas verwundert zieht Yashkir die Brauen empor. Will dieser Gonzo de Falkenhain oder wie auch immer - Yashkir hat ein furchtbares Namensgedächtnis, wenn ihn nicht jemand wirklich sehr interessiert - mit 'unter Tage' sagen, dass er an Deck schläft?
"Forschungsreisender", wiederholt er ehrlich nachdenklich, "ja, das mag wohl eine meiner Nebenbeschäftigungen sein. Doch bei diesem soeben begonnenen Werk handelt es sich um eine Märchensammlung, die bislang nur in meinem Kopfe besteht. Zeichnungen wären übrigens keine dumme Idee, doch dafür sollte ich wohl zunächst noch etwas üben."
Noch ist Yashkir viel zu Geschmeichelt ob des Interesses des anderen und viel zu sehr darüber begeistert, jemandem von sich erzählen zu können, als dass er auch nur den mindesten Verdacht einer Unredlichkeit verspüren könnte. Lediglich seine starke Intuition macht ihm sein Gegenüber ein klein wenig unsympathisch. Aber was bedeutet das schon, wenn man die Chance zum Dozieren bekommt! Und umgekehrt soll auch jeder willige Zuhörer seine Chance bekommen.

MB

Mit der hohen Kunst der Literatur kennt Falko sich weniger aus und auch die phantasievollen rahjagefälligen Machwerke, die er sich früher zuweilen zu Gemüte geführt hat, haben ihn weniger wegen ihres künstlerischen Wertes interessiert. Deshalb beschließt er, das Wort Märchen als rettenden Strohhalm zu ergreifen und sicheres Terrain unter den Füßen zu behalten.
"Oh, Ihr sammelt Märchen. Diese fabelhaften Geschichten der einfachen Leute, in denen sie sich zuweilen vorstellen, wie es wäre, sie wären in unserem Stande geboren oder könnten diesen erreichen? Ahaha. Possierlich, nicht? Doch kenne ich auch ein paar recht interessante Geschichten, die mir unsere Base zuweilen erzählte, als ich noch ein sehr kleiner Cavalliere war. Ahaha."
Falko versucht, sich an eine dieser Erzählungen zu erinnern. Ein Name huscht ihm durch das Gedächtnis, den er mehr oder weniger verständlich vor sich hin murmelt, während er mit verträumtem Blick gen Himmel schaut. "Odo, der Bärenverschlinger, oder so ähnlich, lautete eine..."

OHH

Das affektierte Gelächter lässt Yashkirs Stirne sich runzeln und gar zusammenziehen. Dem Inhalt der Worte dagegen bringt er weniger Vorbehalte mit, doch ist es seine Art, jeden Gedanken für sich allein zu betrachten - wenn er den Überblick behält.
"Märchen zu sammeln, ist gar keine schlechte Idee! Vielleicht, wenn ich noch ein weiteres solches Buch irgendwo gewinne. Dieses hier sei zunächst jenen von mir selbst erdachten gewidmet.
Aber in der Tat scheint Ihr sehr andere zu kennen als ich. 'Bärenverschlinger' klingt recht... rabiat..." Aufgrund dessen ist Yashkir nicht ganz sicher, ob er sie hören möchte. Unschlüssig dreht er die Feder zwischen den Fingerspitzen.

MB

"Ach, es ist nicht rabiater als all die netten Märchen, die sich das gewöhnliche Volk erzählt. Das übliche eigentlich. Wilder Mann raubt schöne Frau. Schöne Frau wird von schönem Mann gesucht. Schöner Mann wird durch böse Hexe zu Bär gemacht. Wilder Mann kann zaubern und macht sich auch zum Bären. Schöner Bär besiegt bösen Bär und verschlingt ihn. Wird dadurch wieder schöner Mann und führt schöne Frau nach Hause. So in etwa war die Handlung des Märchens."
Falko ist sich seiner erzählerischen Talents durchaus bewusst. Mit triumphierendem Blick schaut er umher, doch außer seinem Gesprächspartner scheint niemand von der Geschichte Notiz genommen zu haben. Deshalb wendet er sich wieder direkt an diesen: "Ich nehme an, Eure selbsterfundenen Märchen sind wesentlich sofisticierter?"

OHH

Erst einmal kann Yashkir nur unschlüssig blinzeln. Es behagt ihm gar nicht, zugeben zu müssen, wie eingerostet sein Bosparano ist. Andererseits erzählt er auch nicht gern die Unwahrheit. Eine wirkliche Zwangslage, die sich wohl nur durch Umgehung des Problemes halbwegs befriedigend lösen lassen wird.
"Hrm, ähm... Nun, sie sind vielleicht etwas gefälliger und weniger platt. Zumindest, soweit ich es aus Eurer Zusammenfassung herauslese. Natürlich ist das auch immer eine Geschmacksfrage. Bei mir geht es um die Abenteuer einer Prinzessin. Sicherlich mehr geeignet für kleine Kinder und jene wenigen Erwachsenen, welche die kindliche Lebensfreude in sich bewahren konnten." Einen etwas spitzen Unterton vermag Yashkir nicht zu unterbinden, doch soll sich den Schuh anziehen, wem er passt.

MB

"Oh, ein Märchen mit einer Prinzessin - wie originell!" Falko kann sich einen leicht spöttischen Unterton seinerseits nicht verkneifen, doch wird er gleich wieder ernst, denn hier scheint ein Mann zu sein, der sich des Ausmaßes seiner Tat nicht bewusst ist.
"Habt Ihr bereits einmal einen tieferen Einblick in das Leben einer Prinzessin genossen, so dass Ihr dieses auch angemessen darstellen könnt? Bedenkt, dass alles, was Ihr schreibt, auf Euch allein zurückkommen wird, da Ihr selbst zugebt, es selbst erfunden zu haben. Es wäre doch schade um einen so klugen Kopf - nun Ihr versteht schon?!"

OHH

Im ersten Moment ist Yashkir etwas verlegen, da die ironische Bemerkung berechtigt sein könnte. Schon sucht er nach einer Verteidigung, da kommt der andere nach seinem Dafürhalten doch etwas vom Thema ab. Entrüstet über die unangebrachten Worte, richtet er seinen eher krummen Oberkörper im Sitzen kerzengerade auf, und sein Ton wird unverbindlich streng: "Werter Herr, Ihr scheint mir ein wenig Zweck und Bedeutung von Märchen zu missdeuten. Wollte ich mich als Historiker oder Chronist betätigen, dann sicher nicht in solcher Form! Prinzessin Gutemine dient keineswegs der Veranschaulichung höfischen Gebarens, sondern der Unterhaltung ebenso wie der moralischen Schulung jeglichen Zuhörers unabhängig von Stand und Alter."
Die Rechte muss Yashkir nun gegen den Boden stemmen, um sich in seiner Position ohne allzu große Mühe länger aufrecht halten zu können.

MM

Lurio geht zum Beiboot herüber. Nach dem, was er vom Gespräch des Herrn da Gonzaga mit dem ihm noch unbekannten Herrn mitbekommen hat, geht es um Geschichten, und zumindest der Edle scheint sich zu amüsieren. Das wirkt doch recht vielversprechend. Zunächst bleibt Lurio aber in einem gewissen Abstand stehen und mischt sich nicht direkt ein.

MB

"Ah, Gute Mine zum bösen Spiel." Falko muss in sich hineinschmunzeln, und ein leichtes zufriedenes Zucken um die Mundwinkel herum verrät auch dem Gegenüber, dass der Cavalliere mit seinem schlagfertigen Wortspiel äußerst zufrieden ist.
"Ihr wollt also die Menschen sowohl erbauen als auch moralisch schulen. Welch schwierige und doch so reizvolle Aufgabe. Meint Ihr, eine Prinzessin ist der gescheite Ansatzpunkt, dem einfachen Volk seine unzähligen Verfehlungen vorzuhalten? Wollt Ihr andeuten, eine Prinzessin wäre auch nur ein gewöhnlicher Aventurier, so dass man sich an ihrem Betun ein Vorbild nehmen kann?"
Mit leicht hochgezogener Augenbraue blickt Falko den Schriftsteller fragend an, den in die Nähe getretenen anderen Passagier wohlweißlich ignorierend.

OHH

So langsam erkennt Yashkir, welches Kalibers sein Gegenüber ist: Ein Vollblutadeliger mit einem reichhaltigen Sortiment an Vorurteilen. Einzig rätselhaft bleibt dabei, weswegen sich so jemand mit einem Kauz wie Yashkir abgibt. Oder sollte dieser noch nicht erkannt haben, wen er vor sich hat? Gewiss, viele Magier entstammen dem Adel, und vielleicht ist Yashkir ja ein novadischer Prinz?
Er lächelt, dann entscheidet er, sich nicht durch den Unverstand des Cavalliere hindurchwühlen zu wollen - zumindest nicht bei dieser Frage, die einen ausschweifenden Monolog mit diversen Richtigstellungen und erklärenden Exkursen erfordern würde. Geeigneter ist diese Antwort: "Ja, so ungefähr."
Ein wenig runzelt er die Stirne über sich selbst, da er nun doch irgendwie eine Nachfrage provoziert haben könnte. Halbwahrheiten sind nicht Yashkirs Sache, wenngleich er notfalls ein ausgebildeter Meister darin ist. Hier aber liegt kein Notfall vor. Noch nicht. Möglicherweise hat der Cavalliere unter seiner unsympathischen Art ja ein wirkliches Lerninteresse versteckt.
Jenem den Fortgang des Gespräches überlassend, mustert er mit emporgezogenen Brauen den soeben Herangetretenen.

MB

Falko kann nicht verhindern, dass ihm die Zornesröte ins Gesicht schießt. Nicht, dass er sich aufgrund seiner Abstammung auf den adligen Titel etwas einbilden könnte, doch das muss nicht jeder wissen, und selbst ein Cavalliere aus Drol fühlt sich an der Ehre gepackt, wenn eine Prinzessin durch den Schlamm gezogen wird.
"Seid Ihr von Sinnen, Mann? Der Adel steht sowohl moralisch als auch von seinem Wissen über die wahren Zusammenhänge des Lebens her weit über dem normalen Pöbel. Welcher Dämon hat Euch geritten, dass Ihr diese aller Welt bekannte Tatsache vergessen und gar ins Gegenteil verdrehen könnt?"
Falko schreit so laut, dass zumindest auf dem Oberdeck alle seine Stimme vernehmen können. Mit immer noch hochrotem Kopf und angeschwollenen Adern an Schläfe und Hals schaut er zu dem offenbar verrückt gewordenen Schreiberling hinab.

OHH

Im ersten Moment zuckt Yashkir erschrocken zusammen. Was ist denn in den gefahren!
Es braucht ein wenig Zeit, den Rücken wiederum zu begradigen, Luft zu schöpfen und die wirre Rede des Cavalliere gedanklich einzuordnen. Die Brauen werden unwillig zusammengezogen, als Yashkir wieder zu dem Schreihals emporblickt.
"Ich verstehe nicht im mindesten, worauf Ihr Euch bezieht. Soeben gab ich Euch recht, weswegen Euer jetziger Ausbruch vor allem gegen Eure eigene Rede gerichtet sein muss. Wenn Ihr Euch entschieden habt - und wenn Ihr Euch wieder zu benehmen wisst - dürft Ihr mich gerne noch einmal stören. Auch hierin muss ich Euch nach reiflicher Prüfung zustimmen."
Damit klappt er demonstrativ sein Buch auf und starrt auf die wenigen Zeilen. Wer genauer hinsieht, wird allerdings sehr leicht erkennen, wie seine Finger vor Erregung zittern. Momentan wäre er gar nicht in der Lage, die Geschichte fortzusetzen, ohne dass Prinzessin Gutemine einem Dummschwätzer den Immanschläger über den Schädel zieht.

MM

Lurio wendet sich mit einer Miene höflicher Bestürztheit an Falko: "Bitte verzeiht meine Frage, Herr da Gonzaga... Was ist denn geschehen? Ich habe ja nur einen Teil Eurer Unterhaltung mit diesem Herrn hier mitbekomen. Hat er sich etwa despektierlich über ein Mitglied des Adels geäußert?"

OHH

Dass sich der andere einmischt, ist Yashkir nur recht, wenngleich dessen Motivation noch nicht recht klar wird. Es böte einen weiteren Anlass, die Herren zu ignorieren. Allein, dies fällt weiterhin schwer. Wie war das noch mit Gutemine? Erstmal üben, genau. Nicht gleich die Begegnung!
Der Wind entreißt die Feder den flatterigen Fingern, doch verfängt sie sich zum Glück bereits nach einem halben Schritt Fluges in der Ecke zwischen Treppe und der and des Vordecks.

MB

Falko ist reichlich verwirrt, und als er noch etwas hilflos dabei ist, seine Gedanken zu ordnen, wird er von der Seite her von diesem Sängerknaben angesprochen. Das bringt den Cavalliere erst recht aus der Fassung. Mit noch immer hochrotem Kopf wendet er sich Lurio zu: "Dieser" - er deutet mit dem Finger auf Yashkir, das Wort Schmierfink liegt ihm auf der Zunge, doch er kann seine Beherrschung noch einmal gewinnen - "dieser SCHREIBERLING wagt es, eine Prinzessin, eine Adlige von Welt und Stand, mit der nicht einmal ich mich zu messen wagen würde, in einem Atemzug mit dem gewöhnlichen Volk zu nennen. Er meint, eine Prinzessin hätte Fehler und diese solle man dem Plebs in Form von MÄRCHEN präsentieren, auf dass er sie für wahr erachte und alle Achtung und Respekt vor der göttergegebenen Ordnung verliere."
Noch immer empört auf Yashkir deutend, blickt Falko halb entsetzt, halb herausfordernd, zu Lurio. Der Blick scheint diesen auffordern zu wollen, in dieser Sache Stellung zu beziehen.

MM

Ein Dichter, Märchenschreiber, ist der Lurio noch unbekannte Herr also. Interessant, da kann man sich ja mal austauschen.
Falkos Aufgebrachtheit ist mehr als nur ein wenig belustigend, aber der Barde lässt sich nichts anmerken. Statt dessen reisst er erstaunt die Augen auf und streicht sich mit einer unwirschen Geste einige blonde Locken aus dem Gesicht, die von der steifen Brise dorthin geweht wurden.
Er wendet den Blick kurz zum Schreiberling, dann aber gleich wieder mit einem ungläubigen Ausdruck zu Falko. "Ich höre wohl nicht recht - der Herr will eine Lügengeschichte über eine Prinzessin schreiben und gibt das auch noch offen und tolldreist zu?! Das ist doch... und über wen soll diese Geschichte herziehen? Doch nicht etwa eine Tochter der Horas-Kaiserin?!" Bei der letzten Frage hat Lurio den Kopf wieder zu Yashkir gedreht und blickt ihn nun fragend an.

JK

Als Junaro bemerkt, wie der Wind eine Feder in Richtung des Vordecks trägt, die er noch eben in der Hand des Mannes in dem geschmackvollen violetten Samthemd zu sehen glaubte, eilt er mit wenigen Schritten zu der zum Vordeck führenden Treppe und bückt sich nach dem zitternden Schreibinstrument.

OHH

Gerade will Yashkir dem entfleuchten Schreibgerät nachgreifen, als auch schon jemand in weißer Kutte zwischen ihm und jenem auftaucht. Eilig zieht der Sitzende seine Hand zurück, um damit nicht zwischen die Füße des anderen zu geraten. Ein Praiot etwa? Nein, der Stab spricht wohl eher dagegen.
Dennoch ist Yashkir so überrascht, dass ihm das sachverhaltverdrehende Gespräch der anderen beiden Herren geistig in den Hintergrund gerät. "Wiewas?" bringt er nur hervor, was quasi an alle drei und sich selbst zugleich gerichtet ist.

JK

Die Überraschung des Fremden entlockt Junaro ein schelmisches Lächeln. Zugegebenermaßen hat er es - bei aller Liebe für das Stehen im Mittelpunkt - nun doch ein wenig übertrieben, vor allem, was die örtliche Umsetzung des Gedankens angeht. Doch da er jetzt schon einmal hier ist, kann er ja auch ausführen, weshalb er gekommen ist. So greift er flink nach der Feder, dreht sich um und hält sie dem Turbanträger jungenhaft grinsend hin, wobei er die beiden - teils echt, teils gespielt - aufgeregten Herren zu ignorieren scheint. "Bitte schön, der Herr."

OHH

"Oh, äh, achja." Im Oberkörper etwas verdreht, greift Yashkir nach der Feder. Sein "Danke" kommt ausgesprochen nüchtern und beiläufig hervor, da er diese Hilfe ja nicht nötig hatte.
Die Bewegung fortsetzend und zugleich abändernd, rappelt er sich mühsam auf. Seinen Knochen tut das Sitzen auf dem Boden nicht besonders gut, besonders nicht auf so hartem Untergrund und noch dazu derart windumtost. Ein Nachteil beim lang und dünn sein. Zudem ist es eine unglückliche Position, wenn gleich nebenan drei Männer stehen und zwei davon sich unfriedlich ereifern.

MM

"Nun, da Ihr das Werkzeug des Anstoßes wieder in Euren Händen haltet, werter Herr", nimmt Lurio den Faden erneut auf, Yashkir dabei aufmunternd anlächelnd und Junaro kurz zunickend, "was mich und sicher auch den geschätzten Herrn da Gonzaga interessiert - über welche Prinzessin gedenkt Ihr, Märchen zu verbreiten?"

MB

Die Unterbrechung und das Auftreten des Schiffsheilers hat Falko genug Zeit verschafft, sich von seiner Aufregung etwas zu erholen und ein klein wenig Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Doch gerade, als er zu einem Schluss kommen wollte, bringt dieser Herr Lurio das Gespräch wieder auf die Märchen zurück.
"Gute Mine soll die Prinzessin heißen", antwortet er für den angesprochenen Yashkir. "Aber, spielt das eine Rolle? Es ist gleichgültig, WELCHE Prinzessin er in den Schmutz ziehen will. Eine Dame von Rang und Stand benutzt man nicht für derlei Scharlatanerei. Wo soll der Respekt des Volkes vor der göttergegebenen Ordnung da bleiben?!"
Mit blitzendem Blick schaut der Cavalliere in die Runde. Wer wird der erste sein, der sich offen gegen die althergebrachten Sitten und Gebräuche und gegen die Götter selbst vergehen will?

MM

"Gute Mine? Ein ungewöhnlicher Name", kommentiert Lurio nachdenklich und mit einem leichten Schmunzeln. "Es gab im Nostrischen wohl einmal eine Adelstochter namens Trudmine... aber die hätte sich kaum Prinzessin nennen dürfen...
Ich muss Euch jedoch widersprechen, Herr da Gonzaga. Ich halte es mitnichten für gleichgültig, über was für eine Prinzessin geschrieben werden soll. Es könnte sich immerhin auch um eine Betrügerin oder die Tochter eines solchen handeln, die nur durch Schwindelei, wie sie nicht einmal der Herr Phex gutheißen würde, das erhalten will, was ihr der Herr Praios nicht verliehen hat. Es könnte doch sehr lehrreich sein, zu lesen, wie solch eine Anmaßung ihren gerechten Lohn einbringt, nicht wahr?" Die Worte gehen ihm glatt von der Zunge. Nun verschränkt Lurio die Arme vor der Brust und wartet gespannt, ob jemand etwas zu entgegnen hat.

OHH

Erschütternd! Wie kann man so ahnungslos sein! Allerdings gibt es natürlich auch beim Adel besonders weltfremde Vertreter - ebenso wie auf arcanen Fakultäten. Sollte der andere sich auch als so haarsträubend einfältig erweisen, dürfte ein schneller Rückzug die weiseste Lösung sein. Doch da er bislang seine Antworten nicht von dem Befragten zu erhalten die Gelegenheit hatte, sondern von dem eifrigen Cavalliere, soll er noch seine Chance bekommen.
Daher richtet sich Yashkir auch scheinbar an ihn allein, als er in strengem Ton und keine Unterbrechung duldend erklärt: "Wie Ihr sicherlich wisst, geht es in Märchen um erdachte Persönlichkeiten. Prinzessin Gutemine ist dementsprechend ein Produkt meiner Phantasie. Im Übrigen handelt es sich um sehr allgemeingültige Handlungsfäden. Gutes Benehmen ist bis zu einem gewissen Grade nämlich überall gleich, wie zum Beispiel das Vorgehen, erst einmal alle Fakten zu hören, bevor man ein Urteil fällt. Von jenen, die informiert sind, wohlgemerkt!"

JK

Heimlich in sich hineinlachend schüttelt Junaro den Kopf. Was soll dieses Gezanke um Geschichten?
"Aber Herr Yaladan, ich muss mich doch sehr wundern, wie wenig Ihr als Geschichtenerzähler von Märchen versteht. Wüsstet Ihr es besser, so wäre es Euch doch bekannt, dass es in dieser Form der Erzählung kaum um real existierende Personen geht, sondern vielmehr um grob stilisierte, auf die typische Charakteristika ihrer Gruppe reduzierte Figuren. Und da das Märchen, im Gegensatz zu der edlen Sage, ein Medium des niederen Volkes ist, kann es, verehrter Cavalliere, durchaus vorkommen, dass Alrik vom Dorfe das gelingt, woran die edlen Prinzen scheitern. Das Wesentliche sind doch die göttergefälligen Werte wie Tugend, Tapferkeit und Mildtätigkeit, die auf spielerische Weise dem Volke naher gebracht werden sollen. Seid Ihr nicht auch der Meinung?"

OHH

Erst verzögert bemerkt Yashkir, wie ihm der weiße Magus den Rücken stärkt. Ein Pfeil des Lichts ist dies wohl nicht, den Göttern und insbesondere ihrem Vater sei Dank!
Bekräftigend nickt Yashkir jenem zu. Man wird ja sehen, wer hier die begabteren Quasselstrippen sind!

MM

Während Lurio ein peinlich berührtes Gesicht macht, reibt er sich innerlich die Hände. Dass seine zur Schau gestellte Begriffsstutzigkeit offenbar auch Junaro überzeugt hat, freut ihn. So kann er sich, wie er es vorhatte, elegant von Falkos Seite auf die des ihm nun sicher nicht mehr lange unbekannten Herren schlagen.
So lacht er nun, erst beschämt-gekünstelt, dann aber allem Anschein nach mit ehrlicher Heiterkeit über sich selbst. "Oh, das ist mir jetzt unangenehm. Natürlich bin ich nicht so unvertraut mit Märchen als hesindegefällige Kunstform, Herr Saverna. Ich musste nur annehmen, Herr da Gonzaga würde den Begriff 'Märchen' verwenden, um üblen Klatsch oder ein böswilliges Hirngespinst zu beschreiben. Ich hatte einfach nicht angenommen, dass er sich über eine einfache Geschichte so ereifern würde..."
Mit einem kurzen, aber wohldosiert abschätzigen Seitenblick auf Falko fährt Lurio, nun an Yashkir gewandt, fort: "Bitte verzeiht mir, dass ich die Lage missdeutet habe, werter Herr. Wie Herr Saverna schon sagte, bin ich ebenfalls Künstler und hätte es besser wissen sollen. Tatsächlich habe auch ich eine Prinzessin in meinem Gefolge...
Oh, aber erlaubt mir, mich vorzustellen - Lurio Yaladan, Sänger und Puppenspieler, aus Grangor. Zu Euren Diensten." Der Barde verbeugt sich und lächelt Yashkir höflich an.

OHH

Nichtsahnend, wie sehr sich hier der eine oder andere verstellt, beruhigt Yashkir die Entwicklung zunehmend.
"Ah, angenehm." Auch Yashkir deutet eine Verbeugung an und entgegnet: "Magnibilität Yashkir al-Yeshinna el Yiyimris. Dann darf ich annehmen, es handelt sich bei besagter Prinzessin um eine Handpuppe?" Er hat sichtlichen Gefallen an derlei kindlichen Vergnügungen. "Vielleicht ergibt sich ja noch Gelegenheit, sie kennenzulernen."

MB

Vollkommen überrascht vom Einschreiten Junaros wie auch von Lurios plötzlichem Gesinnungswandel reibt sich Falko kurze Zeit das Kinn, bis er bemerkt, dass diese Geste seine Unschlüssigkeit nur unterstreicht.
Er beschließt, auf das Geplauder zwischen den beiden Scharlatanen nicht weiter einzugehen und sich stattdessen auf die fundiertere Aussage des Schiffsmagiers zu berufen: "Dann soll er doch bei Alrik von der Straße bleiben, wenn diesem alles möglich ist. Aber eine Prinzessin, eine Dame von Welt, macht man nicht zum Gespött des Pöbels. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder eine überzeichnete Figur vielleicht sogar von unserer Kaiserin zeichnen und sie durch den Schmutz ziehen würde um im Nachhinein zu behaupten, alles sei nur Phantasie gewesen?"

JK

"Nun, das geht natürlich nicht", stimmt Junaro Falko zu. "Allerdings stimmt Ihr mir doch auch zu, dass nichts gegen eine Geschichte über eine weise und gerechte Kaiserin einzuwenden ist, nicht wahr?"
Der Seitenblick des Magiers - wie auch im Geheimen der größte Teil seiner Aufmerksamkeit - gilt Lurio. Einen Augenblick lang erlaubt sich der Heiler eine süße Phantasie, die ein verträumtes Lächeln auf seine Lippen zaubert.

"Zieht denn das Märchen, das diesen Streit entfacht hat, eine Prinzessin durch den Schmutz?"

MM

Ein wenig enttäuscht darüber, dass Falko keine stärkere Reaktion zeigt, widmet sich Lurio dem Gespräch mit Yashkir, der durchaus ein angenehmer Zeitgenosse zu sein scheint. Kurz flackert wieder die Warnung seines Vaters, er solle sich von Magiern fernhalten, in seiner Erinnerung auf. Aber das hat ihn bisher auch nicht gestört und sein Vater ist schließlich tot.
"Ja, in der Tat, die Prinzessin ist eine Puppe, allerdings eine Marionette. Momentan ist sie aber von ihren Fäden befreit", erklärt er.
"Und ich würde sie sicher gerne dem gelehrten Herren einmal vorstellen. Sie könnte zwar etwas pikiert darüber reagieren, derartig vorgeführt zu werden - ach, wie ich sie kenne, wird sie sicherlich unwirsch reagieren - aber das soll uns nicht stören. Ich mache ihr schon klar, wer hier wen spielt... Oh, und mit ihrer Arroganz und anderen unschönen Eigenheiten soll sie natürlich nicht den praiosgefälligen Adel beleidigen" - ein rascher Seitenblick zu Falko - "denn Prinzessin Ilyana gehört zum Feenvolk, müsst Ihr wissen", fügt er mit einem Zwinkern hinzu.

OHH

Wirklich unglaublich, was sich dieser Cavalliere da zusammenphantasiert! Anscheinend hat man seine Jugend mit Kriegsberichten und Übungen des Geradesitzens verschwendet. Doch eine schwere Kindheit mag vieles erklären, entschuldigen dagegen kann sie nichts.
So platzt Yashkir auch ziemlich angestrengt hervor, als der Magus die entscheidende Frage stellt: "Keineswegs, in der Tat! Meine Märchen ziehen überhaupt niemanden in den Schmutz. Der Herr" - Yashkir vollführt einen flüchtigen, doch sehr abfälligen Wink Richtung des Cavalliere - "kennt meine Märchen ja gar nicht, und ich bezweifele doch zunehmend, dass er überhaupt welche kennt!"
Angesichts dieses Ärgers geht der angenehme Teil mit der Prinzessin-Puppe doch ein wenig unter. Nur einen sehr fahriges Lächeln vermag Yashkir dem Puppenspieler von der Seite her zu schenken.

JK

"Nun..." Junaros Stimme klingt sehr sanft und weich, als er sich an den Cavalliere wendet, so als rede er mit einem Kind oder einem leicht reizbaren Geschöpf - was manchmal auf das Gleiche hinausläuft. "Wäre es möglich, dass es sich hierbei lediglich um ein bedauerliches Missverständnis handelt?"

MB

"Missverständnis? MISSVERSTÄNDNIS?" Falko ist sich fast sicher, dass er sich nur verhört hat. Von seiner Seite kann ja wohl kein Missverständnis vorliegen. Schon von Standes wegen hat er immer Recht, so lange sein Gegenüber kein Adliger ist. Das sollte den anderen doch klar sein?
"Ich denke keineswegs, dass es sich um ein solchiges handelt. Hattet Ihr nicht eben noch gemeint, das Verhalten einer Prinzessin könne durchaus dem einfachen Volk als Lehre und Mahnung dienen, keine Verfehlungen zu begehen?" Mit diesen Worten und strengem Blick wendet sich der Cavalliere wieder Yashir, dem eigentlichen Stein des Anstoßes, zu.

JK

Diesmal ist es Junaro, der seine Augenbrauen und seine Stimme hebt, als er den Cavalliere ansieht. "Wollt Ihr etwa behaupten, dass das Verhalten einer Prinzessin nicht vorbildhaft genannt werden kann? Nicht wenige Tugenden, die Prinzessinen im Märchen tragen, stünden auch dem einfachen Volke nicht schlecht zu Gesicht. Und von welchen Verfehlung ist hier denn genau die Rede?"

MB

"Oh, wenn es wohl um Tugenden ginge. Doch ging es meines Empfindens doch recht deutlich um etwaige Verfehlungen. Und selbst die Tugenden einer Prinzessin taugen wohl kaum als wahre Ziele für das einfache Volk. Wie sollte man etwas anstreben können, was einem doch unmöglich zu begreifen oder gar zu erreichen ist?"
Selbstgefällig wiegt sich Falko leicht in den Knien. Endlich hat er wieder auf gewohntes Terrain gefunden und die alte Selbstsicherheit kehrt langsam zurück.

MM

Lurio folgt der Debatte interessiert und amüsiert. Nun faltet er die Hände, legt dabei die ausgestreckten Zeigefinger aneinander und tippt sich damit in einer nachdenklichen Geste an das Kinn. "Mir scheint, Herr da Gonzaga hat ganz Recht. Jene von Adel sind solch unbegreifliche, ferne Geschöpfe, dass sie wohl tatsächlich nur in Form von... nun... Märchengestalten erfassbar sind. So hat sich Herr" - Rasch ruft sich der Barde den fremdländischen Namen ins Gedächtnis zurück - "al-Yeshinna el Yiyimris dann doch eigentlich angemessen verhalten."
Er lächelt kurz in Yashkirs Richtung. "Es ist natürlich nicht ganz klar, ob und inwieweit die Gnade Hesindes es erlaubt, das Ausmaß der Gnade Praios' zu erkennen..."

OHH

Nachdem es für einige Momente schien, als sei die Zeit eingefroren, läuft sie Yashkir nun regelrecht davon. Doch dieser Umstand bestätigt nur, was er längst verspürt hat: Der Cavalliere ist für eine gemeinsame Unterhaltung vollkommen unterqualifiziert. Jener erkennt ja nicht einmal den Scharfsinn und Wortwitz in des Maugus Entgegnung.
Und der Puppenspieler? Seine Rolle wie seine Ziele werden nicht recht klar. Besonders die letzten Worte können Yashkir nur in Verwirrung stürzen. Jetzt nur keinen theologischen Disput!
"Meine Herren, die Audienz ist beendet." Da Yashkir dabei ausschließlich und noch dazu tadelnd auf den Cavalliere schaut, bleibt kein Zweifel, wer damit gemeint ist. "Ich pflege Gespräche nur mit des Zuhörens Willigen und Mächtigen zu führen." Kurze, prüfende Seitenblicke gelten dem Magus, dann dem Puppenspieler.
Einige Augenblicke aber müssen genügen. Wenn die Herrschaften zu verdattert sind, auch gut. Nur fast ein wenig schade um eine bestimmte Idee, aber ein schneller Friede ist Yashkir um so lieber.
Unwillkürlich schaut er noch einmal zurück auf den Platz, wo er noch eben lediglich vom Winde behelligt gesessen hat. Wird er etwas halbwegs Vergleichbares finden?
Der Blick streift das noch am Boden stehende Tintenfässlein. "Oh!" Eilig bückt er sich danach.
Wieder aufgerichtet, schaut er noch einmal kontrollierend umher und geht im Geiste seine Utensilien durch: Buch, Feder, Tinte. Mehr war es ja eigentlich nicht. Dennoch neigt Yashkir zu dem oft allgegenwärtigen Gefühl, etwas vergessen zu haben.

JK

Mit hochgezogenen Augenbrauen wirft Junaro einen fragenden Blick zu Freund Falko. Sicher gibt es einige Worte, die danach drängen, zur Erwiderung ausgesprochen zu werden, doch könnten diese möglicherweise in einem erneuten Wutanfall ob dieser anmaßenden Wortwahl untergehen. So spart er sich die Luft, um sie sogleich beschwichtigend einsetzen zu können.

OHH

Nein, er hat alles. Im Abwenden streift Yashkirs Blick die betreten schweigende Gemeinschaft jener drei nicht wirklich durchschaubaren Herren. Mit zweien von ihnen mag eine spätere Unterhaltung möglich, eventuell gar erstrebenswert sein. Doch momentan gibt es keine Anzeichen für deren Interesse. Sie können ihm ja nachlaufen, wenn ihnen daran liegt.
"Alsdann..." Es klingt wie ein entschuldigender Abschied, ein Aufwiedersehen, obgleich er es doch wie zu sich selbst murmelt. Der Blick sucht während der beiden folgenden Schritte auch bereits nach einer neuen Schreiberresidenz. Unter Deck wäre es zwar windstill, doch müsste Yashkir dort auch auf eine gute Portion Tageslicht und frischer Luft verzichten.

JK

Der Heiler erwidert auf dem Abschiedsgruß des Turbanträgers lediglich ein etwas zerstreut klingendes "Wie Ihr meint..."

OHH

Noch einmal wendet Yashkir den Blick zurück, da er etwas gehört zu haben vermeint. Wenn, dann kam es wohl von dem Magier, da die anderen Beiden Herren noch genau so stehen und dreinblicken, wie vor Minuten. Doch es war wohl nicht so wichtig, sonst wäre der Ton ein anderer gewesen.
So schreitet Yashkir endlich Richtung Heck. Neben dem Aufbau, also zwischen ihm und der Reling, das könnte ein geeigneter Platz sein!
Auf seinem Wege entgegen der Fahrtrichtung kann Yashkir den Blick der Bootsfrau rechts am Großmast, mit welcher er neulich ein etwas verwirrendes Gespräch führte, gar nicht übersehen. Da sie ihn so vergleichsweise lange ansieht, nickt er höflich, wobei sein Lächeln zugleich die leichte Verunsicherung widerspiegelt. Sollte er irgendwie unangenehm aufgefallen sein?
Hm, viel Im Weitergehen sucht er nahezu überall einen unverfänglichen Blickpunkt, schaut aber auch wiederholt zurück zu der burschikosen Frau.

JR

Das Nicken des Fahrgastes erwidert die Bootsfrau ohne langes Zögern und will sich schon fast wieder ihrer eigentlichen Absicht zuwenden, als sie bemerkt, dass der andere auch wiederholt in ihre Richtung schaut. 'Ach, was soll's!' beschließt sie bei sich und lässt den Mast wieder los, um einige Schritte in Richtung des Mannes namens Yashkir zu machen.
'Die Zwölfe...' will sie gerade beginnen, als ihr im letzten Moment noch einfällt, dass das bei diesem speziellen Gesprächspartner vielleicht nicht die beste Idee ist, und beschränkt sich darum schließlich auf die neutralere Variante: "Seid gegrüßt! Darf ich Euch kurz stören?"

OHH

Yashkir bleibt stehen. "Wobei? Äh, ich meine: Womit?" Offenkundig ist er noch etwas verwirrt, was bei ihm nicht allzu selten passiert. Da genügen ekler Wind und Streitigkeiten ebenso wie eben eine Frau, die ihn anspricht und die er noch nicht recht einzuschätzen weiß.

JR

"Nun, mit einer Frage", erwidert die Bootsfrau wahrheitsgemaäß und ohne jedes Zögern, um dann noch zu konkretisieren: "Genaugenommen damit, was gestern großes in Rethis passiert ist. Ich hatte gestern nämlich keine Möglichkeit, mich um Dinge außerhalb des Schiffes zu kümmern."
Ihr Blick bleibt dabei recht ausdruckslos, denn schließlich hat sie nur vor, ihre Neugierde zu befriedigen und eben kein tiefergehendes persönliches Interesse an der Angelegenheit.

OHH

Der Ausdruck des Fräuleins ist ja nicht gerade von herausplatzender Neugier geprägt, doch wie auch immer. "Nun... Ein großes Hafenfest, das dürftet Ihr immehin mitbekommen haben. Der Anlass allerdings entzieht sich meiner genaueren Kenntnis. Es ging um allerlei höchst kurzweilige Glücksspiele und Wettkämpfe. Vermutlich einfach eine liebenswerte Sitte, bei der ich sicher gern einmal wieder teilnehmen werde." Ob seiner Erinnerung lächelt er verträumt und streichelt mit dem Daumen über den Einband seiner Trophäe.

JR

"Ja, dass da ein Fest war, ist mir natürlich nicht entgangen", erwidert die Bootsfrau, "da war ja schließlich genug Trubel gestern."
Nach einer gedankenvollen Pause fragt sie schließlich: "Spiele und Wettkaempfe... wart Ihr erfolgreich?"

OHH

Stolz lächelnd kann Yashkir erklären: "Ohja, auf der ganzen Linie! Ich war Steuermann des siegenden Bootes bei der Regatta, und mit meinen Dichtkünsten konnte ich diesen schönen Folianten erringen." Da die andere Hand mit Tinte und Feder beschäftigt ist, bleibt Yashkir nur, dem zur Präsentation erhobenen Buch weiter mit dem Daumen über den Einband zu streichen, obgleich eine Handfläche ihm angemessener erschiene.

JR

"Meinen Glückwunsch!" erwidert die Bootsfrau spontan und mit ehrlicher Achtung in der Stimme, denn 'Steuermann' ist etwas, das sie einschätzen kann, da sie selbst auch schon oft genug kleine Boote oder auch große Schiffe wie die NORDSTERN gesteuert hat.
"Das erklärt natürlich, warum mir das ganze gestern schon ziemlich triumphal vorgekommen ist; das ist in der Tat ein großer Erfolg. Ich hätte das gerne gesehen!"
Beim letzten Satz klingt deutliches Bedauern mit, denn auch wenn Feste nicht unbedingt Nirkas große Freude sind, so hat sie umso mehr Spaß daran, sich bei allerlei Dingen, die mit der Seefahrt zu tun haben, mit anderen zu messen.

OHH

Das ganze? Triumphal? Vermutlich meint die Bootsfrau ja so etwas wie pompös. Möglicherweise sollten Seeleute auf Lehnworte aus dem Bosparano verzichten. Dass sie sich auch auf ihn und seine sicherlich etwas fröhlichere Mimik bei seiner Rückkehr zum Schiff beziehen könnte, kommt ihm nicht in den Sinn.
"Ja, es war schon ein recht großer Aufwand, der getrieben wurde." Seine Worte kommen ihm belanglos vor, doch was soll man auch dazu sagen! Die vielen festlichen Verzierungen der Stadt und dergleichen hat er mal wieder nur sehr am Rande wahrgenommen. "Hm, ich habe mich allerdings vor allem auf die Wettkämpfe selbst konzentriert und vom Drumrum weniger mitbekommen", erklärt er daher ehrlich.

JR

Da die Reaktion nicht so ausfällt, wie sie es eigentlich gedacht hat, ist Nirka erst einmal verwirrt, dann schüttelt sie den Kopf. "Das ist schon verständlich, das würde ich genauso tun. Was nutzen einem bunte Wimpel und Fähnchen, wenn man ein Boot zu fahren hat! Nein, ich bezog mich eher darauf, dass ich mitbekommen habe, wie gestern abend einige unserer Matrosen von diesem Fest zurueckgekommen sind, und dabei außergewöhnlich gute Laune hatten, fast so, als hätten sie und nicht Ihr das siegreiche Boot gesteuert. Oder war da jemand von denen bei Euch mit an Bord?"
Ihre eigene Frage klingt in Nirkas Ohren ein wenig seltsam, da sie den Teil, warum sie das nicht gleich am letzten Abend nachgefragt hat, ausgelassen hat, aber im Grunde muss Yashkir nicht wissen, warum sie in ihrer kleinen Kammer geblieben ist und die fröhliche Stimmung der Matrosen ignoriert hat.

OHH

Diese Feinheit wird Yashkir wie so oft erst etwas verzögert bemerken. Eine direkte Erkundigung hat bei ihm immer höhere Priorität als ihren Grund zu hinterfragen.
"Ja, der Schiffszimmermann war einer meiner beiden Ruderer. Und es gab wohl noch weitere Matrosen und Fahrgäste dieses Schiffes unter den Besserplazierten. Die Favoriten, die Sieger der letzten Jahre, wurden auf Platz vier verdrängt! Möglicherweise waren sie sich einfach zu selbstsicher." Sein Lächeln wirkt fast ein wenig mitleidig.

MM

Lurio ist dem fremdländischen Magier unaufdringlich gefolgt, in der Hoffnung, die Unterhaltung fortsetzen zu können. Einstweilen hat der Barde Yashkirs Gespräch mit der Bootsfrau in höflichem Abstand gelauscht. Sein Blick wandert kurz zu dem schweigsamen Schiffszimmermann. Aha, daher also der güldene Kranz!
Nun mischt Lurio sich aber doch ein: "Wenn ich das recht verstanden habe, gelehrter Herr, so habt Ihr an mehreren Wettkämpfen teilgenommen? An solchen geistiger und auch körperlicher Natur?"

JR

Das Hinzutreten des zweiten Fahrgastes lässt die Bootsfrau kurz verwirrt zu diesem sehen, zumal er sich ohne jede Frage und jede Einleitung direkt in das Gespräch einmischt.
Normalerweise wäre das damit auch für sie die Stelle, sich aus der Unterhaltung zurückzuziehen, doch Yashkirs Worte sprechen jenen Teil von ihr an, der am gegenseitigen Kräftemessen interessiert ist. "Das ist ja großartig", erwidert sie darum, ohne sich weiter Gedanken darüber zu machen, ob das den Störer stören könnte, "und dann gleich noch auf den vierten Platz!"
Die Freude darüber ist keinesfalls gespielt, eher im Gegenteil, es ist in den letzten Tagen eher selten geworden, dass sich die Bootsfrau derart über etwas freut. "Das müsst Ihr mir unbedingt irgendwann einmal im Detail erzählen!"

OHH

Yashkirs Irritation hält sich in Grenzen, da sich das Thema durch den Hinzugekommenen nicht sonderlich verschiebt. "Ja, steuern und dichten", erklärt er dennoch nur kurz, da die so überaus begeisterte Bootsfrau auch noch einer Erwiderung bedarf.
"Aber unser Verdienst ist ja lediglich die Verdrängung auf den zweiten Platz. Insofern hat meine Belustigung eher sozialwissenschaftliche Hintergründe", doziert er lächelnd und ein klein wenig vorgebeugt. "Aber welches Detail meint Ihr?"

JR

Nirka runzelt bei der Gegenfrage die Stirn - ist das nicht offensichtlich, was man wissen will, wenn man solch eine Frage nach einem gewonnenen Wettbewerb stellt? Angesichts der Tatsache, dass es sich bei ihrem Gegenüber um einen Fahrgast handelt, hält sie sich jedoch zurück und erläutert ruhig: "Eben all die Details, die zu Eurem Sieg geführt haben. Wie Ihr gestartet seid, wie Ihr andere Boote ausmanoevriert habt, wie Ihr Strömungen genutzt habt, wie jene Favoriten darauf reagiert haben, dass Ihr und nicht sie gewonnen haben... all so etwas eben."
An dieser Stelle hält Nirka erst einmal inne und sieht Yashkir fragend an.

OHH

"Achso, hm, äh..." Diese Dinge hat Yashkir sich größtenteils gar nicht so genau realisiert. Ziemlich angestrengt nachgrübelnd, legt er den zeigefinger längs der Unterlippe und reibt mit dem Daumen am Kinn.
"Nunja", beginnt er etwas langsam, "wir lagen eigentlich von Beginn an recht weit vorne. Zwischendurch gab es an Landeplätzen auch verschiedentliche Aufgaben für die Mannschaften, die Zeitboni einbrachten. Die Stömungen waren nicht überall leicht zu erahnen. Sicher waren die Favoriten ob ihrer Kenntnisse die Favoriten. Um so enttäuschter waren sie natürlich. Ich glaube, bei der Siegesvergabe waren sie gar nicht anwesend..." Aber sicher scheint sich Yashkir da nicht zu sein. Letztlich zählt ihm dies alles wenig und manches versteht sich ohnehin von selbst.

JR

"Das mit den Strömungen kann ich mir gut vorstellen", erwidert die Bootsfrau, "das ist auch jedes Mal eine Herausforderung, wenn wir mit der NORDSTERN in einen unbekannten Hafen einlaufen, ohne auf einen Lotsen zurückgreifen zu können."
Glücklicherweise kommt dies nur selten vor, da die Hafenbetreiber ja auch ein ziemliches Interesse daran haben, dass keine Schiffe im Hafenbecken stranden oder die Kaianlagen rammen.
"Ihr erwähntet gerade Aufgaben an Land... ging es da um Seemännisches, oder eher auch um anderes?"

OHH

"Lasst mich überlegen, ob es überhaupt um Seemännisches ging", meint Yashkir und kratzt sich an der honen Stirne. "Es waren eigentlich alle möglichen Spiele und Aufgaben. Vom Beschimpfungswettbewerb" - er rümpft die Nase und aus sein ablehnender Ton lässt tief blicken - "bis hin zum Abschätzen vom Gewicht allmöglicher Gegenstände und von Kindern."

JR

Immerhin sorgt das dafür, dass die Bootsfrau nicht mehr ganz so enttäuscht darüber ist, das ganze verpasst zu haben, denn das, was sie da gerade vernimmt, klingt nicht gerade nach etwas, auf das sie sonderlich scharf gewesen wäre.
"Seltsame Zusammenstellung", kommentiert sie dann, "aber wie es aussieht, habt Ihr Euch dabei ja auch gut geschlagen."
Dem hinzugetretenen zweiten Fahrgast wirft sie nur einen weiteren kurzen Blick zu, aber solange dieser nichts sagt, sieht sie keinen Grund, das Gespräch nicht fortzusetzen.

MM

Lurio nimmt erfreut wahr, dass Yashkir nun damit fertig zu sein scheint, der Bootsfrau zuliebe von Rudern und anderen tristen seemännischen Tätigkeiten zu erzählen. Dass diese Frau trotz ihrer Arbeit, auf der sie ständig damit umgeben ist, nicht genug davon bekommen kann, lässt auf einen recht beschränkten Geist schließen.
"Würdet Ihr mir vielleicht etwas über diesen Dichterwettstreit erzählen?" wendet er sich jetzt an Yashkir. "Ich hatte noch nicht das Vergnügen, einen dichtenden Magier kennenlernen zu dürfen. Es scheint mir doch eher ungewöhnlich, einem Mann zu begegnen, der Hesinde auf so verschiedene Weise dient."

OHH

"Wie gesagt", erwidert Yashkir der Bootsfrau nur knapp und unschlüssig nickend, derweil er noch dem Puppenspieler lauscht. Dann wendet er sich jenem etwas mehr zu, immer darauf bedacht, Nirka damit nicht vor den Kopf zu stoßen oder mit einer ungelenken Bewegung vom Gespräch auszuschließen. Das soll sie selbst übernehmen, falls es ihr zu langweilig wird.
"Nun, es ging darum, einen Sang, ein Gedicht oder eine Geschichte zu verfassen, welche zwölf bestimmte Begriffe beinhalten sollten. Leichte wie Kinderlachen und Feenwald, aber auch so ein absolut undichterischer Hammerschlag wie Belegnagel! Ich kann Euch sagen!" Eine entrüstete Mimik ebenso wie eine etwas schiefe Haltung und ein angedeutetes Abwinken sprechen Bände darüber, was Yashkir von diesem Begriff halten muss.

MM

"Das klingt ja mal nach einer originellen Herausforderung!" antwortet Lurio. Dann kratzt er sich nachdenklich am Kopf.
"Aber... Belegnagel? Ich weiß noch nicht einmal, was das sein soll! Wer denkt sich nur so etwas aus? Dürfte auch vom Silbenklang schwer in ein ordentliches Versmaß einzubinden sein..."

JR

Nur mit einiger Beherrschung kann sich die Bootsfrau zurückhalten, dem Fahrgast eine patzige Antwort auf diese unkundige Frage zu geben - vor allem angesichts der Tatsache, dass es im näheren Umkreis mehr als nur einen Belegnagel gibt, ohne die es der NORDSTERN wohl deutlich schlechter gehen würde.
Da sie sich jedoch entsinnt, dass Yashkir durchaus etwas von der Seefahrt versteht, was ihm wohl auch beim gestrigen Fest geholfen hat, unterlässt sie es, etwas dazu zu sagen, sondern macht langsam einen Schritt rückwärts, als wolle sie dem Gespräch über die Dichtkunst entfliehen.

OHH

"Ja, wirklich..." Beiläufig weist Yashkir auf die an der Reling befindlichen Hölzer. "Da sind welche..." Schon droht er sich selbst abgelenkt zu haben, die Augen rollen kurz empor, als könne Yashkir am Himmel ablesen, was soeben noch alles gesagt wurde. Tatsächlich lauscht er nur seinem eigenen akustischen Gedächtnis.
Wieder den Puppenspieler anschauend, fährt er seinen ersten Gedanken fort: "Ja, es war höchst unerquicklich und die Lösung, ihn zu verwenden auch etwas unangenehm, doch bin ich wohl wenigstens nicht der einzige gewesen, der darauf kam. Allerdings sorgt der Begriff durch seinen unmelodischen Charakter und eine wenig geeignete Auswahl an Reimwörtern trotz seiner erzwungenen Zeilen-Mittelstellung noch für einen unglücklichen Holper im Versfluss." Entsprechen verkünden Yashkirs Augen sein Bedauern darüber.

JR

Da Yashkirs Fingerzeig fast genau dem entspricht, was die Bootsfrau am zweitliebsten nach einer patzigen Antwort getan hätte, grinst sie kurz, um dann wieder auf die Worte zu achten. Diese handeln weiter von der sie nicht wirklich interessierenden Dichtkunst, die dem Anschein nach jedoch das Hauptinteresse des anderen Fahrgastes zu finden scheinen. Damit ist die Sache für Nirka recht klar.
"Ich werde mal wieder arbeiten", murmelt sie, während sie den beiden kurz zunickt und sich dann langsam in Richtung des nahegelegenen Großmastes entfernt.

OHH

So sehr ist Yashkir von den eigenen Worten - denen des Gedichtes ebenso wie den zuletzt verbrochenen - verzückt, dass er das Zurückweichen Nirkas beinahe übersehen hätte. Da sie nun aber auch ihre Stimme erhebt - wenngleich nicht sonderlich hoch - nickt er ihr freundlich und entschuldigend zu. Zwar vermag er ihr Desinteresse schwerlich nachzuvollziehen, aber die Geschmäcker sind nun einmal unterschiedlich. Auch die edelsten Dinge können niemals jedem gefällig sein.

MM

Lurios Blick folgt kurz Yashkirs Handbewegung. "Ach so, diese Dinger sind das. Nägel aus Holz... nun, die mögen an einem Schiff sicher eine wichtige Funktion haben, aber als Element eines Gedichtes..." Er schüttelt lächelnd den Kopf.
"Wo habt ihr ihn denn genau platziert?" erkundigt sich der Barde, ebenso wie die Bootsfrau an Details interessiert, nur halt an weniger handfesten.

OHH

"Hmmm..." Anscheinend konzentriert stellt Yashkir das Tintenfässchen auf den Boden und klemmt die Feder darunter. Sich aufrichtend schlägt er die hinteren Seiten seines Buches auf und blättert darin, obgleich sie allesamt keinerlei Beschriftung oder Bebilderung aufweisen. Doch schon hat er gefunden, was er sucht: Hier steckt ein kleines Blatt, welches offenkundig nicht Bestandteil des Buches ist, sondern nur darin aufbewahrt wird.
Den Band unter den Arm geklemmt, faltet er den Zettel auseinander und liest sogleich zielsicher die gewünschte Stelle vor:
"...Schiebt hoch den Unterrock, alsbald
sie den Belegnagel erspürt.
Ihm wird es heiß, ihm wird es kalt,
vom Glücksgefühl hinfortgeführt..."
Entschuldigend fügt er an: Ich weiß, es ist fürchterlich, aber was blieb mir übrig!"

MM

"Oh, aber nicht doch!" beschwichtigt Lurio den Dichter. Seine Mundwinkel zucken und er wendet sich für einen Moment mit vor den Mund gehaltener Hand von Yashkir ab, während sein Oberkörper in lautlosem Gelächter bebt. Der Magier hat tatsächlich ein echtes Gefühl in ihm hervorgerufen!
Als er sich wieder Yashkir zuwendet, blitzen seine bernsteinfarbenen Augen vor Heiterkeit. "Ich finde es äußerst ansprechend... diese bildhafte Sprache..." Er unterdrückt rasch einen weiteren Lachanfall.
"Wenn ich das so sagen darf - ich bin überrascht, einen Magier mit so vielfältigen Begabungen kennenzulernen. Ich dachte immer, die Wunder und Rätsel der Magie würden jemanden von Eurem Stand völlig in Beschlag nehmen."

OHH

Warum der Puppenspieler seine Belustigung zu verbergen sucht, wird Yashkir nicht recht klar. Möglicherweise will er ihn nicht durch allzu deutlichen Hinweis auf die Lächerlichkeit der Verse beleidigen. Dass die Worte anderes versichern, mag daher blanke Höflichkeit sein. Yashkirs Geschmack ist diese Art der Erotik jedenfalls nicht. Aber anhand der anderen Begriffe wollte ihm nur eine romantische Handlung für das Gedicht einfallen. Was ging nur in den Erdenkern dieser Wortauswahl vor!?
"Nun", erklärt er auf die letzten Ausführungen des anderen hin, "ich war nie einer, der den ganzen Tag immer nur in seine Bücher starren kann. Mich verlangt es nach Abwechslung und Kreativität. Soweit diese auch in der Magie Anwendung findet, kann ich mich wohl dafür interessieren. Aber wann kann man schon einmal schöne Formulierungen oder gar Wortwitz in eine Zauberformel einbauen! Der Gelegenheiten sind selten."

MM

Lurio nickt zustimmend, als Yashkir von Abwechslung spricht. "Gut möglich, dass ich nur ein Klischee des Magiers kenne. Jedenfalls finde ich einen Magier, der obendrein noch Dichter ist, sehr beeindruckend."
Kurz beobachtet er die Bootsfrau auf dem Großmast. "Ich hoffe, es wurde besonders positiv vermerkt, dass Ihr nicht einfach eine Geschichte sondern Reime mit diesen Wörtern erdacht habt. Darf ich fragen, welcher Schule der Magie ihr angehört? Ich will mein Bild von Hesindes Dienern etwas vertiefen", fügt Lurio beinahe entschuldigend hinzu.

OHH

"Es wurde schließlich in drei Kategorien bewertet: Lieder, Gedichte und Geschichten", erklärt Yashkir beiläufig. Wie die anderen belohnt wurden, ist ihm vor lauter Selbstbeschäftigung wieder einmal weitgehend entgangen.
"Aber legt nur nicht zu viel Wert auf Begriffe!" warnt er, da er es nicht mehr verantworten kann, den prinzipiell erwünschten Trugschluss weiter unkommentiert zu belassen. Das käme der Hochstapelei recht nahe. "Ich befasse mich in meinen Studien der arcanen Künste vorwiegend mit der Illusionsmagie. Übrigens würde ich mich nicht als unmittelbaren Diener Hesindes bezeichnen. Eher indirekt als eine Art Sympathisanten des Wissens und der Klugheit. Aber es mag sein, dass dies bei Zwölfgöttergläubigen für dasselbe genommen wird", beschließt er nachsichtig und klappt das Buch wieder zu.

MM

"Illusionsmagie? Oh ja, das scheint mir gut zu einem kreativen Geist zu passen."
Lurio lächelt anerkennend und überlegt kurz. Yashkir scheint äußerst zugänglich zu sein, vielleicht kann er dazu gebracht werden, eine künstlerische Kombination aus Illusion und Bauchrednerei mit ihm zu probieren? Aber das kann später angesprochen werden.
"Ich meinte auch nicht, Euch mit einem Geweihten gleichsetzen zu wollen", berichtigt sich Lurio dann. "Aber als Freund von Wissen, Klugheit und Kunst folgt Ihr ja den Prinzipien der Göttin, so dass man Euch durchaus als würdigen Diener ansehen könnte, nicht wahr? Nur eben nicht offiziell, als Teil ihrer Kirche."

OHH

"So könnt Ihr das gerne sehen, ja", entgegnet Yashkir noch etwas unschlüssig und hebt Fässchen und Feder wieder vom Boden auf. Man muss ja immer aufpassen, nicht allzu sehr in religiöse Diskussionen verstrickt zu werden. Wie leicht führt das zu Streitigkeiten!

MM

"Nun ja, also, ich bin auch niemand, der in Götterdingen sehr viel Ahnung hat", meint Lurio mit einem Grinsen und zuckt die Schultern.
"Jedenfalls, Dienst an Hesinde hin oder her, ich würde bei Gelegenheit gern einmal mehr über die Illusionskunst erfahren. Das stelle ich mir faszinierend vor! Natürlich nicht jetzt, ich wollte Euch ja eigentlich auch nicht beim Dichten stören..." Der Barde macht eine gespielt verlegene Grimasse und eine entschuldigenden Wink mit der Hand, der andeuten soll, dass er den Magus nun in Ruhe zu lassen gedenkt.

OHH

"Äh, achwas", winkt Yashkir ab. "Hier hat man ja viel Zeit." Dennoch nickt er zustimmend und wendet sich dann seinerseits dem eben schon angestrebten Ziele zu. Sicher wird es ein wenig dauern, bis er sich wieder voll auf Prinzessin Gutemine konzentrieren kann.

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Redaktion und Lektorat: OHH