Schlussendlich Brabak

Autoren: Birte Fricke, Oliver H. Herde und andere

SL

21. Boron 28 Hal, Vormittag, Hafeneinfahrt von Brabak
Der Lotse und sein Gehilfe klettern geschickt an Bord, während das Seil an einem der Anlegepoller der NORDSTERN befestigt wird, so dass diese das leere Boot auf der restlichen Strecke bis nach Brabak im Schlepp hat.
Bis zur eigentlichen Einfahrt des Hafens ist es noch gut eine Meile, aber bereits jetzt sind die großen Mengen an Masten der verschiedensten Schiffe zu sehen, die den Hafen bevölkern. Die Sonne scheint, es ist für den Vormittag - es mag noch gut eine Stunde bis Mittag sein - bereits recht warm, so dass es kaum jemand in den stickigen Kabinen unter Deck aushält, sondern die Einfahrt auf dem Oberdeck abwartet.

OHH

Zumindest einer der Fahrgäste scheint auch nicht die Absicht zu haben, noch einmal in den dunklen Schiffsbauch hinabzusteigen, welchen er nun zur Genüge kennt: sein Gepäck liegt neben ihm an der Reling, auf welche er sich mehr stützt als auf den Stab. Es handelt sich um einen recht großen Beutel mit einzelnem Tragerieben.
Aufmerksam schaut er sich um, wer sich denn sonst noch alles dem Tageslich aussetzt. Immerhin würde er sich gern von dem einen oder der anderen verabschieden und vielleicht gar ein letztes Schwätzchen halten, wenn die meisten in der letzten Zeit wohl auch arg reiseerschöpft wenig von sich haben sehen lassen. Dass man womöglich mit irgend jemandem eine Verabredung für den späteren Brabakaufenthalt abschließen könnte, wagt er vorsichtshalber gar nicht zu erwarten.
Leider scheinen die interessantesten Personen noch zu packen, oder vielleicht gehen sie auch schlicht in den Yashkir weniger bekannt gewordenen anderen gaffenden Passagieren und der Betriebsamkeit der Mannschaft unter. Es wird ja noch etwas Zeit sein.
So aber hat der hagere Südländer, der rein Körperlich so gar nicht auf Anhieb auf seine Herkunft schließen lässt, genug Zeit, den Blick wieder auf die scheinbar langsam herandümpelnde Stadt zu richten. Erinnerungen stürmen auf ihn ein. Ob er hier das eine oder andere Gesicht der alten Mannschaft wiedersehen wird? Möglicherweise ist es ein wenig verrückt, sich noch immer an diese Leute zu klammern, aber für eine Zeitlang waren sie fast so etwas wie eine Familie für ihn.
Unwillig schiebt er das vom Turban herabbaumelnde Schleiertuch beiseite, das ihm etwas zu sehr ins seitliche Blickfeld gerutscht ist.
Gut, eine Familie kann man sich nicht aussuchen, und es gibt immer mal Unfrieden. Das war seinerzeit nicht anders. Man hätte dem SChiff eben doch rechtzeitig einen Namen geben sollen.
Lächelnd schüttelt Yashkir das Haupt. Es war schon eine recht nette, verrückte Bande. Und wie sie ihn 'rekrutiert' hat...
Wieder hebt er den Blick. Die kleine vorgelagerte Inselfestung ist noch am besten zu erkennen, aber was will er da sehen? Daran desinteressiert schaut er wieder auf die Leute an Deck, welche gewiss bald zahlreicher werden. Im Moment sieht man noch viele, die nicht da sind - sozusagen.
Vielleicht überbewertet Yashkir solche Reisebekanntschaften ja zumeist. Zumindest scheinen sie anderen weit weniger zu bedeuten, die viel leichtherziger darüber hinweggehen und sich neuen Dingen können.
Nach einigen Momenten lenkt eine Bewegung beim Niedergang zu der Gruppenkabine seine Aufmerksamkeit heran, und er erkennt jene Person, von welcher ihm ein Abschied am wichtigsten ist - sofern ein solcher denn unvermeidlich sei.
Beonora steigt hervor und schaut umher, was in ihm den Drang wachruft, ihr zuzuwinken. Dies jedoch erscheint ihm dann doch übertrieben, ist er sich über ihre Gefühle doch noch weniger im Klaren als über die seinen. Und überhaupt, vor all den Leuten!
So bleibt es bei einem allgemeinen Straffen und Aufrichten des Körpers. Dergestalt blickt er ihr in einer Weise entgegen, die einem auffälligen Signal schon recht nahe kommt.

BF

Aufmerksam schweifen die Augen der braunhaarigen Frau übers Deck und ziehen musternd über die Matrosen und die wenigen anwesenden Passagiere hier oben an der frischen Luft. So ist es nicht verwunderlich, dass sie alsbald eine mit einem Turban behütete und in südländischem Stil gekleidete Person entdeckt, deren Anblick Beonora einen warmen Ton auf ihre Züge legt.
Ohne weiter drüber nachzudenken, setzt sie sich in Bewegung Richtung Yashkir. Als sie ihn erreicht und zu ihm an die Rehling tritt, schenkt sie dem Magier ein aufrichtiges, herzliches Lächeln. Kurz lehnt sie sich zu ihm hinüber und berührt verspielt mit ihrem Oberam den seinen. Eine schüchterne Geste der engeren Kontaktaufnahme; denn ist sie sich doch selbst zu unsicher, wie er wohl reagieren mag, wenn sie ihn nach all der Zeit ihres Abkapselns auf einmal ungestüm Umarmen würde.
"Hallo der Herr", beginnt sie mit einem fröhlichem Unterton in der Stimme. Einige Wimpernschläge lang lässt Beonora ihr Augenmerk über die Kulisse der Küste streifen, bevor sie das Gespräch weiter in Gang setzt: "Das ist also die Stadt deiner Herkunft!? Sieht vielversprechend interessant aus."
Dann verstummt sie wieder, als ihr bewusst wird, dass sie wohl nichts Sinnvolleres imstande ist, hervorzubringen. Ein merkwürdiges Gefühl leichter Wehmut überkommt sie auf einmal, und nostalgische Erinnerungen einzelner Stationen dieser Reise durchfluten ihr Gedächtnis.

OHH

Tatsächlich ist Yashkir von der kleinen Annäherungsgeste ein wenig überrascht, obgleich er doch solches oder mehr erhofft hat. Freilich würde ihn Überschwenglichkeit weit mehr von einer gewissen Oberflächlichkeit dieser Dame überzeugt haben. Wieder einmal würde er sich die Fähigkeit des Gedankenlesens wünschen. Auffällig dabei erscheint der Umstand, dass viele Frauen diese bei ihm vorauszusetzen scheinen. Das macht es nicht leichter.
Angesichts all dieser rasenden Gedanken fällt das Lächeln unsicher aus, und das Handheben zur Berührungserwiderung kommt etwas spät und zaghaft. Im Grunde nicht weiter ungewöhnlich für den scheuen Mann.
"Hallo. Äh - was? Jein, also so halb... Ich bin in Al'Anfa geboren. Aber die letzten Jahre habe ich hier doch am meisten Zeit verbracht." Während Brabak nur beiläufige Blicke erntet, gilt das Hauptaugenmerk doch deutlich der Mimik Beonoras.

BF

Mit auf die Silhouette des Hafens gerichtetem Blick hört Beonora Yashkir zu. Seine Aussage veranlasst sie zu einem gutmütigen Schmunzeln. "Hm..? Also bezeichnest du diese Stadt nicht als deine Heimat? Ich hatte es anders aufgefasst. Ist Heimat schließlich nicht dort, wo man sich hinsehnt? Ungeachtet dessen, wo man geboren wurde?"
Sie dreht den Kopf, guckt Yashkir mit einem warmen Lächeln an und ihr Gesicht zeigt Aufgeschloßenheit und Interesse. "Wo sehnt sich dein Herz sonst hin, wenn nicht an den Ort, wo du viel Zeit verbracht hast? Sind es nicht grade die schönen Erinnerungen an glückliche, unbeschwerte Momente, die einen das Gefühl vermitteln, jenen Ort als Heimat zu bezeichenen? Niemand würde wohl einen Ort als Heimat bezeichnen, an dem er nur Leid und Unglück erfuhr. Zieht es den Menschen nicht immer wieder dort hin, wo man Glück und Heiterkeit empfand?"

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Einen Moment lang bewegt sich an Yashkir scheinbar nichts als seine Gewandung im sanften Winde - die fast bodenlange lange schwarze Weste, die roten Schurzteile der Pluderhose...
Auf seiner Zunge hingegen, könnte man sagen, streitet sich eine ganze Schar von möglichen Antworten und Überlegungen. Diese wollen gut aussortiert sein. Aber wann im Leben hat man schon einmal die Zeit dazu!
"Vielleicht", beginnt er mit einem Zugeständnis. "Wobei ich mich eher nach den Umständen sehne, nicht nach den Orten. Den Umständen und den Personen. Heimat für mich wäre, wo meine Lieben sind. Eine Trutzburg gegen den Wahnsinn der Massen oder die Unbill der Natur kann man sich überall einrichten."
Viel bewegt hat er sich noch immer nicht, aber er steht zumindest wieder entspannter.

BF

Beonora deutet ein leichtes Nicken an auf seine Rede und schürzt ganz kurz die Lippen. Die Worte sind ihr nicht neu, hat er sie ihr doch bereits einmal gegenüber erwähnt. Lange ist es her, doch ihr Gedächtnis lässt sie selten in Stich.
"Also freust du dich nicht, hierher zu kommen? Ich dachte, dich zieht auch ein wenig die Wiedersehensfreude, alte Bekannte zu treffen, zurück nach Brabak!? Oder treibt dich einfach die Pflichterfüllung hier in den Süden?" Auf ihre letzten Worte hin, wird ihr Blick, den sie Yashkir schenkt, neugierig und forschend.

OHH

"Mh, na... Von Pflichten ist mir nichts bekannt", erwidert Yashkir schmunzelnd, nachdem er einen Moment lang hinreichend gewissenhaft darüber nachgedacht hat. "Das mit den Bekannten trifft es wohl eher. Keine Ahnung, ob ich von den alten Kameraden jemanden hier finde. Natürlich kenne ich ein paar Ansässige, aber ist nun niemand unbedingt eine Reise wert. Ich fliehe am ehesten vor den kalten Monaten im Norden."
Prüfend mustert er sie auf einmal. "Und du?" Irgendwie hing ihre Reise wohl mit dem Hexenzirkel zusammen, wenn er das recht verstanden hat. Ob dies allerdings noch gilt, ist ihm nicht recht klar. Zweifellos wäre es besser, wenn nicht, denn was will man schon mit Menschen anfangen, die keine Zeit haben! Wobei die Frage bleibt, ob es ihn denn nun überhaupt betrifft.

BF

Beonora lächelt ein wenig, doch begleitet das Lächeln auch ein gewisser schwermütiger Zug. Einen Moment schaut sie Yashkir direkt in die Augen, dann lenkt sie ihren Blick auf das Wasser und die Wellen.
"Was mich nach Brabak treibt?" fragt sie sich selbst nochmal versichernd, ohne eine Antwort seinerseits zu er-, geschweige denn abzuwarten. "Hm... schwierig zu beantworten. Eigentlich wollte ich ja nur bis nach Chorhop mit. Doch dann hat sich einiges anders entwickelt. Ich habe jemanden kennengelernt, dessen Reiseziel weiter im Süden lag, als das meinige" - kurz lächelt sie Yashkir schüchtern an - "und nach meinen Erledigungen in Chorhop hatte ich beschlossen, noch meine geografischen Kenntnisse bezüglich des Südens zu vertiefen. Nicht ganz uneigennützig, muss ich gestehen, um in jemandes Nähe zu bleiben."
Beonora grinst etwas spitzbübisch, doch dann wird ihre Mimik ernster und trauriger und nur ein schwacher, schwermütiger Abglanz des eben noch verschmitzten Strahlens bleibt zurück. "Auf der Fahrt hierher haben mich allerdings besorgniserregende Nachrichten ereilt, und nun - wie soll ich das beschreiben? Diese Nachrichten haben mich viel Nachdenken lassen, und ich musste zu einem Entschluss kommen."
Kurz schweigt sie in Gedanken versunken. Doch während dieser kleinen Pause weicht die Traurigkeit von ihrem Antlitz und eine tiefe Entschlossenheit tritt statt dessen hervor. "Wenn du mich nun fragst, was mich nach Brabak treibt, würde ich dir hier und jetzt sagen: Ein neuer Abschnitt meines Lebens. Denn ich werde nicht mehr zurückgehen! Ich will versuchen, hier im Süden ein neues Glück zu finden. Zeit bedeutet Wandel, und Wandel tritt dann auf, wenn man ihn am wenigsten erwartet." Ein kurzes, bekräftigendes Nicken auf ihre Worte, dann schwenkt ihr Blick wieder zu Yashkir und ein zufriedener Ausdruck umspielt ihre Mundwinkel.

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Beonoras Blicke und Andeutungen sind geeignet, Yashkir hinreichend zu verunsichern. Meint sie wirklich ihn mit alledem? Vermutlich wäre es am besten, sie einfach geradeheraus zu fragen. Solche Versteckspiele haben ihm nie gelegen, führen sie doch gewöhnlich dazu, dass das Gesuchte irgendwo verborgen liegen bleibt und irgendwann vergessen wird.
Allerlei recht unterschiedliche Gedanken konkurrieren in ihm auf verwirrende Weise miteinander, Höflichkeit und Sorge lassen ihn dann aber das bedenklichste Thema aufgreifen: "Hm, nun. Das klingt bei aller unterschwelligen Hoffnung nicht sehr erfreulich. Du bist doch nicht in Gefahr oder dergleichen?"

BF

Yashkirs Sorge berührt Beonora und veranlasst sie zu einem sanften Schmunzeln. "Nein! Ich bin nicht in Gefahr. Deine Sorge rührt mich, Yashkir." Lieb lächelt sie ihm zu.
"Wie sich das anhören mag, obliegt wohl der subjektiven Betrachtungsweise eines jeden Zuhörers. Ich finde es irgendwie sehr reizvoll, und es schreckt mich eigentlich in keinster Weise. Ich werde einen Boten schicken, um meine wichtigsten Habseligkeiten herbeordern zu lassen. Ansonsten lass ich alles erstmal auf mich zukommen. Was bringt es, sich allzu finstere Gedanken zu machen? Ist es nicht viel sinnvoller, Veränderungen mit einem herzlichen Lächeln zu begegnen und zu empfangen? Wie sagte ein weiser Mann einmal? Nichts ist so beständig wie der Wandel? Irgendwie so in der Art."
Sie macht eine fortwischende Handbewegung und lächelt stetig zufrieden weiter vor sich hin.

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Zumindest eines bedeuten ihre Worte wohl: Dass sie vorerst im Süden bleiben will. Das mag trotz ihres späteren Zitats auf eine gewisse Beständigkeit hinweisen. Was hat man schon von einer Bekanntschaft am anderen Ende der Welt! Selbst mit einem Fernverständiungszauber wäre dies wohl kaum dasselbe.
Yashkir neigt ein wenig den Kopf zu Seite. "Nun, ich erwarte Veränderungen mit Offenheit, aber auch einem mir durchaus gesund erscheinenden Misstrauen. Es dürfte wenig angemessen sein, eine Bodenverfärbung anzulächeln und weiter vertrauensvoll darauf zuzuhalten, wenn sie sich dann allzu spät als Spalte oder Sumpfloch erweist." Sein Lächeln wirkt eher unschlüssig, der Mischung aus Gefühlen entsprechend, welche seine Formulierung ausdrückt. "Ich weiß einfach nur gerne, woran ich bin."

BF

Kurz auflachend legt Beonora den Kopf etwas nach hinten, als sie sich vor ihrem inneren Auge Yashkir vorstellt, der mit beseeltem Lächeln und vertrauensvoller Miene in die Luft tritt und dann in einem Loch entschwindet.
Lächelnd erklärt sie sich näher. "Das meinte ich auch nicht, dass man blindlings und ohne zu überlegen alles Unbekannte und Fremde mit einfältiger Freude willkomen heißen soll und somit gefahrlaufen würde, sich mit offenen Armen jegliche Bedrohung aufzuhalsen. Nein. Ich meinte nur, dass man die Zeichen des Wandels beachten, sie bewerten und überdenken sollte und dann aber auch annehmen, sofern man sich damit auseinandergesetzt hat und zu der Erkenntnis kam, dass es besser ist, eine Veränderung zu akzeptieren, als stur an alten Mustern festzuhalten. Sicherlich - ohne gesundes Misstrauen und gründliche Überlegungen sollte man nicht handeln. Voreiligkeit kann genauso fatale Folgen nach sich ziehen, wie die Unbereitschaft, sich Neuem anzupassen."
Kurz seufzt sie. Diese Thematik ist doch wirklich schwierig. "Ich weiß nicht, wie ich das genauer erklären soll. Ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich hier in Brabak bleiben werde. Ich möchte nicht zurück ins Horasreich. Dort würden auf mich nur Missgunst, Feindseligkeit und Ärgernisse warten."
Kurz zögert sie, abwägend ob sie sich ihm offen anvertrauen sollte, entschließt sich dann aber dazu. "Es gab in meinem Zirkel eine für mich schwerwiegende Veränderung. Meine Ordensmeisterin ist verstorben, und ihren Platz hat eine Nachfolgerin eingenommen, in deren Gunst ich wohl noch unter gewöhnlichem Gossendreck stehe. Wenn ich zurückkehre, werde ich ohnehin kein leichtes Brot mehr zu erwarten haben, also warum nicht gleich in einer weit entfernten Stadt ein neues Leben beginnen, als sich der Knute einer herrischen Sklaventreiberin zu unterjochen?"
Vorsichtig ringt sie sich zu einem Schmunzeln durch, doch ist es begleitet von jener wehmütigen Traurigkeit, die der Bewusstwerdung einer solchen Tatsache, wie Beonora sie zu schildern versuchte, einherfolgt.

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Während ihres Vortrages passt sich Yashkirs Mine immer wieder seinen kommentierenden oder einwändenden Gedanken an. Es mag gut sein, dass er sie nicht ausformuliert; so bekommt Beonora die Gelegenheit, sich etwas von der Seele zu reden.
"Ich verstehe", bezieht er sich am Ende nur auf das Fazit. "Dann will ich gern versuchen, dir den Einstieg hier zu erleichtern, wenn ich kann. Die wichtigsten Orte und besten Läden zeigen, zum Beispiel. Oder wofür du mich sonst brauchen könntest." Ein unsicheres Lächeln begleitet den Schluss.

BF

Auch Beonora schmunzelt etwas unsicher, aber nichts desto trotz ehrlich erfreut über sein Angebot, ihr die Stadt zu zeigen. "Das würde ich liebend gerne in Anspruch nehmen, Yashkir. Zuallererst wäre mir damit geholfen, wenn du mir eine gute, aber nicht zu teure Bleibe empfehlen könntest. Alles weitere, denke ich, wird sich fügen."
Gedankenvoll lässt sie ihre Augen wieder zur Hafensilhouette wandern und betrachtet in organisatorischen Planungen vertieft die Piere und Lagerhäuser.

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Zweifellos hat sie recht. Mit Ungeduld ist niemandem gedient, auch wenn Yashkir für sich selbst durchaus ein gewisses Verständnis in dieser Sache aufzubringen vermag. Wie oft enttäuscht auch eine allzusehr herbeigehoffte Zukunft! Schon allein ob der überzogenen Erwartungen in sie.
Yashkirs Blick folgt dem Beonoras. "Ähm, ja... Es gibt durchaus bessere und schlechtere Mietskasernen..." Auf Anfrage ist doch meist viel leichter zu helfen, als aus dem hohlen Bauch heraus.

BF

Yashkirs Worte ziehen Beonas Augenmerk wieder auf den Mann an ihrer Seite. Ein hintergründiges Schmunzeln tritt abermals auf ihre Züge, und mit leichter Erheiterung mustert sie ihn einen Augenblick stumm. Ihre Augen schauen fragend, doch die Frage, die sie beschäftigt und zugleich wohl genauso amüsiert, bleibt noch einige Wimpernschläge unausgesprochen, bis sie schließlich ihren Blick wieder von Yashkir abwendet und mit einem breiter werdenden Lächeln fragt: "Wo kommst du denn unter in dieser Stadt? Mietest du dich auch irgendwo ein? Ich dachte immer, da du doch hier eine Zeit lang gelebt hast, dass du zumindest einen festen Punkt hast, an dem du dich hinwendest?"
Die letzten Worte sind Frage und Feststellung in einem und der geneigte Zuhörer mag einen vielschichtigen Unterton heraus hören.

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Erst neigt Yashkir etwas den Kopf, bevor er seinerseits wieder auf seine Gesprächsgefärtin schaut. "Mnaja... Ich bin zu oft fort und weiß ja nie sicher, wie lange. Vielleicht kaufe ich mir eines Tages ein Häuschen hier - wenn ich mal zu etwas mehr Geld komme, mir mehr als eine Bretterkiste zu leisten."
Soeben wird Yashkir klar, den Kern der Frage vielleicht nicht ganz getroffen zu haben. Ein entschuldigendes Lächeln begleitet daher seine Antwort: "Also ja, ich miete mich auch ein."

BF

Leichtes Erstaunen lässt Beonoras Brauen anheben. "Nun, wenn dem so ist, können wir uns doch gemeinsam nach einer vorübergehenden Bleibe umschauen? Ich denke, an deiner Seite, als halbwegs ortskundiger, wird es leichter sein, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden, als wenn ich ganz allein mich durchschlagen müsste."
Ein kurzes Zwinkern begleitet ihre Worte, doch ohne lange innezuhalten, fährt sie fort in ihren Gedankenäußerungen: "Hast du eine grobe Vorstellung, wie lange du in Brabak bleiben wirst? Also... welche Vorhaben willst du hier verwirklichen? Oder was für Aufgaben planst du, zu erledigen?"

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"Gern", erwidert Yashkir leicht unsicher. Zwar nimmt er nicht wirklich an, sie könnte damit meinen, dass man auch gemeinsam etwas mietet, aber unterschwellig bleibt der Gedanke eben doch erhalten.
Ihre andere Frage aber lenkt ihn nicht nur davon ab, sondern bringt ihn gar in Verlegenheit. "Ähm, hm, ich habe eigentlich nichts Konkretes vor... also auch keine Zeitpläne. Ich wollte nur hier sein, bevor im Norden wieder der Winter ausbricht."
Unwillkürlich reibt der Daumen über den satinummantelten Griffbereich des Stabes.

BF

Beonora schmunzelt. Teils über sich selber, teils über Yashkirs Antwort. Wie konnte es auch anders sein! Die Vorstellung, dass es einen Südländer im Winter in nördlicheren Gefilden freiwillig hält, scheint ihr mit einem Male genauso absurd, als wenn man einem Efferdgeweihten gegartes Wildbret schmackhaft machen wollen würde.
Mit einem angedeuteten Kopfnicken, signalisiert sie die Kenntnisnahme Yashkirs Worte und unterstreicht dieses mit einem recht zufrieden klingenden "Fein!"
Dann verstummt sie und hängt ihren eigenen Gedanken nach, während ihr Blick von den sanften Wellen gefangen wird, die um das Schiff herum plätschern.

OHH

Etwas unschlüssig erwidert Yashkir das Lächeln. Fast schämt er sich, nicht voller Selbstaufgabe einem als hochwichtig definierten Ziele nachzujagen und es mit festem Schritte zu verfolgen. Das war im Grunde nie seine Art. Eher schon kann er Konsequenz und Geduld vorweisen - zumindest bei Dingen, die ihn faszinieren. Entsprechend ausdauernd verfällt er sogleich wieder in die Grübelei, wie er das Gespräch fortsetzen könnte.
Aber manchmal sollte man dies vielleicht gar nicht, sondern sich einfach auf die Situation einlassen. Durch eine kaum nennenswerte drehende Bewegung nähert er sich Beonora eine unaufdringliche Handbreit und blickt wiederum seinerseits sich mit beiden Händen am Stabe festhaltend auf die Hafeneinfahrt.

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Übersicht Yashkir

Redaktion und Lektorat: OHH 2010