Rechts? Links? Aufwärts!

"Rechts" und "links" sind in ihrem eigentlichen Wortsinn nichts als bloße räumliche Richtungsangaben, welche alleinig vom jeweiligen Betrachter aus gelten und entsprechend genutzt werden sollten.
Die Unterteilung der Parteien nach "rechts" und "links" hingegen darf als restlos veraltet angesehen werden, entstand sie doch in den Anfangstagen des deutschen Parlamentarismus bereits Mitte des 19ten Jahrhunderts. Damals waren die "Rechten", also vom Präsidium aus gesehen rechts im Reichstag Sitzenden, die konservativeren und fürstentreuen Liberalen, die "Linken" die radikaler für gesellschaftliche Veränderungen Demokratisierung und die Bildung eines rein deutschen Nationalstaates Einstehenden.
Dies hat sich über die nachfolgenden 170 Jahre immer wieder verändert. Im heutigen Parteienspektrum herrschen völlig andere Verhältnisse. Die Stömungen sind weit komplexer geworden, und ein extremes "Links" bedeute jahrzehntelang ebenso die Abkehr von der Freiheit des Einzelnen wie ein extremes "Rechts".
Inzwischen kann man sich überhaupt nicht mehr mit gutem Gewissen dieser problematischen Kampf-Begriffe bedienen, die von jeher der Propaganda und der Abgrenzung und Spaltung dienten. Es gibt kein allgemeines Einverständnis, was die Begriffe überhaupt genau umreißen sollen; sie sind schon aufgrund ihres plakativen, verkürzenden Charakters in sich unklar und vage. Heute genügt es, ein kritischer Mensch mit von einer Regierungsdoktrin abweichender Meinung zu sein, um von den Staats- und Konzernmedien als "rechts" abgestempelt zu werden - was immer das nun sein soll.
Aus diesem Grunde habe ich mich an einem ganz anderen Schaubild versucht, in welchem die alte Einordnung gebührend keine Rolle spielt gegenüber dem Grad der Freiheitlichkeit einer Partei. Natürlich ist auch dieser nicht immer leicht zu bewerten, zumal jede Partei aus verschiedenen Menschen besteht. Die Übersicht spiegelt meinen ungefähren gegenwärtigen Informations- und Vermutungsstand wieder und sollte daher nicht auf das Pixel genau genommen werden.

Als Einstieg(!), sich über die Vielzahl der Parteien und Kandidaten zu informieren, können theoretisch auch Wahlomaten wie Parteivergleich, Kandidaten-Check oder Dein Wal dienen. Es ist jedoch unbedingt darauf zu achten, dass jeweils nur eine sehr kleine und zufällige Themenauswahl von politischen Fragen angeboten wird, welche einem selbst nicht unbedingt die wichtigsten darstellen muss und bereits eine Lenkung der Aufmerksamkeit von außen bedeutet. Darüber hinaus sagt die Begründung durch die befragten Parteien jeweils weit mehr aus als die oft irreführende Zustimmung oder Ablehnung einer These. Daher sollte man auch die Wahlprogramme der Parteien einsehen, sowie die Widersprüche von Wahlversprechen und politischem Handeln beobachten.


Loriot: "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen."

Interessantes zum Thema:

  • Zehn Gründe, weshalb Regierungen versagen (müssen).
  • Ob Parteien nach dem Grundgesetz überhaupt zu Wahlen kandidieren dürfen, wird von der Grundrechtestiftung angezweifelt.

    Literatur:

  • Friedemann Willemer: Vom Scheitern der repräsentativen Demokratie / Eine demokratische Tragödie; 2020
  • Gertrud Höhler: Das Requiem; 2021
  • Rainer Mausfeld: Angst und Macht / Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien; 2019
  • Michael Meyen: Die Propaganda-Matrix / Der Kampf für freie Medien entscheidet über unsere Zukunft; 2021
  • Albrecht Müller, Jens Berger: Nachdenken über Deutschland / Das kritische Jahrbuch; 2020/2021
  • Stefan Schubert: Vorsicht Diktatur!; 2020
  • Holger Strohm: Demokratie in Gefahr / Was ist aus Deutschland geworden?; 2017
  • Ulrich Teusch: Lückenpresse / Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten; 2016
  • Hans Herbert von Arnim: Vom schönen Schein der Demokratie / Politik ohne Verantwortung - am Volk vorbei; München 2000
  • Friedemann Willemer: Vom Scheitern der repräsentativen Demokratie / Eine demokratische Tragödie; 2020
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